Als ich im Oktober 2002 das erste Mal nach Uganda kam, hätte ich mir kaum vorstellen können, dass dies schon bald mein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt für die kommenden zehn Jahre werden sollte. Ein Freund und ehemaliger Kollege hatte mich gefragt, ob ich ihm bei ein paar Workshops mit Jugendlichen im Rahmen eines Jugendprojektes der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in dem Land am Äquator behilflich sein könnte. So lernte ich das Programm zur Förderung von Kindern und Jugendlichen (PCY), angesiedelt beim Direktorat für Kinder und Jugendliche des ugandischen Ministeriums für Gender und Soziale Entwicklung kennen. Kernstück des Programms war ein neu entwickeltes Trainingsmanual, welches jungen Ugandern helfen sollte, sich selbst in Jugendgruppen zu organisieren, um gemeinsam kleine, einkommenschaffende Projekte umzusetzen.

Die Frage war nun, wie man möglichst vielen Jugendlichen dieses grundlegende Wissen als Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln konnte. Ein schwerwiegendes Problem in einem Land mit Millionen von Jugendlichen einerseits, aber ohne Infrastruktur für junge Menschen außerhalb von Schule und Kirche andererseits. Die Antwort war ein mobiler Ansatz basierend auf den Erfahrungen der Spielmobile, die seit zwanzig Jahren als „rollende Werkstätten der Fantasie“ Kreativität und Spiel zu Kindern und Jugendlichen in Städten und Landkreisen in Deutschland brachten. Die Idee des „Youth Truck“ war geboren. Und ich war auserkoren, diese Idee mit Leben zu erfüllen und in die Tat umzusetzen.

Ein knappes Jahr später trat ich meinen Dienst als Entwicklungshelfer des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in Uganda an. Der in Deutschland speziell ausgestattete Transporter war bereits vor Ort. Wenn es nach unseren ugandischen Partnern im Ministerium gegangen wäre, hätte der Youth Truck sofort mit der Arbeit beginnen sollen. Doch das Wichtigste fehlte noch – ein Team von einheimischen Sozialarbeitern, die die vielseitigen Möglichkeiten des Youth Trucks zu nutzen verstanden. Eine Gruppe von acht jungen Ugandern war schnell gefunden. Die Suche nach einer geeigneten Lokalität für ihre Ausbildung führte mich im November 2003 auch zum Bonita Trainingszentrum vor den Toren von Kampala. Es war meine erste Begegnung mit der DSW in Uganda und zugleich der Beginn einer langjährigen fruchtbaren Zusammenarbeit.

Die vielschichtigen Bedürfnisse der ugandischen Jugendlichen führten dazu, dass Themen wie HIV/Aids-Aufklärung, Fundraising oder gewaltfreie Konfliktlösung ins Programm des Youth Truck aufgenommen wurden. In Gegenden abseits der allgemeinen Stromversorgung profitierten ganze Dorfgemeinschafte von den informativen und unterhaltsamen Filmen, die der Youth Truck dank seiner der mobilen Kinoanlage an vielen Abenden zeigte.

Als das durch die GTZ geförderte Kinder- und Jugendprogramm 2006 auslief, fanden der Youth Truck und sein gesamtes Team bei der DSW ein neues Zuhause. Damit verstärkte sich seine Ausrichtung auf Themen der gesundheitlichen Aufklärung. Die Idee machte auch in Tansania Schule, und das dortige DSW-Team nahm 2007 einen eigene Youth Truck in Betrieb.

Der erste Youth Truck ist längst ausgemustert. Dank privater Spenden konnten neue Fahrzeuge angeschafft werden. Viele Mitarbeiter der ersten Stunden haben andere Aufgaben übernommen. Was aber bleibt, ist ein innovatives, anpassungsfähiges Konzept, welches dank seiner modernen Methoden und einer langjähriger Zusammenarbeit auch in den Köpfen vieler junger Menschen in Uganda und Tansania einen festen Platz gefunden hat.

Von James Kotzsch, langjähriger DSW-Länderbüroleiter in Uganda