Deutschland will Produktentwicklungspartnerschaften fördern

Sadiah Meiselbach Blog, Globale Gesundheit 1 Comment

Deutschland will Produktentwicklungspartnerschaften fördern. Welche Auswirkungen hat dies für  Forschung und Entwicklung (F&E) im Bereich globale Gesundheit?

Zu Beginn dieses Monats veröffentlichte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Aufruf, Projektvorschläge von Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs) im Bereich der Forschung und Entwicklung für Gesundheitstechnologien zur Bekämpfung vernachlässigter Armutskrankheiten einzureichen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren (2016 bis 2021) sollen 50 Millionen Euro Fördermittel bewilligt werden. Es handelt sich um die zweite Ausschreibung für PDPs in der Geschichte des BMBF nach der ersten Förderungsrunde über 20 Millionen Euro von 2012 bis 2015. Was das bedeutet, erklärt uns Maximilian Geigenmüller, entwicklungspolitischer Referent der Stiftung Weltbevölkerung mit dem Schwerpunkt globale Gesundheit.

Frage: Warum spielt die neue Finanzierungsrunde neben anderen Anstrengungen zur Förderung der F&E auf dem Gebiet der globalen Gesundheit eine so wichtige Rolle?

Maximilian Geigenmüller: Die aktuelle Ausschreibung von Fördermitteln ist deshalb so wichtig, weil sie die fortgesetzte PDP-Finanzierung durch Deutschland gewährleistet. Die erste Finanzierungsrunde wurde als Pilotvorhaben betrachtet, und es war keineswegs sicher, dass es eine zweite geben würde. Deutschland stieß erst spät – nämlich im Jahr 2011 –zu der Gruppe der PDP-fördernden Länder. Zu diesem Zeitpunkt finanzierten die USA und Großbritannien das PDP-Modell schon seit Jahren. Außerdem zeigte sich die Bundesrepublik mit einem Fördervolumen von 20 Millionen Euro über vier Jahre zunächst sehr zurückhaltend. Erst im Laufe der Zeit wurden diese Fördermittel allmählich auf mehr als 26 Millionen Euro aufgestockt, was meiner Ansicht nach darauf hinweist, dass die Bundesregierung das PDP-Modell besser kennen und schätzen lernte. Dies hat auch eine unabhängige Evaluierung der ersten Förderungsrunde bestätigt, die ausgesprochen positiv ausfiel. Ich gehe davon aus, dass sich Deutschland mit dieser zweiten Ausschreibung mittel- und langfristig als PDP-Förderer positioniert hat – wenn auch immer noch auf relativ bescheidenem Niveau, was den Umfang der Finanzierung anbelangt.

Frage: Worin unterscheidet sich diese zweite Ausschreibung von Fördermitteln von der ersten?

Maximilian Geigenmüller: Zunächst einmal geht es dieses Mal um mehr Geld: um 50 Millionen Euro für den Zeitraum 2016 bis 2021. Das ist zwar immer noch nicht so viel, wie wir gehofft hatten, aber beinahe das Doppelte der ersten Förderungsrunde. Zweitens können nicht nur Förderungen für die 17 vernachlässigten Tropenkrankheiten  und Malaria beantragt werden wie beim ersten Mal, sondern es können diesmal auch Fördermittel für F&E-Vorhaben zu Aids und Tuberkulose beantragt werden.

Frage: Inwieweit ist die Ausschreibung Ausdruck der Gesundheitsprioritäten Deutschlands? Und entspricht sie den bei der G7-Konferenz vereinbarten Prioritäten, oder weicht sie davon ab?

Maximilian Geigenmüller: Die Bundesregierung hat nun offenbar beschlossen, dass es an der Zeit ist, im Bereich der globalen Gesundheit eine Führungsrolle einzunehmen, die Deutschlands wirtschaftlicher und finanzieller Position in der Welt gerecht wird. Zudem bin ich sicher, dass die Ebola-Krise und der Ausbruch der sich rasend schnell verbreitenden Infektionskrankheit ohne unmittelbare Behandlungsmöglichkeiten in relativ großer Nähe zum eigenen Land eine tragende Rolle dabei spielte. Die Tatsache, dass vernachlässigte Tropenkrankheiten und Ebola so weit oben auf der G7-Agenda standen, hat dazu geführt, dass Gesundheitsfragen dieses Jahr in der internationalen Debatte verstärkt wahrgenommen wurden.

Eine Weile sah es so aus, als würden die G7 die „drei großen” Armutskrankheiten Aids, Malaria und Tuberkulose ganz außer Acht lassen und nur über vernachlässigte Tropenkrankheiten diskutieren, insbesondere als dann in der Abschlusserklärung zum Gipfeltreffen auch nur von vernachlässigten Tropenkrankheiten die Rede war. Glücklicherweise sprachen die G7-Wissenschaftsminister auf ihrer Konferenz in Berlin am 8. und 9. Oktober aber nicht nur über die Tropenkrankheiten, sondern es wurden auch Malaria, Tuberkulose, Aids und verschiedene andere ansteckende Krankheiten ausdrücklich erwähnt. In der Abschlusserklärung sind außerdem einige interessante Zusicherungen enthalten, wie zum Beispiel die Zusage, die Forschungsarbeit besser zu koordinieren. In diesem Zusammenhang hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, angeboten, im Jahr 2016 Gastgeberin eines Workshops zur Ideenfindung zu sein. Laut der Abschlusserklärung ist auch beabsichtigt, im Rahmen einer pilothaften gemeinsamen G7-Forschungsmaßnahme F&E-Vorhaben zu identifizieren, um Forschungskapazitäten in Ländern mit starker Verbreitung von vernachlässigten Armutskrankheiten zu stärken. In Verbindung mit der G7-Präsidentschaft Japans in 2016, bei der das Thema Gesundheit mit Sicherheit einen Schwerpunkt bilden wird, sind die Chancen meiner Meinung gut, dass Gesundheit auch weiterhin im Mittelpunkt der internationalen Agenda stehen wird.

Frage: Was ist besonders erfreulich an dieser Ausschreibung?

Maximilian Geigenmüller: Ich habe mich sehr über die Bekanntgabe der Ausschreibung an sich gefreut und darüber, dass dieses Mal erheblich mehr Mittel bereitgestellt wurden. Das ist natürlich noch lange nicht genug, aber vielleicht wird es auch in der zweiten Förderungsrunde noch einige Aufstockungen geben wie beim ersten Mal, als Deutschland zunächst 20 Millionen Euro bereitstellte, aus denen schließlich 26 Millionen Euro wurden. Auch die Aussicht auf eine Institutionalisierung der deutschen PDP-Förderung, also die Abkehr von begrenzten Fördermitteln für einen bestimmten Zeitraum und stattdessen die Einrichtung einer eigenen Budgetlinie im Förderhaushalt der Bundesrepublik gibt Anlass zur Freude. Dies wird jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach erst am Ende der zweiten Finanzierungsrunde erfolgen.

Sehr erfreulich war auch der Prozess, durch den diese zweite Förderungsrunde zustande kam. Ich finde, dass die PDPs, die Nonprofit-Organisationen, die philanthropischen Organisationen und andere Unterstützer hervorragende Arbeit geleistet und so dafür gesorgt haben, dass das Thema F&E für globale Gesundheit auf politischer Ebene auch weiterhin thematisiert wird. Der Parlamentarische Beirat für Bevölkerung und Entwicklung im Deutschen Bundestag schickte zum Beispiel im Sommer einen von 19 Bundestagsabgeordneten unterzeichneten Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, in dem die Mitglieder ihrer Unterstützung für F&E im Bereich der globalen Gesundheit und das PDP-Modell Ausdruck verliehen. Wenn 19 Abgeordnete von drei Bundestagsparteien einen Brief zur Unterstützung einer Maßnahme unterzeichnen, die nur für einen unbedeutenden Teil der jährlichen Aufwendungen für Forschung steht, dann ist das ziemlich bemerkenswert.

Comments 1

  1. Pingback: Deutschland setzt globale Gesundheit auf die G20-Agenda

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.