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Frauengesundheit: KI als Brücke oder Grenze?

Blog | 13. Mai 2026 | #AI #Empowerment #Gesundheitsforschung #Globale Gesundheit #KI #Künstliche Intelligenz #Sexuelle und reproduktive Gesundheit #SRGR

Zur Zeit fehlt etwa 400 Millionen Menschen in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen der Zugang zu essentieller Gesundheitsversorgung. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, werden bis 2030 18 Millionen zusätzliche Fachkräfte benötigt. Künstliche Intelligenz (KI) kann bei der Unterstützung medizinischer Wissensvermittlung und vorläufiger Einschätzungen eine entscheidende Rolle spielen und medizinisches Personal entlasten oder fehlende Zugänge überbrücken.

In der Demokratischen Republik Kongo und Kenia wurde während der COVID-19-Pandemie der Chatbot „Nurse Nisa“ als gemeinsames Projekt von Ipas und Dimagi ins Leben gerufen. Die KI soll häufig gestellte Fragen zu Verhütungsmitteln sowie zum sicheren Umgang mit medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen beantworten. “Nurse Nisa” ist über WhatsApp verfügbar, auf Englisch, Französisch und Swahili programmiert und soll dazu beitragen, Barrieren abzubauen und Wissen zugänglich zu machen. Das Projekt richtet sich insbesondere an Frauen, die aufgrund infrastruktureller Einschränkungen mangelnden Zugang zu Gesundheitseinrichtungen haben.
Die Fähigkeit von Maschinen, Wissen menschenähnlich zu vermitteln, hat in den vergangenen Jahren nicht nur großes Aufsehen erregt, sondern ist dabei, unseren Umgang mit Technologie nachhaltig zu verändern. Auch im Gesundheitswesen kann Künstliche Intelligenz künftig Fortschritte ermöglichen: Sie kann Diagnosen erleichtern und beschleunigen, Muster und Zusammenhänge früher erkennen und Prozesse effizienter gestalten. Die Vorteile sind erheblich – doch wie steht es um die Risiken?

In der Medizin werden kontinuierlich sensible Informationen von Patient*innen erhoben und verarbeitet, die strengen Datenschutzbestimmungen unterliegen. Im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit (SRG) umfasst dies insbesondere Themen wie Familienplanung, die Gesundheit von Schwangeren und Müttern, sexuell übertragbare Krankheiten, sichere Schwangerschaftsabbrüche sowie Erfahrungen sexueller Gewalt. Viele Patient*innen wünschen sich in diesen Bereichen ein besonders hohes Maß an Diskretion, da sie kulturell oder religiös sensibel und teilweise stark umstritten sind.
Das Menschenrecht auf körperliche Selbstbestimmung ist umstritten und bleibt in vielen Ländern eingeschränkt. Mediziner*innen und Fachleute sehen bei KI-basierten Technologien daher die Gefahr, dass sie zur weiteren Einschränkung und Kontrolle der körperlichen Autonomie, insbesondere von Frauen, missbraucht werden könnten. Gleiches gilt für marginalisierte Gruppen, wie queere und trans Personen. Vorurteile, mangelnde Inklusion und geschlechtsspezifische Ungleichheiten drohen sich dadurch weiter zu verschärfen. Diese Risiken sind nicht ausschließlich auf den Bereich der SRG beschränkt. Allerdings ist dieser, bedingt durch religiöse und kulturelle Normen sowie politische und gesellschaftliche Machtverhältnisse, besonders sensibel.
Einerseits eröffnet KI die Chance, in Regionen mit einem Mangel an Fachpersonal eine wichtige Brückenfunktion zu übernehmen und vorläufige Einschätzungen bereitzustellen, die Entscheidungsprozesse beschleunigen könnten, andererseits birgt sie aber die Gefahr des Missbrauchs.

Zur Zeit fehlen noch Erfahrungsberichte, die die Effizienz und Sicherheit von KI im Gesundheitswesen einschlägig beurteilen. „Nurse Nisa“ zeigt jedoch bereits, dass KI-basierte Technologien sinnvoll eingesetzt werden können, um das Bedürfnis nach (Geschlechter-)Gerechtigkeit, Wissensvermittlung und barrierefreiem Zugang zu medizinischer Unterstützung zu decken. Dennoch werden Sexualaufklärung und Wissensvermittlung über SRGR sowie die medizinische Versorgung immer den direkten Kontakt zwischen Menschen benötigen. Die KI kann diese Kommunikation nicht ersetzen, aber sie kann sie stärken und unterstützen, sofern sie mit Respekt vor individuellen Menschenrechten implementiert wird.

Freya Wilhelmi

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