Ein Fest für den Journalismus
Medienpreisverleihung 2025
Es war ein Abend, an dem nicht nur in jeder Hinsicht ausgezeichnete Journalisten gefeiert wurden, sondern auch der Journalismus selbst. Dieser sei „der Versuch, die Welt zu begreifen, in dem man sie erzählt.“ So brachte Svenja Gräfen es im ersten von zwei Poetry-Slams, die der DSW-Medienpreisverleihung ihren Rahmen gaben, auf den Punkt. Denn, so heißt es an anderer Stelle des wunderbaren Textes: „Allzu oft sind es die gleichen, die verschwinden. Die, deren Stimmen zu leise sind, um durch die Schlagzeilen zu dringen. Die, deren Leben zu unbequem sind, um ins Abendprogramm zu passen.“ Über den berufsalltäglichen Kampf, sie dennoch auf den Redaktionsplan zu bringen, berichteten die fünf anwesenden Preisträger*innen dem gespannt lauschenden Publikum in der Kleinen Nachtrevue Berlin unter der einfühlsamen Moderation von Ninia LaGrande.
„Über Afrika haben wir doch dieses Jahr schon berichtet“, bekäme man dann zu hören, sagt Veronica Frenzel, die gemeinsam mit der Fotografin Anne Ackermann, die leider nicht anwesend sein konnte, über eine Transfrau in Kenia berichtet hat und damit „thematisch gleich doppelt in der Nische“ war. Ein weiteres Problem sei natürlich auch die Finanzierung, erzählt Rebecca Stegmann, die man auch dann nicht leicht bekäme, wenn man wie sie über eine Bleimine in Sambia berichtet, die Mensch und Natur vergiftet, ein doch gar nicht so „nischiges“ Umweltthema – aber eben doch sehr weit weg.
Allerdings sei genau das nun mal ihr Job, bekräftigte Jan Rübel, das Ferne und Fremde zu erzählen und zu erklären, auch wenn es so komplizierte Dinge wie die Chancen einer demografische Dividende sind, die in seiner Geschichte über Kenias Gen Z eine Rolle spielen, oder das Potenzial der traditionellen Medizin, mit der Clara Hellner sich beschäftigt hat. Das man sich bei dieser Arbeit auch in ernste Gefahr begeben kann, davon wusste Lara Voelter zu berichten, die bei ihren Recherchen über den „Granny Fightclub“ in Nairobi erfahren musste, dass diese Frauen in vielerlei Hinsicht mit harten Bandagen kämpfen.
Die Diskussionen wurden auch nach dem offiziellen Programm noch angeregt weitergeführt. Große Einigkeit herrschte darüber, wie wichtig Stipendien wie der DSW-Medienpreis sind, die solche Reisen und Reportagen dann doch immer wieder ermöglichen. „Nicht, weil die Welt dadurch leichter wird, gerechter, weniger überfordernd“, so schließt Svenja Gräfen diese Hymne auf den Journalismus, „sondern weil sie erzählbar bleibt. Und weil Erzählen manchmal das Einzige ist, was verhindert, dass sie uns entgleitet.“




Kommentare