Schwangerschaft und Schulabbruch sind große Hürden für Mädchen in Kenia. Dabei haben sie das Recht, unbeschwert aufzuwachsen

Bei Schwangerschaft: Schulabbruch

Mareike Döring Blog, Frühe Aufklärung Leave a Comment

In den letzten Wochen endeten in Deutschland nach und nach die großen Ferien. Manche schauen auf das neue Schuljahr mit Vorfreude, andere mit Nervosität oder Unlust und die meisten wohl mit einer Mischung aus allem drei. Man vergisst schnell, dass es viele Kinder und Jugendliche auf der Welt gibt, für die das ganz und gar nicht selbstverständlich ist. Wer zum Beispiel im ländlichen Kenia zur Schule geht, ist mit Hürden konfrontiert, über die man hier kaum nachdenkt.

Zwei große Hürden auf dem Weg zur Selbstbestimmung

Grund 1: Menstruation und Schwangerschaft

Ja, richtig gelesen! Menstruation ist eine Hürde – eine große sogar. Viele Millionen Mädchen können nicht zur Schule gehen, wenn sie ihre Periode haben. Oder genauer: Weil Stigma, Unwissenheit und Mangel an Hygieneprodukten dazu führen, dass sie nicht wissen, wie sie mit der Blutung umgehen können. Aus Scham bleiben sie dann oft zuhause. Sie sind in dieser Zeit nicht nur von ihrer Bildung, sondern auch vom Alltag ausgeschlossen. Viele lassen sich sogar aus Verzweiflung auf sexuelle Handlungen im Tausch gegen Binden ein – meist mit älteren Männern, die die Situation der Mädchen kennen und ausnutzen.

Eine weitere Hürde sind Teenagerschwangerschaften. In manchen ländlichen Regionen Kenias, wie Kilifi und West Pokot, betrifft dies jedes vierte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren – obwohl die meisten von ihnen noch gar keine Mutter werden wollen. Sowohl mangelndes Wissen als auch fehlende Akzeptanz und Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln sind Gründe dafür.

Die Folgen sind vielfältig. Einige Eltern bestehen darauf, dass ihre Tochter den Vater des Kindes heiratet. Oft beendet das die Schullaufbahn, weil sich die junge Mutter um Haushalt und Familie kümmern muss. Gleichzeitig sind besonders junge Frauen einer größeren Gefahr durch Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen ausgesetzt. Für die Altersgruppe sind dies die häufigsten Todesursachen.

Grund 2: Viele Fragen – Wer antwortet?

Die Zahlen beziehen sich auf 15 bis 19-Jährige. Doch was passiert eigentlich davor? Für Jugendliche unter 15 Jahren ist es noch schwieriger, Antworten auf ihre Fragen rund um das Erwachsenwerden zu bekommen. Sexualität ist für diese Altersgruppe in Kenia ein Tabu. Das zeigt auch der Fakt, dass die Zahlen für Schwangerschaften von unter 15-Jährigen gar nicht richtig erhoben werden, obwohl sie nicht selten sind. Viele Mädchen haben schon vor dem 16. Lebensjahr Geschlechtsverkehr und können schwanger werden. Schließlich setzt auch die erste Periode irgendwann zwischen zehn und 15 Jahren ein. Doch die jungen Menschen erhalten kaum Unterstützung.

Mit Schulklubs zum Ziel

In den Regionen Kilifi und West Pokot, wo die Zahl ungewollter Schwangerschaften bei Minderjährigen weit über dem Landesdurchschnitt liegt, sind wir deshalb in den kommenden drei Jahren mit einem neuen Aufklärungsprojekt aktiv.

Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Schulklubs, in denen zehn bis 14-Jährige mehr über Sexualität, Gesundheit und Verhütung erfahren. Sie werden von gleichaltrigen, ausgebildeten Jugendberater*innen angeleitet, sodass sich niemand zu schämen braucht, eine „blöde Frage“ zu stellen. Ältere Jugendberater*innen und Vertrauenslehrer*innen unterstützen allerdings zusätzlich – schließlich sind die Themen manchmal brenzlig.

Das Umfeld aktiveren

Neben den Jugendlichen aus den Schulklubs bindet die DSW umliegende Gesundheitszentren und zuständige Behörden in die Aufklärungsaktivitäten mit ein. Denn gerade zu diesen offiziellen Anlaufstellen zu gehen, stellt für junge Menschen eine große Hemmschwelle dar. Was passiert bei einem HIV-Test? Was ist, wenn der Bekannte meiner Eltern mich in der Gesundheitsstation sieht? Und wie kann ich lernen, mir Gehör zu verschaffen?

Zusätzlich gilt es natürlich jene zu überzeugen, die bereits einen Einfluss in den Gemeinden haben, wie zum Beispiel Lehrpersonal, Gemeindeführer*innen, religiöse Autoritäten und ganz besonders: Die Politiker*innen. Denn wenn sich an den Strukturen etwas verändert, dann kann dies einen großen Effekt auf die einzelne Schule – und letztlich die einzelne Schülerin haben.

Erfolge, die uns Recht geben

Diesen ganzheitlichen Ansatz für die altersgerechte und sensible Aufklärung von Jugendlichen unter 15 Jahren haben wir schon in zahlreichen Projekten erprobt. Eine wichtige Lektion daraus ist, dass nicht nur Fragen zur Verhütung oder Menstruation in den Klubs besprochen werden. Besonders der gegenseitige Respekt und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen sind stets zentrale Themen. Dies zeigt sich wiederum in den Projektergebnissen: Die Lehrer*innen der beteiligten Schulen berichten von einem deutlichen Rückgang von Schwangerschaften und Frühverheiratungen an ihren Schulen – und somit von weniger Schulabbrüchen, besseren Noten und mehr Selbstvertrauen bei den Mädchen. Bei den Jungen zeigt sich ein respektvollerer Umgang mit Mädchen. Die Klubs sind ein solcher Erfolg, dass sie oft auch nach dem offiziellen Ende des Projekts von der Schule weitergeführt werden.

Unsere Projektaktivitäten im Überblick

  • Gründung von 14 Klubs mit jeweils 25 Mitgliedern in Grundschulen
  • Schulungen für Grundschüler*innen (zehn bis -14 Jahre) zu Jugendberater*innen
  • Schulung von Lehrpersonal und Eltern
  • Altersgerechte Wissensvermittlung an tausende Schüler*innen durch Jugendberater*innen, Klubmitglieder, Lehrer- und Jugendmentor*innen im Rahmen von Gruppentreffen, Mädchenforen und verschiedenen Schulaktionen
  • Dialoge mit Gemeindemitgliedern, Gesundheitspersonal und Entscheidungsträger*innen, um sie über die Rechte von Heranwachsenden zu informieren und für ihre Belange zu sensibilisieren
  • Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden zur Stärkung von Kinderrechten und ihrer Nachverfolgung
  • Aufbau von Austauschforen für junge Heranwachsende, in denen Anliegen und Wünsche an politische Autoritäten formuliert werden
  • Stärkung der jungen Heranwachsenden bei der Teilnahme an politischen Entscheidungsprozessen
  • Zusammenarbeit mit lokalen Journalist*innen und Unterstützung von Medienarbeit, die sich schwerpunktmäßig mit den Belangen von Jugendlichen auseinandersetzt

Bitte spenden Sie und helfen uns, Schwangerschaften und vorzeitige Schulabbrüche zu verhindern

 

Wir benötigen noch dringend Unterstützung, bei der Umsetzung der diesjährigen Projektaktivitäten. Vertrauen Sie auf unsere Erfahrung – Bitte helfen Sie mit!

Ja, ich will helfen!

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