Menschenmasse
Das Bevölkerungswachstum geht weiter. Aber: Es verlangsamt sich und wird bis zum Ende unseres Jahrhunderts voraussichtlich zum Stillstand kommen. Wichtig dafür ist, dass jede Frau frei darüber entscheiden kann, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchte.

Bevölkerungswachstum #2: Geht das Weltbevölkerungswachstum weiter? (Update)

Ute Stallmeister Blog, Freiwillige Familienplanung, Weltbevölkerung 2 Comments

Erstmal ja, das Bevölkerungswachstum geht weiter. Aber: Es verlangsamt sich und wird bis zum Ende unseres Jahrhunderts voraussichtlich zum Stillstand kommen. Wie viele sind wir in Zukunft und was sind die Ursachen?

Heute und morgen

Den Bevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen zufolge wird die Weltbevölkerung von heute 7,35 Milliarden Menschen auf voraussichtlich 9,7 Milliarden Menschen wachsen, bis zum Jahr 2100 vermutlich sogar auf 11,2 Milliarden Menschen. Das Bevölkerungswachstum erfolgt fast ausschließlich in Entwicklungsländern. In Afrika wird sich die Bevölkerung von heute rund 1,2 Milliarden Menschen auf voraussichtlich knapp 4,4 Milliarden Menschen im Jahr 2100 fast vervierfachen. Europas Bevölkerung hingegen wird schrumpfen: von heute 738 Millionen Menschen auf voraussichtlich 646 Millionen Menschen bis zum Ende des Jahrhunderts.

Grafik: Weltbevölkerungsprojektionen bis 2100

Projektionen der Vereinten Nationen, wie sich die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2100 entwickeln wird. Unser Investment in die Zukunft wird darüber entscheiden, wie viele Menschen wir in Zukunft sein werden.

Entwicklung der Fertilität ist entscheidend

Den Berechnungen zum Bevölkerungswachstum liegen Annahmen über die zukünftige Mortalität und vor allem die Geburtenentwicklung zugrunde. So gehen die UN davon aus, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von heute 2,5 weltweit bis zum Jahr 2100 auf zwei Kinder sinkt – unter der Voraussetzung, dass Frauen in Entwicklungsländern einen besseren Zugang zu Aufklärung und Familienplanung bekommen.

Weicht die Kinderzahl pro Frau auch nur geringfügig von dieser Annahme ab, hat dies einen erheblichen Einfluss auf das Bevölkerungswachstum. Bei einem halben Kind weniger zum Beispiel würden im Jahr 2100 nur noch 7,3 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Wenn die Kinderzahl pro Frau bis 2100 jedoch konstant auf dem heutigen Niveau bliebe, würde die Weltbevölkerung zur Jahrhundertwende auf fast 27 Milliarden Menschen anwachsen! Das ist zwar nur Zahlenspielerei, macht aber deutlich, wie wichtig die Entwicklung der Fertilität und damit auch Aufklärung und freiwillige Familienplanung sind.

Und hier zeigt sich, dass die UN in der Vergangenheit mehrfach zu optimistisch waren, was den Rückgang der Fertilität angeht. Waren sie im Jahr 2009 noch davon ausgegangen, dass im Jahr 2050 9,1 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, korrigierten sie diese Annahme zwei Jahre später auf 9,3 Milliarden Menschen nach oben – um die Zahl im Jahr 2013 und 2015 erneut nach oben zu korrigieren: auf 9,6 Milliarden Menschen und schließlich sogar auf 9,7 Milliarden Menschen. Warum? Vor allem weiterhin die Fertilitätsraten nicht so stark sinken wie zuvor jeweils angenommen.

Was bedeutet das? Es ist höchste Zeit, deutlich mehr für Aufklärung und freiwillige Familienplanung in den ärmsten Ländern der Welt tun! Dabei geht es weniger darum, das Weltbevölkerungswachstum zu verlangsamen. Vielmehr steht im Vordergrund, jedem zu ermöglichen, frei darüber zu entscheiden, wann und wie viele Kinder er bekommen möchte. Wenn dieses Menschenrecht erfüllt wäre, würde es den Menschen besser gehen.

Diesen Artikel haben wir am 29. Juli 2015 aktualisiert und an die neuen Zahlen der Vereinten Nationen angepasst. 

Neugierig geworden? Weitere Infos zum Bevölkerungswachstum in Teil 1 und Teil 3 unserer Serie.

Comments 2

  1. Führen Sie ein Pensionssystem ein in den Ländern mit zu hohem Bevölkerungswachstum, dann fällt die Notwendigkeit viele Kinder zu haben für die Versorgung der Alten, weg.

  2. Pingback: Bevölkerungswachstum: Wie sich die Menschheit entwickelt hat

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