Bevölkerungsentwicklung: Gruppe von Menschen in Afrika; aus der Vogelperspektive fotografiert
Die Weltbevölkerung wächst: jede Sekunde um fast drei Menschen.

Bevölkerungswachstum #1: Wie sich die Menschheit bis heute entwickelt hat (Update)

Ute Stallmeister Blog, Freiwillige Familienplanung, Weltbevölkerung 3 Comments

Heute leben mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Mitte des Jahres 2017 sind es 7,55 Milliarden. Und das Bevölkerungswachstum geht weiter: Jedes Jahr kommen rund 83 Millionen Menschen hinzu. Das entspricht ungefähr der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Doch wie hat sich die Weltbevölkerung historisch entwickelt? 

Wer auf unsere Weltbevölkerungsuhr schaut, muss ein schnelles Auge haben, um mit der aktuellen Zahl der Weltbevölkerung mitzukommen. Denn pro Sekunde kommen fast drei Erdbewohner*innen hinzu.

Das Bevölkerungswachstum verlief nicht immer so rasant. Bis etwa zum Jahr 1800 hat es gedauert, bis die Menschheit die Milliardenmarke überschritten hat. Erst 1927 wurde die zweite Milliarde erreicht. Dann wurden die Abstände zwischen den weiteren Milliarden-Marken kürzer, wie sich an der Grafik ablesen lässt. Zuletzt hat es gerade einmal zwölf Jahre gedauert, bis die Weltbevölkerung um eine weitere Milliarde gewachsen ist.

Grafik: Historische Entwicklung der Weltbevölkerung

Warum gab im letzten Jahrhundert ein so rasches Bevölkerungswachstum?

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbesserte sich die medizinische Versorgung, und die Nahrungsproduktion (die sogenannte Grüne Revolution) nahm zu. Dadurch stieg die Lebenserwartung, und die Säuglingssterblichkeit ging zurück. Zugleich blieb vielerorts der Wunsch nach großen Familien bestehen. Und: Millionen Frauen fehlte – und fehlt auch immer noch! – der Zugang zu Aufklärung und Verhütung, was zu zahlreichen ungewollten Schwangerschaften führte. Allein in Entwicklungsländern gibt es rund 74 Millionen ungewollte Schwangerschaften – jedes Jahr!

In der Folge beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum weiter. Dabei stieg der Anteil der Menschen in Entwicklungsländern an der Weltbevölkerung immer weiter an: 1950 lag der Anteil noch bei 68 Prozent, 2014 bereits bei 83 Prozent. Die Bevölkerung ist vor allem in denjenigen Ländern gewachsen, in denen die Armut besonders groß und der Mangel an freiwilliger Familienplanung äußerst hoch ist.

Bei der Armutslinderung in Entwicklungsländern wäre somit viel erreicht, wenn alle Frauen, die verhüten möchten, auch die Möglichkeit dazu bekämen. Denn: Kleineren Familien geht es besser!

Immerhin: Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau weltweit ist von rund fünf Kindern in den 1960er Jahren auf heute 2,5 Kinder deutlich gesunken. Das bedeutet, dass es heute zwar immer noch ein weltweites Bevölkerungswachstum gibt, sich aber die Wachstumsraten verlangsamt haben.

Diesen Artikel haben wir am 26. Juni 2017 aktualisiert und an die neuen Zahlen der Vereinten Nationen (World Population Prospects: The 2017 Revision) angepasst. Dieser Artikel ist zum erstmals erschienen am 8. September 262014.

Neugierig geworden? Weitere Infos zum Bevölkerungswachstum in Teil 2 und Teil 3 unserer Serie.

Comments 3

  1. Sehr geehrte Damen und Herren!
    In den von Ihnen veröffentlichten Berichten über Bevölkerungswachstum wird das Bevölkerungswachstum wie allgemein üblich als ein Naturereignis, das durch eine ungewollt individuell hohen Kinderzahl verursacht wird, dargestellt. Dies ist sicher zum Teil richtig.
    Eine andere Ursache ist die Vorstellung aus religiösen oder anderen Gründen, dass eine hohe individuelle Kinderzahl positiv sei. Wäre eine Verbreitung der Information, dass eine hohe Kinderzahl zur Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschheit beiträgt, durch Ihre oder vergleichbare Organisationen angebracht? Hält Sie die Furcht vor Repressalien durch Religionsvertreter hiervon ab? Ein Stoppen des Bevölkerungswachstums wäre eine sehr wirksame Maßnahme zur Begrenzung der Erderwärmung. Da Ihnen die zu erwartenden Folgen des Bevölkerungswachstums bekannt sind, steht Ihnen eine Verantwortung zu.
    Mit freundlichen Grüßen
    Johannes Becker

    1. Lieber Herr Becker,
      vielen Dank für Ihre spannende Nachfrage. Sie haben Recht damit, dass verschiedene Aspekte zum Wachstum der Weltbevölkerung beitragen – auch damit, dass wir als Organisation bei der individuellen Entscheidung über die eigene Kinderzahl ansetzen. Als Naturereignis begreifen wir es damit jedoch nicht. Ein Naturereignis würde ja eine Unveränderbarkeit implizieren, doch das wäre falsch.

      Dass sich Menschen aus kulturellen oder religiösen Gründen für viele Kinder entscheiden, ist sicherlich auch ein Aspekt (den wir auch nicht verschweigen). In unserer Arbeit vor Ort arbeiten wir entsprechend auch mit den einflussreichen Menschen in Gemeinden. Diese sind häufig auch religiöse Meinungsführer. Wir setzen hier auf Kooperation und nicht auf den erhobenen Zeigefinger.

      Informationen über Bevölkerungsdynamiken sind sicherlich spannend, aber als Ansatz für die Projektarbeit leider nicht sehr hilfreich. Er ist zu abstrakt. Um das nachzuvollziehen, müssen wir gar nicht weit schauen: Wir wissen doch, dass Abgase der Umwelt schaden, doch wie schwierig ist es, das Auto stehen zu lassen. Dabei geht es beim Autofahren noch nicht einmal um eine tiefsitzende spirituelle Überzeugung. Wir arbeiten ganzheitlich mit Gemeinden, leisten Aufklärungsarbeit und fördern medizinische Versorgung – denn zu allererst geht es um die freie Entscheidung.

  2. Sehr geehrte Frau Düring, ihre Antwort zeigt, wie ehrenwert ihre Absichten sind, und wie wenig Sie Erfolg versprechen. Die Chinesen haben es nur mit einer rigiden Ein-Kind-Politik geschafft, ihr Bevölkerungswachstum einzudämmen. Solange der Einfluss der Klanchefs besteht, ist alles sinnlos. Denn diese sind daran interessiert, ihren Klan größer und mächtiger zu machen

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