Armutskrankheiten: Zwei Forscher in einem Labor vor einem Mikroskop
Forschung und Entwicklung zu vernachlässigten Armutskrankheiten rettet leben. Foto: Penn State (CC BY-NC-ND 2.0)

Wer Leben retten will, muss in Forschung und Entwicklung investieren

Leonie Müßig Blog, Globale Gesundheit, HIV und Aids Leave a Comment

Jedes Jahr sterben 6,5 Millionen Menschen in Entwicklungsländern an vernachlässigten Armutskrankheiten (PRNDs). Diese Todesfälle könnten durchaus verhindert werden – durch mehr Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet insgesamt 20 vernachlässigte Armutskrankheiten auf, die ihren Namen daher haben, weil sie hauptsächlich in armen Ländern auftreten.

Die drei bekanntesten Armutskrankheiten sind Aids, Malaria und Tuberkulose. Mit drei Ausnahmen gibt es bisher keine Impfstoffe gegen diese 20 Krankheiten. Selbst diese Impfstoffe sind nicht überall zugelassen oder – wie im Fall von Tuberkulose – nicht vollständig wirksam. Das Problem: Die Krankheiten kommen vor allem in ärmeren Regionen der Welt vor, wo wenig finanzieller Anreiz für Pharmafirmen besteht, in deren Erforschung zu investieren. Umso wichtiger ist es, dass Regierungen sich für Forschung und Entwicklung der vernachlässigten Armutskrankheiten stark machen.

Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs) nehmen eine wichtige Funktion bei der Bekämpfung vernachlässigter Armutskrankheiten ein. PDPs vernetzen Forschungseinrichtungen mit öffentlichen und privaten Institutionen und haben einen großen Anteil an der Entwicklung neuer Produkte im Bereich der Armutskrankheiten. Nicht nur Impfstoffe stehen auf der Agenda der Forscher, sondern auch bessere Medikamente. Denn Resistenzen gegen bestehende Medikamente werden zunehmend zum Problem. Die europäischen Regierungen haben jedoch ihre Zuschüsse für Produktentwicklungspartnerschaften laut Saving Lives Report 2016 zurückgefahren.

Investitionen für Armutskrankheiten seit 2009 zurückgegangen

Der von der DSW und der Organisation Policy Cures herausgegebene Saving Lives Report untersucht die europäischen Investitionen in Forschung und Entwicklung zu vernachlässigten Armutskrankheiten. Ein Viertel der öffentlichen Gelder in diesem Bereich kommt von der EU. Drei Viertel aus den 28 Mitgliedsländern der EU sowie der Schweiz und Norwegen. Von 2007 bis 2014 waren das insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Dabei war Großbritannien mit 871 Millionen Euro der größte Geldgeber, gefolgt von Frankreich (327 Millionen Euro) und Deutschland (224 Millionen Euro).

Anlass zur Sorge gibt jedoch die Tatsache, dass die Investitionen insgesamt seitens der europäischen Regierungen seit 2009 stetig zurückgegangen sind. Zudem erreichte keines der EU-Mitgliedsländer bisher auch nur im Entferntesten das von der Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Ziel, 0,01 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung zu Armutskrankheiten zu investieren. Deutschland erreicht mit seinem Beitrag nicht einmal ein Viertel dieses Ziels.

So lassen sich keine Innovationen vorantreiben und auch keine Leben retten. Über eine Milliarde Menschen, die an vernachlässigten Armutskrankheiten leiden, haben es verdient, dass wir uns für ihre Gesundheit einsetzen. Was heute noch eine vernachlässigte Armutskrankheit ist, kann morgen schon zur globalen Bedrohung werden. Das konnte man beim jüngsten Ausbruch von Ebola sehen. Forschung und Entwicklung in diesem Bereich hilft auf lange Sicht allen Menschen.

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