Menschenmasse
Das Bevölkerungswachstum geht weiter. Aber: Es verlangsamt sich und wird bis zum Ende unseres Jahrhunderts voraussichtlich zum Stillstand kommen. Wichtig dafür ist, dass jede Frau frei darüber entscheiden kann, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchte.

Bevölkerungswachstum #2: Geht das Weltbevölkerungswachstum weiter? (Update)

Ute Stallmeister Blog, Freiwillige Familienplanung, Weltbevölkerung 2 Comments

Erstmal ja, das Bevölkerungswachstum geht weiter. Aber: Es verlangsamt sich und wird bis zum Ende unseres Jahrhunderts voraussichtlich zum Stillstand kommen. Wie viele sind wir in Zukunft und was sind die Ursachen?

Heute und morgen

Den Bevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen von 2017 zufolge wird die Weltbevölkerung von heute rund 7,55 Milliarden Menschen auf voraussichtlich 9,77 Milliarden Menschen im Jahr 2050 wachsen, bis zum Jahr 2100 vermutlich sogar auf 11,18 Milliarden Menschen. Das Bevölkerungswachstum erfolgt fast ausschließlich in Entwicklungsländern. In Afrika wird sich die Bevölkerung von heute rund 1,26 Milliarden Menschen auf voraussichtlich 2,53 Milliarden Menschen im Jahr 2050 verdoppeln und bis zum Ende des Jahrhunderts auf 4,47 Milliarden Menschen fast vervierfachen. Europas Bevölkerung hingegen wird schrumpfen: von heute 742 Millionen Menschen auf voraussichtlich 653 Millionen Menschen bis 2100.

Grafik: Weltbevölkerungsprojektionen bis 2100

Entwicklung der Fertilität ist entscheidend

Den Berechnungen zum Bevölkerungswachstum liegen Annahmen über die zukünftige Mortalität und vor allem die Geburtenentwicklung zugrunde. Zwar ist die Fertilität auf allen Kontinenten – mit Ausnahme von Europa – derzeit rückläufig, doch in den 47 am wenigsten entwickelten Ländern bekommt eine Frau im Durchschnitt noch immer 4,3 Kinder. Deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt von 2,5 Kindern pro Frau. Die UN gehen in ihren Projektionen davon aus, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bis zum Jahr 2100 auf zwei Kinder sinkt – unter der Voraussetzung, dass Frauen in Entwicklungsländern einen besseren Zugang zu Aufklärung und Familienplanung bekommen.

Weicht die Kinderzahl pro Frau auch nur geringfügig von dieser Annahme ab, hat dies einen erheblichen Einfluss auf das Bevölkerungswachstum. Bei einem halben Kind weniger zum Beispiel würden im Jahr 2100 nur noch 7,3 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Wenn die Kinderzahl pro Frau bis 2100 jedoch konstant auf dem heutigen Niveau bliebe, würde die Weltbevölkerung zur Jahrhundertwende auf fast 26,3 Milliarden Menschen anwachsen! Das ist zwar nur Zahlenspielerei, macht aber deutlich, wie wichtig die Entwicklung der Fertilität und damit auch Aufklärung und freiwillige Familienplanung sind.

Und hier zeigt sich, dass die UN in der Vergangenheit mehrfach zu optimistisch waren, was den Rückgang der Fertilität angeht. Waren sie im Jahr 2009 noch davon ausgegangen, dass im Jahr 2050 9,1 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, korrigierten sie diese Annahme zwei Jahre später auf 9,3 Milliarden Menschen nach oben – um die Zahl im Jahr 2013 und 2015 erneut nach oben zu korrigieren: auf 9,6 Milliarden Menschen und 9,7 Milliarden Menschen. In den aktuellsten Projektionen von 2017 wird nun mit einer Bevölkerung von 9,8 Milliarden Menschen bis 2050 gerechnet. Warum? Vor allem deshalb, weil die Fertilitätsraten nicht so stark sinken wie zuvor angenommen.

Was bedeutet das? Es ist höchste Zeit, deutlich mehr für Aufklärung und freiwillige Familienplanung in den ärmsten Ländern der Welt tun! Dabei geht es weniger darum, das Weltbevölkerungswachstum zu verlangsamen. Vielmehr steht im Vordergrund, jedem zu ermöglichen, frei darüber zu entscheiden, wann und wie viele Kinder er bekommen möchte. Wenn dieses Menschenrecht erfüllt wäre, würde es den Menschen besser gehen.

Diesen Artikel haben wir am 26. Juni 2017 aktualisiert und an die neuen Zahlen der Vereinten Nationen (World Population Prospects: The 2017 Revision) angepasst. 

Neugierig geworden? Weitere Infos zum Bevölkerungswachstum in Teil 1 und Teil 3 unserer Serie.

Comments 2

  1. Führen Sie ein Pensionssystem ein in den Ländern mit zu hohem Bevölkerungswachstum, dann fällt die Notwendigkeit viele Kinder zu haben für die Versorgung der Alten, weg.

  2. Pingback: Bevölkerungswachstum: Wie sich die Menschheit entwickelt hat

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