/

Die Likes und Lobbys der jungen Anti-Rights-Bewegung

Blog | 10. März 2026 | #Anti-Gender-Bewegung #Anti-Rights-Bewegung #Jugend #Jugendarbeit

Junge Menschen sind politisch und sie sind hoch umkämpft. Während aktuell intensiv darüber diskutiert wird, wie Kinder und Jugendliche im Internet besser geschützt werden können, erstarken dort international gut organisierte, ultrakonservative Jugendnetzwerke, die gezielt sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR), Gleichstellung und LGBTQI+-Rechte angreifen. 

Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube dienen als Rekrutierungsräume. Influencer*innen erreichen mit anti-feministischen und queerfeindlichen Botschaften Millionen. Ihre Inhalte sind ästhetisch ansprechend, emotionalisierend, und oft mit Lifestyle-Content verknüpft. In sogenannten „Manosphere“- und „Womanosphere“-Kontexten werden traditionelle Rollenbilder propagiert, Gleichstellung diskreditiert und die körperliche Selbstbestimmung von Frauen infrage gestellt. Algorithmen verstärken den Trend: Interessieren sich Jungen für muskulöse Körper oder Statussymbole wie teure Autos, spielt TikTok vermehrt Inhalte aus der „Manosphere“ oder sogar aus der rechtsextremen Szene aus. Die Inhalte setzen gezielt bei emotionaler Verunsicherung an: Klimakrise, Kriege und soziale Ungleichheit prägen den Alltag vieler junger Menschen. Anti-Rights-Gruppen bieten einfache Antworten, klare Identitäten und Feindbilder. Deshalb prägen sie das Weltbild junger Menschen massiv: Laut einer aktuellen Studie der MaLisa Stiftung formen soziale Medien bei neun von zehn Jugendlichen die Sicht auf Politik und Gesellschaft. Besonders deutlich zeigen sich problematische Folgen bei Jungen: 42 Prozent vertreten ein Geschlechterbild, das Männern mehr Rechte zugesteht als Frauen.  

Über ähnliche Entwicklungen in ostafrikanischen Ländern berichtet die DSW seit Jahren. Dort verbreiten Anti-Rights-Bewegungen gezielt ultrakonservative Geschlechterbilder und Anti-Rights-Narrative. Häufig sind sie finanziell unterstützt aus dem Ausland. Was dort sichtbar ist, betrifft längst nicht nur einzelne Regionen. Anti-Rights-Bewegungen erreichen ein Massenpublikum, auch in Deutschland.  

Dass diese Inhalte so präsent sind, ist kein Zufall. Eine aktuelle Studie von Ipas zeigt: Anti-Rights-Bewegungen investieren seit Jahrzehnten strategisch in Nachwuchs. Was in den USA Mitte des 20. Jahrhunderts mit evangelikal geprägten Anti-Abtreibungs-Initiativen begann, ist heute ein transnationales Netzwerk aus Studierendenverbänden, Think Tanks und Social-Media-Influencerinnen. Junge Menschen werden gezielt angesprochen und geschult – in Medienarbeit, Lobbying und juristischer Argumentation. Finanziert von privaten Stiftungen und vermögenden Einzelpersonen, agieren junge Anti-Rights-Akteurinnen längst in Parlamenten und internationalen Gremien. Sie mobilisieren andere Jugendliche gegen genau jene Rechte, die sie selbst betreffen: umfassende Sexualaufklärung, Zugang zu Verhütung, sichere Schwangerschaftsabbrüche und körperliche Selbstbestimmung. Progressive Initiativen reagieren dagegen oft kurzfristig und sind chronisch unterfinanziert.  

Die gute Nachricht: Schon kurze Gegenimpulse wirken. Laut der MaLisa-Studie können bereits zwölf Sekunden pro-demokratischer, ästhetisch ansprechender TikTok-Clips Weltbilder messbar erweitern. Wie langfristig diese Wirkung anhält, bleibt noch zu untersuchen.  

Wer SRGR und demokratische Werte verteidigen will, muss deshalb dort ansetzen, wo junge Menschen sich informieren: in sozialen Medien, in Bildungsräumen und in jugendgeführten Strukturen. Es braucht langfristige Investitionen in Medienkompetenz, progressive Jugendnetzwerke und digitale Gegenstrategien. 

Die Frage ist längst nicht mehr, wer junge Menschen mit welcher Vision von Rechten, Gleichstellung und Zukunft erreicht. Stattdessen müssen wir uns fragen: Warum schaffen es demokratische und gleichstellungsorientierte Akteur*innen bislang nicht, der Anti-Rights-Bewegung entschlossen Paroli zu bieten? 

Foto: (c) Brian Otieno / DSW

Celina Wild

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

8-4=