Weltbevölkerungsuhr der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) vor dem Zoo in Hannover.

Bevölkerungswachstum #3: Warum wächst die Weltbevölkerung?

Ute Stallmeister Blog, Freiwillige Familienplanung, Weltbevölkerung 0 Comments

Das weltweite Bevölkerungswachstum geht fast ausschließlich auf Entwicklungsländer zurück. Drei Faktoren spielen dabei eine besondere Rolle:

  1. die junge Altersstruktur der Bevölkerung,
  2. ungewollte Geburten sowie
  3. der Wunsch nach mehr als zwei Kindern pro Paar.

Alle drei Variablen sind beeinflussbar.

Junge Altersstruktur

Eine junge Bevölkerung geht auf hohe Fertilitätsrate in vielen Entwicklungsländern zurück, die zum Teil auf ungewollten Schwangerschaften basiert. Zwei von fünf Menschen in den am wenigsten entwickelten Ländern sind unter 15 Jahre alt. In Ländern wie Uganda und Niger ist das sogar rund die Hälfte. Diese Bevölkerungsgruppe steht an der Schwelle zum fortpflanzungsfähigen Alter. Die zukünftige Größe der Weltbevölkerung wird zum großen Teil davon abhängen, für wie viele Kinder sich die heutigen Kinder und Jugendlichen entscheiden und ob sie Zugang zu Aufklärung und Verhütungsmitteln haben. Altersgerechte Sexualaufklärung und Zugang zu Verhütungsmitteln für Jugendliche, die Verzögerung der ersten Geburt durch mehr Bildungschancen für Mädchen sowie eine Erhöhung des Heiratsalters können diesen Altersstruktureffekt abschwächen.

Ungewollte Geburten

Ein weiterer Grund für das starke Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern sind die hohen Kinderzahlen pro Frau. Dabei hat Afrika südlich der Sahara die höchste Fertilitätsrate weltweit: Dort bekommt eine Frau durchschnittlich etwa fünf Kinder, in Uganda beispielsweise sind es sogar sechs und in Niger fast acht Kinder.

Viele Frauen bekommen dort mehr Kinder, als sie es sich wünschen, weil es ihnen oft an Verhütungsmitteln fehlt oder sie nicht aufgeklärt sind. Viele Frauen können zudem gegenüber ihrem Partner nicht durchsetzen, Verhütungsmittel zu verwenden. In Entwicklungsländern kann jede vierte Frau nicht verhüten, obwohl sie das gerne möchte. In Afrika ist das sogar jede Zweite! Wenn alle Frauen verhüten könnten, gäbe es jährlich 21 Millionen ungewollte Geburten und 26 Millionen Abtreibungen weniger.

Wunsch nach mehr als zwei Kindern

In Entwicklungsländern wünschen sich Menschen oft deshalb mehr als zwei Kinder, weil es keine ausreichenden Alterssicherungssysteme in ihren Ländern gibt. Daher sind Menschen im Alter auf ihre Kinder angewiesen. Viele Kinder sterben aber immer noch bald nach der Geburt, also bekommen Eltern mehrere Kinder in der Hoffnung, dass wenigstens ein Teil überlebt. Wenn die Kinder- und Säuglingssterblichkeit sinkt und wenn Frauen bessere Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen, wird sich das auf die gewünschte Kinderzahl auswirken. Auch Familienplanungsprogramme, die über die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Vorteile kleinerer Familien informieren, beeinflussen die Einstellung von Eltern.

Bringen Aufklärungs- und Familienplanungsprogramme wirklich was?

Da lasse ich am besten Mulu sprechen, eine 20-jährige Äthiopierin, die durch uns Sexualaufklärung und eine Weiterbildung erhalten hat: „Wenn ich nicht an dem Projekt der Stiftung teilgenommen hätte, säße ich wohl zu Hause, hätte Kinder und würde meinem Mann gehorchen. Aber erst einmal kümmere ich mich um mein eigenes Einkommen. Ich will nur eine Partnerschaft eingehen, in der mein Partner und ich gleichgestellt sind und wir uns gegenseitig respektieren.“

Mulu wird ganz sicher erst später und weniger Kinder als die meisten Äthiopierinnen bekommen, und ihr wird es dank eines eigenen Einkommens besser gehen.

Neugierig geworden? Weitere Infos zum Bevölkerungswachstum in Teil 1 und Teil 2 unserer Serie.

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