Schnitt in die Seele

Die Geschichte von Esuphat

Esuphat, 16 Jahre, aus Tansania erlebte am eigenen Leib die Schrecken und Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung.

Esuphat (Name geändert) ist eine 16-jährige Massai. Sie wuchs gemeinsam mit ihren jüngeren Schwestern bei ihrer Mutter auf und war stolz auf die Traditionen und Sitten die die Gemeinschaft miteinander teilte. Als sie zehn Jahre alt war, musste sie zu ihrer Tante in das Nachbardorf ziehen – dort würde sie zu einer Frau gemacht. Gemeinsam mit anderen Mädchen erfuhr sie, dass es eine Initiationszeremonie für sie alle geben würde und, dass sie damit eine stolze Tradition weiterführen und ihre Gemeinschaft schützen würden. Esuphat freute sich, dass sie einen wichtigen Beitrag für ihr Dorf leisten konnte. Gleichzeitig war sie aufgeregt und auch ein wenig ängstlich, denn sie wusste, wenn sie scheitern würde, würde etwas Schlimmes passieren.

In dieser Nacht wurde das junge Mädchen von Schreien geweckt und ihre Tante brachte sie auf den Dorfplatz. Sie musste sich ausziehen und neben die anderen Mädchen legen. Was dann geschah, beschreibt die damals 10-jährige heute so: „Ich werde den Schmerz niemals vergessen! Ich habe das Messer gespürt, wie es durch meine intimsten Körperstellen geschnitten hat – ich dachte, ich muss sterben. Es war unerträglich, doch ich überlebte es. Es war ein Alptraum, den ich niemals vergessen werde!“ Esuphat wurde bewusstlos in die Hütte ihrer Tante gebracht. Dort lagen bereits zwei ohnmächtige, blutbedeckte Mädchen.

Zwei Wochen später kehrte sie in ihr Heimatdorf zurück. Sie war nun Teil der weiblichen Dorfgemeinschaft und sehr stolz, endlich bei allen Gesprächen und Ritualen dabei sein zu dürfen. Einige Jahre später musste Esuphat auf Wunsch ihrer Mutter ihr Elternhaus verlassen und im nahegelegenen Kiranyi als Hausmädchen bei einer Familie arbeiten. Auf dem Weg zum Markt sah das junge Mädchen ein Aufklärungstheater der „Eidimay youth group“, einem Jugendklub der Stiftung Weltbevölkerung. Neugierig schaute sie zu und sprach eine der Jugendberaterinnen an. Neu in der Stadt freute sich die Teenagerin über den interessanten Kontakt und wurde schnell Teil der Gruppe.

Während der ersten Schulung im Klub erhielt sie viele Informationen auf Sexualität, Verhütung, die Übertragung des HI-Virus und über Genitalverstümmelung und Mädchenrechte. Sie war überrascht und schockiert und es fiel ihr schwer zu glauben, was sie dort hörte – die Tradition, auf die sie so stolz war, hatte sie betrogen. Gemeinsam mit der Jugendberaterin besuchte sie eine Gesundheitsstation und ließ sich auf HIV testen, denn es wurde für alle Mädchen dasselbe Messer benutzt. Glücklicherweise fiel der Test negativ aus.

Seitdem ist Esuphat eine besonders engagierte und motivierte Jugendberaterin und kämpft heute in unserem Projekt „Mein Leben, meine Rechte, meine Zukunft!“ für Mädchen, damit diese nicht mehr in Dunkelheit und Unwissenheit leben müssen.


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