[x_feature_headline type=”left” level=”h6″ looks_like=”h6″ icon=”bookmark”]Autor: Christoph Behrends[/x_feature_headline]

Was hat die Menschheit in den vergangenen 25 Jahren in puncto Armutsbekämpfung, Bildung, Ernährungssicherheit, Gesundheit und Umwelt erreicht? Der Abschlussbericht der Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) zeichnet ein durchwachsenes Bild. Es bleiben viele Herausforderungen – insbesondere in Bezug auf die Gesundheit von Müttern und Kindern.

Im kürzlich erschienenen Abschlussbericht der Millennium-Entwicklungsziele steht nun schwarz auf weiß, was sich bereits im Vorfeld angedeutet hat: Die Lebensbedingungen vieler Menschen haben sich in den vergangenen 25 Jahren zum Teil grundlegend verbessert. So ist der Anteil der extrem Armen weltweit von 36 Prozent im Jahr 1990 auf heute 12 Prozent gesunken. 211 Millionen weniger Menschen sind unterernährt. Und: Heute gehen mindestens neun von zehn Kindern zur Grundschule, darunter in den meisten Weltregionen etwa gleich viele Mädchen wie Jungen. Allein in Afrika südlich der Sahara konnte der Anteil der Kinder, die zur Grundschule gehen, von 52 auf 80 Prozent erhöht werden.

Diese und viele andere Erfolge wären ohne die Millennium-Entwicklungsziele, auf die sich die internationale Gemeinschaft im Jahr 2000 verständigt hat, nicht möglich gewesen. Die UN-Mitgliedsstaaten sollten sie jetzt zum Anlass nehmen, bei der derzeit entstehenden Post-2015-Agenda vor allem massiv in den Bereichen aufzuholen, die bisher vernachlässigt wurden.

Die Gesundheit von Müttern und Kindern fördern

Die größten Defizite bestehen bei der Kinder- und Müttergesundheit. Jeden Tag sterben 16.000 Kinder unter fünf Jahren an zumeist vermeidbaren Ursachen. Die Kindersterblichkeit konnte bisher nicht, wie angestrebt, um zwei Drittel, sondern nur um 53 Prozent gesenkt werden. Und statt der unter den MDGs intendierten drei Viertel wurde die Müttersterblichkeit nur um 45 Prozent gesenkt. Noch immer hängen das Überleben und der Verlauf des Lebens von einer Mutter und ihrem Kind stark davon ab, ob die Geburt in einem Entwicklungs- oder Industrieland, ob sie in einer städtischen Klinik oder in einem armen, abgelegenen Dorf stattfindet.

In anderen Gesundheitsbereichen lässt sich ablesen, welche Erfolge mit ambitioniertem Engagement erreicht werden können. Zwischen 2000 und 2015 wurden mehr als 6,2 Millionen Menschen davor bewahrt, an Malaria zu sterben. Das Entwicklungsziel, die Ausbreitung von Malaria zum Stillstand zu bringen und allmählich umzukehren, wird erreicht werden. Wie es dazu kam? Zum einen durch eine massive Ausweitung der Maßnahmen: In Tansania schlafen heute beispielsweise drei Viertel aller Kinder unter Malarianetzen, vor knapp 15 Jahren waren es noch zwei Prozent. Zum anderen durch eine erhöhte Finanzierung: Die weltweiten Mittel für die Malariabekämpfung wurden gegenüber dem Jahr 2000 verzehnfacht!

Entwicklung braucht Finanzierung

Wer derartige Erfolge auch in anderen Gesundheitsbereichen erzielen und hohe Kosten infolge von unterlassenen Gesundheitsdiensten vermeiden will, wer mehr Kindern und Müttern ein gesundes Leben ermöglichen will, der muss Geld in die Hand nehmen. Der Erfolg der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs), die im September verabschiedet werden sollen, hängt davon ab, dass die Weltgemeinschaft beim Gipfel zu Entwicklungsfinanzierung in Addis Abeba Mitte Juli konkrete finanzielle Zusagen macht. Sie muss den effizienten Einsatz dieser Mittel, die Harmonisierung von Geberprogrammen, die Erschließung neuer, innovativer Finanzierungsquellen, die Regulierung der privatwirtschaftlichen Beiträge und die Verbesserung der Rechenschaftspflicht in Angriff nehmen.

Damit die Post-2015-Agenda wirkt, müssen die UN-Mitgliedsländer außerdem nationale Aktionspläne für ihre Umsetzung entwickeln. Entscheidend ist dabei, welche Indikatoren die Staaten festlegen, um die erfolgreiche Umsetzung zu messen und Defizite aufzuzeigen. Diese werden derzeit entwickelt und sollen Anfang kommenden Jahres abgesegnet werden. Sie sollten umfassend, ambitioniert und im Minimum nach Alter, Geschlecht, Einkommen und Wohnort aufgeschlüsselt sein, um der Vernachlässigung bestimmter Bevölkerungsgruppen vorzubeugen. Dies betrifft gerade in Entwicklungsländern häufig Frauen und Mädchen – ihre Stärkung und Gleichberechtigung sollte daher ein Querschnittsthema sein. Dabei sollte die Zivilgesellschaft eine besondere Rolle einnehmen und so weit wie möglich in die Umsetzung einbezogen werden.