Global Gag Rule: Donald Trump und das Thema Abtreibung
Recht auf sichere Abtreibung in Gefahr: Unmittelbar nach seiner Amtseinführung hat der neue US-Präsident die "Mexiko City Policy" wieder eingeführt. Foto: Gage Skidmore (CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Setzt Donald Trump das Leben Tausender Frauen aufs Spiel? Der neue US-Präsident und die Abtreibungsfrage

Ute Stallmeister Blog, Freiwillige Familienplanung, Müttergesundheit 6 Comments

Über Trumps frauenfeindliche Haltung ist viel berichtet worden. Dass ein großer Teil der US-Amerikanerinnen und Amerikaner das nicht hinnehmen will, hat sich gerade beim Marsch der Frauen gezeigt, an dem Hunderttausende teilnahmen.

Nun hat Donald Trump erneut sein wahres Gesicht gezeigt und offenbart, dass er die Rechte von Mädchen und Frauen mit Füßen tritt. Denn unmittelbar nach seiner Amtseinführung hat der neue US-Präsident die sogenannte Mexiko City Policy wieder eingeführt, die auch als Gag-Rule bekannt ist. Diese Richtlinie besagt, dass allen Organisationen, die Abtreibungen anbieten, sich für deren Legalisierung einsetzen oder Frauen zum Thema Schwangerschaftsabbruch informieren, US-amerikanische Entwicklungsgelder komplett gestrichen wird. Das gilt auch für solche Gesundheitsangebote, die gar nichts mit Abtreibung zu tun haben! Und die Richtlinie gilt auch für die Arbeit in Länder, in denen Abtreibung legal ist. Damit setzt Donald Trump das Leben Tausender Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern aufs Spiel. Wie kann das sein?

Illustration: Auswirkungen der Mexiko City Policy auf ungewollte Schwangerschaften und unsichere Abtreibungen

Welche Auswirkungen hat die Wiedereinführung der Mexiko City Policy durch US-Präsident Donald Trump auf die Gesundheit von Frauen weltweit?

In den ärmsten Ländern der Welt sind Mädchen und Frauen dringend auf Aufklärungs- und Verhütungsangebote durch Entwicklungsorganisationen angewiesen, damit sie sich vor ungewollten Schwangerschaften schützen können. Ohne die US-Gelder werden viele dieser Organisationen die lebenswichtigen Familienplanungsangebote massiv einschränken oder gar ganz einstellen müssen. Die Folge: Millionen Mädchen und Frauen werden ungewollt schwanger. Und weil es in Entwicklungsländern allzu oft an einer guten medizinischen Versorgung und dem Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen fehlt, werden Tausende Mädchen und Frauen infolge von Komplikationen während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder an den Folgen unsicherer Abtreibungen sterben. Schon heute kommt es jährlich zu 300.000 dieser meist vermeidbaren Todesfälle. Die von Donald Trump verlangte Mittelkürzung macht die Situation noch weitaus dramatischer.

Abtreibungsraten werden steigen

Und anders als Donald Trump beabsichtigt, wird seine Politik die Zahl der Abtreibungen nicht reduzieren. Im Gegenteil: Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation zufolge sind in der Regierungszeit von George W. Bush, als die Mexiko City Policy schon einmal in Kraft war, die Abtreibungsraten in 20 ausgewählten Ländern sogar um 40 Prozent gestiegen.

Auch Donald Trumps Politik werden wieder Tausende Mädchen und Frauen zum Opfer fallen – wenn nicht andere Länder die entstehende Finanzierungslücke füllen. Hier ist vor allem Deutschland gefragt, zu seiner internationalen Verantwortung zu stehen und die Investitionen in diesen Bereich deutlich zu erhöhen.

Familienplanung ist ein Menschenrecht und darf nicht der frauenfeindlichen Entscheidung eines einzelnen Mannes zum Opfer fallen.

Comments 6

  1. Pingback: Keine Entwicklungshilfe mehr für Organisationen, die Abtreibungen unterstützen | Biblische Familien-Schule

    1. Sehr geehrter Herr Bösl,
      genau das möchten die Organisationen, denen nun Gelder gekürzt werden sollen, verhindern. Sie leisten umfassende Aufklärungsarbeit zu allen Informationen rund um die Themen Sexualität, Verhütung und Schwangerschaft. Ihre Arbeit ist besonders in Entwicklungsländern wichtig, wo diese Themen häufig kein Bestandteil der Schulbildung sind und in der Gesellschaft ein Tabu. Unwissenheit ist einer der Gründe für Teenagerschwangerschaften, die meist ungewollt sind. Deshalb muss die Finanzierung dieser Organisationen und ihrer Projekt auch in Zukunft gewährleistet werden, um es Mädchen und Frauen zu ermöglichen, selbst entscheiden zu können ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchten.

  2. Es geht nicht nur um Frauen und Mädchen,die nicht genügend aufgeklärt werden .
    Was ist mit denen, die durch eine Vergewaltigung schwanger werden? Und das gilt nicht
    nur in den Entwicklungsländern.

    1. Liebe Frau Lüdemann,
      sie haben vollkommen recht. Gewalt und speziell sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist ein globales Problem. Jede dritte Frau weltweit wird in ihrem leben Opfer körperliche oder sexualisierte Gewalt.
      Die Global Gag Rule gefährdet die Arbeit von Organisationen, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten oder dazu beraten. Die Kürzungen treffen vor allem Entwicklungsländer, wo es besonders viele ungewollte Schwangerschaften gibt – vor allem durch mangelnde Information über und Zugang zu Verhütungsmitteln. Der Begriff “ungewollte Schwangerschaften” bezieht dabei auch Schwangerschaften ein, die durch eine Vergewaltigung zustande gekommen sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.