Ein Baby erhält eine Schluckimpfung in einem kenianischen Krankhenhaus
Ein Kind wird im Mariakani-Krankenhaus in der Küstenregion Kenias geimpft. Die Behandlung ist Teil eines Familienplanungsprojekts, das durch die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) unterstützt wird. Foto: Jonathan Torgovnik

Das Ende von Polio ist in greifbarer Nähe

Renate Bähr Blog, Globale Gesundheit 0 Comments

Ende der 1980er Jahre zählte Polio noch zu den Hauptursachen von Behinderungen bei Kindern. Damals erkrankten weltweit 350.000 Kinder pro Jahr an der auch als Kinderlähmung bekannten Infektionskrankheit. Tausende starben an den Folgen. Im vergangenen Jahr wurden weltweit insgesamt nur noch 416 Fälle registriert. Dieses Jahr gab es bisher 247 Fälle – etwa 50 Fälle weniger als zum Vorjahreszeitpunkt. Die jüngsten Entwicklungen lassen hoffen, dass Polio schon bald gestoppt werden kann.

2014 – ein Meilenstein

Die Erfolge, die im Kampf gegen Polio allein dieses Jahr erreicht wurden, sind beachtlich. Im März erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das ehemals poliogeplagte Indien und damit die gesamte Region Südostasien für poliofrei. Unter den dort lebenden 1,8 Milliarden Menschen hat es seit drei Jahren keine Fälle mehr gegeben. In Afrika gab es zwischen Januar und August dieses Jahres mit 149 Fällen so wenige wie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Heute ist das Virus nur noch in drei Ländern endemisch: in Afghanistan, Pakistan und Nigeria.

Strategien zum Erfolg

Viele Faktoren haben dazu beigetragen, dass das Ende von Polio heute in greifbarer Nähe liegt. Dazu zählen vor allem die Stärkung von Gesundheitssystemen und die Priorisierung von Impfungen. In Nigeria etwa arbeitet das Gesundheitspersonal heute verstärkt mit religiösen Führern zusammen und verabreicht Impfungen. Dort konnte die Zahl der Fälle von 49 im vergangenen Jahr auf sechs in diesem begrenzt werden. Und der Tschad ist dank zweier massiver Impfkampagnen seit zwei Jahren poliofrei.

Diese Beispiele zeigen: Frühzeitige Impfungen sind das beste Mittel, um die Ausbreitung von Polio zu verhindern. Doch Impfungen kosten Geld, das häufig gerade dort fehlt, wo es am dringendsten benötigt wird. Um dieses Dilemma zu überwinden, haben sich Regierungen, Gesundheitsorganisationen und Forschungseinrichtungen in der Impfallianz Gavi zusammengeschlossen. Die öffentlich-private Entwicklungspartnerschaft bündelt globale Aktivitäten zur Immunisierung von Kindern und hilft dabei, den inaktivierten Polioimpfstoff in den 73 ärmsten Ländern der Welt einzuführen.

Noch keine Entwarnung

Während die Erfolge beachtlich und viele Gebiete heute poliofrei sind, ist es für eine Entwarnung zu früh. Pakistan meldete im Oktober 210 neue Fälle gegenüber 46 Fällen im Vorjahreszeitraum; in Afghanistan gab es seit Beginn des Jahres zwölf Fälle – vier mehr als im vergangenen Jahr. Um das internationale Ziel zu erreichen, Polio bis 2018 ein Ende zu bereiten, muss auch Deutschland seinen Beitrag leisten. Als Gastgeber der Geberkonferenz für Gavi im Januar 2015 sollte die Bundesregierung mit gutem Beispiel vorangehen und die Allianz und damit den Kampf gegen Polio stärker unterstützen.

Mehr Informationen zu Polio unter www.polioeradication.org.

Dieser Beitrag ist auch in der Huffington Post Deutschland erschienen.

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