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„Das ist doch nur etwas für Frauen“

Blog | 11. Dezember 2025 | #Uganda

An seiner Universität in Uganda war Godfrey Mukalazi der einzige Mann, der sich auf Gender Studies spezialisierte. Heute bietet er Gender-Trainings für verheiratete Paare an. Dabei spricht er sowohl Beziehungsfragen als auch die Finanzen der Familie an.

Godfrey Mukalazi im Interview mit Monika Hoegen

Die ugandische Gesellschaft hat noch immer sehr traditionelle Geschlechterrollen. Wie werden die Rollen der Männer üblicherweise verstanden?

Godfrey Mukalazi: Traditionell sind Männer die Oberhäupter des Haushalts und die Ernährer der Familie. Dorfgemeinschaften sind ebenso patriarchalisch geprägt wie Familien. Es gibt regionale Unterschiede, aber die meisten Führungspositionen werden von Männern besetzt.

Vor diesem Hintergrund war Ihre Studienwahl sehr ungewöhnlich. Sie haben an der Makerere-Universität in Kampala Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt “Women and Gender Studies“ studiert. Wie haben Ihre Familie und Ihre Freunde reagiert, als Sie es ihnen erzählten?

Einige waren schockiert, andere haben gelacht. „Das ist doch nur etwas für Frauen“, sagten sie. Und tatsächlich waren alle meine Kommilitoninnen an der Universität Frauen. In Uganda denken die meisten Menschen, dass Gender Studies ein Thema sind, das nur Frauen betrifft und Männer damit nichts zu tun haben. Aber ich habe mich nicht entmutigen lassen, weil mir das Thema sehr am Herzen liegt.

Woher kommt diese Leidenschaft?

Ich bin fest davon überzeugt, dass bessere Geschlechterbeziehungen das Leben in Uganda ganz konkret verbessern würden. Genau das möchte ich vermitteln.

Sie arbeiten heute als Gender-Experte für das Projekt TeamUp (siehe unten). TeamUp will die Lebensbedingungen für junge Menschen in ärmeren ländlichen Regionen Ugandas verbessern, insbesondere in den Kaffeeanbaugebieten Zentralugandas. Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Das erste Ziel besteht darin, die Gender-Perspektive in alle Schwerpunktbereiche von TeamUp zu integrieren – sei es nachhaltige Landwirtschaft, Einkommensfragen, reproduktive Gesundheit oder Wasser und Sanitärversorgung. Als Trainer unterrichte ich außerdem junge Männer und Frauen anhand des sogenannten Household Approach. Dieser Ansatz bringt Partnern bei, besser zu kommunizieren und wichtige Entscheidungen ihres Lebens gemeinsam zu treffen – und nicht länger in festen Rollen zu verharren, wie es in traditionellen Ehen oft der Fall ist. Unsere Trainings machen die Teilnehmenden zu „Change Agents“, die wiederum andere Menschen in ihren Dorfgemeinschaften beraten können.

Wie gestalten Sie ein solches Training konkret?

Es ist sehr wichtig, keine Schuldzuweisungen zu machen – auch nicht gegenüber den Männern –sondern mit Verständnis zu arbeiten. Oft denken verheiratete Paare, dass der jeweils andere nicht genug Aufgaben übernimmt. Doch wenn wir dann die Aufgabenlisten vergleichen, sehen wir, dass beide ihren Beitrag leisten – ohne zu wissen oder wahrzunehmen, was der andere tut. Dieses Muster müssen wir durchbrechen, um mehr gegenseitigen Respekt zu fördern. Zudem hilft es, einen humorvollen Ansatz zu wählen.

Apropos Humor: Sie arbeiten mit Cartoons, lustigen Fotos und Rollenspielen, die sowohl Männer- als auch Frauenrollen auf den Kopf stellen. Wie kommt das an?

Unsere Teilnehmenden sind zunächst sehr amüsiert – zum Beispiel, wenn wir Männer ermutigen, ein kleines Kind in einem Tragetuch auf dem Rücken zu tragen, was in Uganda normalerweise nur Frauen tun. Manchmal sträuben sich die Männer. Aber ich versuche ihnen zu vermitteln, dass man trotzdem ein starker Mann sein kann, auch wenn man sein Baby trägt – und dabei sogar eine neue, liebevollere Beziehung zu seinen Kindern entwickeln kann.

TeamUp ist überzeugt, dass eine neue Perspektive auf Geschlechterrollen und eine gerechtere Aufteilung der häuslichen Aufgaben nicht nur die Beziehung beleben können. Auch das Einkommen eines Paares kann steigen. Wie?

Traditionell sind Männer für das Einkommen der Familie verantwortlich. Frauen sollen zu Hause bleiben und dürfen oder sollen nichts beitragen. Doch dieses Muster macht die Menschen meist nur ärmer. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater, als ich jung war, einmal während eines Ausflugs lange im Dschungel festgesessen hat. Um zu verhindern, dass wir verhungern, nahm meine Mutter – entgegen der Tradition – ein paar kleine Jobs an. Als mein Vater zurückkam, war er von ihrem Mut und dem, was sie erreicht hatte, tief beeindruckt. Er unterstützte sie anschließend dabei, einen kleinen Laden zu eröffnen. Von diesem Zeitpunkt an ging es unserer Familie besser als je zuvor!

Lassen sich die Männer immer so leicht überzeugen, und lassen sich Klischees über traditionelle Geschlechterrollen stets so einfach ausräumen?

Nein. Wir können hier nicht erwarten, dass Veränderungen schnell eintreten. Wir müssen geduldig sein. Unsere „Change Agents“, die die Dynamiken in ihren Familien, Gemeinschaften und Dörfern gut verstehen, helfen uns dabei, vorsichtig voranzukommen.

Glauben Sie, dass dieser Ansatz erfolgreich sein wird und dass sich die Geschlechterverhältnisse in Uganda langfristig ändern?

Ja, hundertprozentig. Wenn wir Geschlechterfragen ansprechen und uns für mehr Gleichberechtigung einsetzen, geht es um den Kern von Familien und Gemeinschaften. So können wir das soziale und wirtschaftliche Potenzial unserer Gesellschaft zum Wohle aller entwickeln. Aber es gibt noch immer zu wenige Trainings und Projekte zu diesem Thema.

Sie und die anderen Gender-Experten von TeamUp sind allesamt Männer. Warum machen nicht mehr Frauen diese Arbeit?

Viele unserer traditionell erzogenen Männer hören eher auf einen Mann als auf eine Frau. Männliche Teilnehmer kommen nach einem Training oft auf mich zu und sagen mir, dass sie zunächst überrascht waren, von einem Mann etwas über Gender zu lernen. Gleichzeitig waren sie aber auch eher bereit, Ratschläge anzunehmen, die von „einem der ihren“ kamen.

Monika Hoegen sprach mit Godfrey Mukalazi nach einem seiner Gender-Trainings im Dorf Bukooki, das in der zentralugandischen Provinz Kassanda liegt, 120 Kilometer von Kampala entfernt. Das „TeamUp“-Projekt, für das Godfrey Mukalazi arbeitet, ist eine Multi-Stakeholder-Initiative, die von der Hanns R. Neumann Stiftung (HRNS), der Siemens Stiftung und der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) finanziert und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt wird.

Monika Hoegen ist Journalistin, Moderatorin, Medien- und Kommunikationstrainerin sowie Beraterin mit dem Schwerpunkt Entwicklungszusammenarbeit.

Bilder: ©Brian Otieno/TeamUp

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)

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