FGS im Fokus: Wie geschlechtergerechte Forschung globale Gesundheit voranbringt
Auftakt der Reihe DSW women.health.research
Wie können Forschung, Gesundheit und internationale Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass sie geschlechtergerecht sind – und damit die Lebensrealität von Frauen* und Mädchen* weltweit verbessern? Mit dieser Leitfrage startete die neue Veranstaltungsreihe DSW women.health.research. Zum Auftakt rückte ein Thema ins Scheinwerferlicht, das bislang oft übersehen wird: Female Genital Schistosomiasis (FGS) – auf Deutsch: Weibliche Genitalschistosomiasis.
FGS ist eine durch Parasiten verursachte Erkrankung, die Millionen Menschen betrifft – vor allem in ressourcenarmen Kontexten. Weil der weibliche Genitaltrakt betroffen sein kann, hat FGS für Frauen* und Mädchen* besonders gravierende Folgen: von chronischen Schmerzen über Unfruchtbarkeit bis hin zu einem erhöhten Risiko für HIV- und HPV-Infektionen. FGS steht exemplarisch für Krankheiten, die grundlegende Fragen von Gerechtigkeit, Gesundheit, Rechten und Teilhabe aufwerfen.
Eingeleitet wurde die Diskussion durch Impulse von Dr. Bärbel Kofler (Parlamentarische Staatssekretärin im BMZ), Svenja Schulze (MdB), Dr. Harald Nusser (Merck) und Ivan Scandale (DNDi).
Zentrale Erkenntnisse aus der Diskussion
- Nur integriert wirkt: FGS lässt sich wirksam nur durch eine integrierte Strategie im Sinne des One-Health-Ansatzes bekämpfen.
- Bessere Abstimmung: Es braucht mehr Koordination und Zusammenarbeit zwischen den in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen Akteuren sowie zwischen Entwicklungs-, Forschungs- und Gesundheitsministerium.
- Forschung und Innovation stärken: Notwendig sind bessere Daten, einfachere und kostengünstige Diagnostik sowie wirksame Behandlung und Prävention.
- Partnerschaften nutzen: Öffentlich-Private Partnerschaften (Public-Private Partnerships, PPP) sind bei Forschung, Entwicklung und Implementierung in Bereichen mit ungedecktem medizinischem Bedarf wirksame Instrumente.
Vier Fragen an Ivan Scandale (DNDi)

Schistosomiasis ist eine parasitäre Erkrankung, ausgelöst durch Schistosoma-Würmer. Süßwasserschnecken setzen Larven (Cercarien) frei, die die menschliche Haut durchdringen. Im Körper reifen die Parasiten heran und legen Eier ab, die über Urin oder Stuhl wieder ins Wasser gelangen – so setzt sich der Zyklus fort.
Female Genital Schistosomiasis (FGS) ist eine Form der Erkrankung, die überwiegend durch Schistosoma haematobium verursacht wird. Hierbei lagern sich Eier im reproduktiven Trakt ab und führen zu chronischen Entzündungen und Läsionen.

FGS kann Unterbauchschmerzen, vaginalen Ausfluss oder Blutungen, Unfruchtbarkeit sowie ein erhöhtes Risiko für HIV- und HPV-Infektionen verursachen. Häufig wird FGS fälschlich als sexuell übertragbare Infektion diagnostiziert – mit Folgen wie Stigmatisierung, verzögerter Versorgung und sozialem Ausschluss.

Wichtige Felder sind:
- Entwicklung von Diagnostik und Therapien für chronische FGS,
- Verbesserung der Datenlage zum Krankheitsausmaß und zu Langzeitfolgen,
- Interventionen auf Gemeinde- und Gesundheitssystem-Ebene.
Ein gender-responsiver Ansatz bedeutet:
- Frauen* und Mädchen* werden in Studiendesign und Forschung systematisch einbezogen,
- Stigma und Zugangsbarrieren werden adressiert,
- Frühe Behandlung mit Praziquantel (PZQ) bei Kindern zur Prävention von FGS wird sichergestellt (eine primär programmatische, aber entscheidende Maßnahme).

Über das WINGS-4-FGS-Konsortium arbeitet DNDi u. a. an:
- Verbesserter Fallfindung, Fallmanagement und Aufklärung,
- Repurposing vorhandener Wirkstoffe zur Linderung chronischer Symptome,
- Bildungs- und Trainingsmaterial für Communities und Gesundheitsfachkräfte,
- Advocacy, damit FGS in Gesundheitspolitiken verankert wird.
Darüber hinaus verfolgt DNDi das Ziel, neue Therapien gegen Schistosomiasis zu entwickeln, die chronische FGS-Symptome vorbeugen könnten.
Warum das zählt
FGS gehört zu den vernachlässigten Krankheiten – einer Gruppe von Infektionskrankheiten, für die im Verhältnis zu ihrer Krankheitslast unverhältnismäßig wenig Finanzierung für Forschung und Innovation bereitsteht. Besonders relevant: Nur rund ein Prozent der globalen F&I-Investitionen im Gesundheitsbereich fließt in frauenspezifische Erkrankungen. Die Diskussion hat deutlich gemacht: Diese Lücke muss geschlossen werden – für eine bessere Gesundheit aller Menschen, in Deutschland und weltweit.
Über die Reihe
DSW women.health.research macht vernachlässigte Gesundheitsthemen sichtbar, die Frauen* und Mädchen* besonders betreffen – und bringt Expert*innen aus Politik, Forschung, Industrie und Zivilgesellschaft zusammen, um konkrete Lösungsansätze zu entwickeln.
Ausblick: Die nächste Veranstaltung der Reihe widmet sich dem Thema KI & Frauengesundheit.
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