Globale Gesundheit und die G20: Wissenschaftlerin in einem Labor bei der Malariaforschung.
Im Rahmen der G20-Präsidentschaft Deutschlands im Jahr 2017 wird die G20 zum ersten Mal auch auf Ebene der Gesundheitsminister zusammentreten. Foto: PBS NewsHour (CC BY-NC 2.0)

Deutschland setzt globale Gesundheit auf die G20-Agenda

Leonie Müßig Blog, Entwicklungszusammenarbeit, Globale Gesundheit, HIV und Aids 1 Comment

Am 1. Dezember 2016 hat die deutsche G20-Präsidentschaft begonnen. Ein Jahr lang wird die Bundesregierung der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer vorstehen. Was das bedeutet, haben wir Oliver Buchholz gefragt. Er ist entwicklungspolitischer Referent bei der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung mit dem Schwerpunkt globale Gesundheit.

Welche Chancen bietet die deutsche G20-Präsidentschaft?

Oliver Buchholz: Die Bundesregierung hat mehr Einfluss auf die Zusammenstellung der Agenda der G20 und kann Themen, die sie für wichtig erachtet, stärker in den Staatendialog einbringen. Mit dem G20-Gipfel im eigenen Land ergeben sich aber auch für die deutsche Zivilgesellschaft mehr Möglichkeiten, ihre Themen in die G20-Debatte einzubringen. Wir sind dieses Mal sehr nahe dran am politischen Prozess. Allerdings besteht zum Beispiel bei den offiziellen G20-Arbeitsgruppen keinesfalls ein formaler Anspruch auf Gehör.

Gibt es Unterschiede zur G7-Präsidentschaft, die Deutschland 2015 inne hatte?

Oliver Buchholz: Die G20 sind größer und auch heterogener als die G7, dem Zusammenschluss der wichtigsten Industrienationen der westlichen Welt. Das heißt, größere Unterschiede treffen aufeinander. Da müssen bei der Themenwahl und deren Gewichtung eher Kompromisse geschlossen werden. Diesen Umstand darf die Bundesregierung allerdings nicht als Generalausrede nutzen, wenn bestimmte Themen nicht ausreichend zur Sprache kommen.

Welche Themenschwerpunkte hat sich die Regierung denn gesetzt?

Oliver Buchholz: Ein zentrales gemeinsames Thema ist der Globalisierungsprozess. Viele Menschen weltweit stehen diesem kritisch gegenüber, was eine besondere Herausforderung für die G20-Staaten darstellt. Daher steht die Präsidentschaft auch unter das Motto „Eine vernetzte Welt gestalten“. Auf dem G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg soll aufgezeigt werden, wie die Weltgemeinschaft den Herausforderungen der Globalisierung besser begegnen kann und wie alle Menschen von ihr profitieren. Die Zivilgesellschaft wird diese Debatte kritisch begleiten.

Mich freut besonders, dass das Thema globale Gesundheit auf der Agenda steht. Denn die G20 sind ein Gremium mit starker Ausrichtung auf Wirtschaftsthemen. Nun soll es zum ersten Mal in der Geschichte der G20 zu einem Treffen der Gesundheitsminister aus den Ländern kommen. Das wertet das Thema globale Gesundheit enorm auf.

Was wird bei diesem Treffen besprochen werden?

Oliver Buchholz: Die Gesundheitsminister werden sich über die Fokusthemen antimikrobielle Resistenzen (AMR) und Pandemiebekämpfung austauschen. In diesem Zusammenhang findet eine Simulation zum Gesundheitskrisenmanagement der Weltgemeinschaft bei globalen Pandemien statt. Bei dieser wird ein Pandemiefall, ähnlich dem Ebola-Ausbruch 2014, durchgespielt. So soll die Handlungsfähigkeit der internationalen Gemeinschaft überprüft werden: Gibt es globale und widerstandsfähige Mechanismen, um künftig besser auf einen solchen Ausbruch reagieren zu können? Wünschenswert wäre, wenn diese Simulation auch konkrete Ergebnisse hervorbringt, die dann auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs diskutiert werden.

Worauf sollte die Regierung beim Thema globale Gesundheit im Rahmen der G20 achten?

Oliver Buchholz: Die G20 sollten auch Gesundheitsfaktoren beachten, ohne die die beiden Fokusthemen – antimikrobielle Resistenzen und Pandemien – nicht lösbar sind. Vernachlässigte Armutskrankheiten beispielsweise sind weiterhin eine große Gefahr und Belastung, vor allem für die Menschen in Entwicklungsländern. Die Menschen dort werden von Resistenzen besonders betroffen. In diesem Zusammenhang sollte die Bundesregierung auch die Förderung von Produktentwicklungspartnerschaften (PDP) erneut aufgreifen. Damit wäre erfolgreich die Brücke zwischen der jetzigen deutschen G20-Präsidentschaft und der zurückliegenden G7-Präsidentschaft von 2015 geschlagen. Vernachlässigte Armutskrankheiten und PDPs wurden während der G7-Präsidentschaft sehr prominent thematisiert.

Das Thema globale Gesundheit steht auf der G20-Agenda. Es bleibt abzuwarten, wie diese jetzt umgesetzt wird. Ich hoffe, dass globale Gesundheit in Zukunft dauerhaft und prominent im Kontext der G20 verankert wird.

 

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