Tabletten gegen vernachlässigte Armutskrankheiten
Viele Armutskrankheiten sind sehr ein­fach und güns­tig zu behan­deln. Eine ein­fa­che Behand­lung, die mit vier Pil­len vor sie­ben vernachlässigten Tropenkrankheiten schützt, kos­tet pro Per­son etwa 50 Cent im Jahr. Foto: globalnetwork.org

7 Fragen – 7 Antworten zu Armutskrankheiten

Maximilian Geigenmüller Blog, HIV und Aids 7 Comments

Millionen Menschen sind bis heute von medizinischen Errungenschaften ausgeschlossen. Über drei Millionen sterben jedes Jahr an Aids, Tuberkulose oder Malaria. Zusätzlich fordern vor allem in den ärmsten Regionen der Welt vernachlässigte Tropenkrankheiten Todesopfer und behindern Entwicklung. Dabei hätte unsere Generation die historische Chance, diese Krankheiten zu beenden. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zu Armutskrankheiten.

Was sind vernachlässigte Armutskrankheiten?

Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten (im Englischen poverty related and neglected diseases – PRNDs) – kurz vernachlässigte Armutskrankheiten – sind Krankheiten, die vor allem in armen Ländern auftreten und bei denen es an Diagnostika, Impfstoffen, Medikamenten und Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten fehlt. Sie sind eine der größten Herausforderungen der globalen Gesundheit.

Welche vernachlässigten Armutskrankheiten gibt es?

Neben den „großen Drei“ Aids, Tuberkulose und Malaria zählen zu den vernachlässigten Armutskrankheiten 17 Tropenkrankheiten, von denen mehr als eine Milliarde Menschen bedroht sind – darunter das Dengue-Fieber, die Schlafkrankheit und die Tollwut. Außerdem zählen Wurmkrankheiten wie die Flussblindheit, Helminthiasis und Echinokokkose zu den Tropenkrankheiten. Sie führen zu Erblindung, Entstellungen und Behinderungen, machen arbeitsunfähig und können tödlich sein.

Wer ist von vernachlässigten Armutskrankheiten betroffen?

Vernachlässigte Armutskrankheiten kommen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern vor. Mangelnde hygienische Bedingungen und eine unzureichende medizinische Infrastruktur tragen zu ihrer Verbreitung bei. Häufig sind die ärmsten Teile der Bevölkerung überproportional von vernachlässigten Armutskrankheiten betroffen.

Was bedeutet „vernachlässigt“?

Obwohl Armutskrankheiten mehr als ein Viertel der Menschheit bedrohen, haben die Betroffenen häufig keinen Zugang zu Diagnostika, Impfstoffen und Medikamenten. Für viele Krankheiten existieren diese auch noch gar nicht. Da die betroffenen Regionen und ihre Bewohner über wenig Kaufkraft verfügen, fehlen der Pharmaindustrie die finanziellen Anreize, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Bisher werden zum Beispiel nur etwa ein bis zwei Prozent der globalen Forschungsgelder für infektiöse Krankheiten aufgewendet, die besonders Entwicklungsländer betreffen.

Was haben vernachlässigte Armutskrankheiten mit Entwicklung zu tun?

Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten haben gravierende Konsequenzen für die Betroffenen: Kinder können nicht mehr regelmäßig zur Schule gehen, Erwachsene können kein Einkommen mehr für sich und ihre Familien erwirtschaften. Häufig werden die Erkrankten von ihren Gemeinden ausgeschlossen und sozial isoliert. In vielen Ländern müssen die Patienten Arztbesuche und Medikamente selbst bezahlen, was zu zusätzlichen finanziellen Härten führt. Für die von vernachlässigten Armutskrankheiten Betroffenen ist es umso schwieriger, der Armutsfalle zu entkommen. Allein die 17 Tropenkrankheiten sind laut Gesundheitsökonomen für den Verlust von mindestens 26 Millionen gesunden Lebensjahren (DALYs) verantwortlich – in etwa halb so viele wie bei Tuberkulose und Malaria. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Billionen.

Was kann gegen vernachlässigte Armutskrankheiten getan werden?

Die Eindämmung von vernachlässigten Armutskrankheiten ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Menschenrecht auf Gesundheit weltweit umgesetzt wird und nachhaltige Entwicklungsziele im Gesundheitsbereich erreicht werden. Um vernachlässigte Armutskrankheiten wirksam zu bekämpfen,

  • muss ein besserer Zugang für alle Menschen zu bezahlbaren und wirksamen Medikamenten und Gesundheitsdiensten ermöglicht werden,
  • müssen Gesundheitssysteme mit ausreichend Medikamenten und geschultem Personal ausgestattet werden, und
  • es muss in die Forschung und Entwicklung neuer Diagnostika, Impfstoffe und Medikamente investiert werden.

Auch hilft es, konsequent gegen Überträger wie Moskitos und Kriebelmücken vorzugehen und die hygienischen Bedingungen inklusive Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Anlagen zu verbessern.

Wie können alle Betroffenen erreicht werden?

Um vernachlässigte Armutskrankheiten wirksam zu bekämpfen, müssen die betroffenen Länder ihre Investitionen in Gesundheit erhöhen. Außerdem sollten Regierungen von Industriestaaten und Pharmaunternehmen mehr Forschungsprogramme aufsetzen und günstige oder kostenlose Impfungen und Medikamente bereitstellen, zum Beispiel über die Impfallianz Gavi oder den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) .

Deutschland fördert seit 2011 über das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Forschung und Entwicklung zu vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten in Form von Produktentwicklungspartnerschaften. Dabei handelt es sich um internationale Non-Profit-Organisationen, die akademische Institute, öffentliche Forschungseinrichtungen, Pharmafirmen und Nichtregierungsorganisationen zusammenbringen, um Forschungslücken zu schließen. Die Evaluation der ersten Förderrunde in Höhe von ca. 25 Millionen Euro, die im November 2015 auslief, war positiv. In einer zweiten Förderrunde werden nun bis 2020 mehrere PDPs mit insgesamt 50 Millionen Euro unterstützt.

Was Sie tun können …

Die DSW setzt sich bei Entscheidungsträgern in Entwicklungs- und Industrieländern dafür ein, mehr Mittel für die Gesundheitsversorgung und für die Forschung und Entwicklung im Bereich globale Gesundheit zur Verfügung zu stellen. Ihre Spende hilft uns, entsprechende Konferenzen, Fachgespräche und Kampagnen zu organisieren.

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