Gesundheit für Frauen und Mädchen weltweit: Welchen Kurs nimmt Deutschland im Entscheidungsjahr 2015?

denny Blog, Globale Gesundheit, Müttergesundheit 0 Comments

Die Millennium-Entwicklungsziele zur Mütter- und Kindergesundheit wurden nicht erreicht. Im Jahr 2010 verpflichteten sich die acht größten Wirtschaftsnationen deshalb dazu, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen, damit mehr Mütter und Kinder überleben und ein gesundes Leben führen können. Dieses Jahr läuft die sog. MuskokaInitiative zur Verbesserung der Kinder- und Müttergesundheit aus. Mit welchem Ergebnis? Und was ist vom Entwicklungsjahr 2015 in Sachen Mütter- und Kindergesundheit zu erwarten? Das diskutierten am 4. Mai mehr als 100 Expertinnen und Experten auf Einladung der Stiftung Weltbevölkerung und von Bayer HealthCare in Berlin.

Warum in Mütter- und Kindergesundheit investieren?

Investitionen in die Gesundheit von Müttern und Kindern sind bitter nötig. Darin hatten zuletzt Parlamentarier aus 50 Ländern in ihrem “Berlin Parliamentary Appeal” erinnert, der auf der internationalen G7/20-Parlamentarierkonferenz im April verabschiedet wurde. MdB Frank Heinrich (CDU), Sprecher des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung (Mitorganisator der Konferenz), freute sich über dieses „handfeste“ Ergebnis.

Es mache vor allem auch wirtschaftlich Sinn, in Gesundheit und Zugang zu Verhütungsmitteln zu investieren, hoben sowohl Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, als auch Klaus Brill, Leiter der Corporate Commercial Relations der Bayer Pharma AG, hervor. So führe eine sichere Verhüttung zu einer geringeren Mütter- und Säuglingssterblichkeit, was nicht zuletzt Gesundheitskosten spare. Solche ökonomischen Vorteile, die aus Investitionen in Gesundheit, Familienplanung und Bildung erwachsen, sind im Papier Nachhaltige Entwicklung klug finanzieren der High-Level Task Force on ICPD zusammengefasst, einem internationalen Gremium, dem Bähr angehört.

Lebhafte und vielfältige Diskussionen

Neben Heinrich und Bähr zählten Ingrid-Gabriella Hoven, Leiterin der Abteilung „Globale Zukunftsfragen – Sektoren“ des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ), Uwe Kekeritz, MdB, Entwicklungspolitischer Sprecher von Bündnis90/Die Grünen, George Ouma, Programmkoordinator der Stiftung Weltbevölkerung in Kenia und Dr. Lale Say von der Abteilung zu Reproduktiver Gesundheit und Forschung der WHO zu den Podiumsteilnehmern des Parlamentarischen Abends. Als Gäste waren Mitglieder des Deutschen Bundestages und des diplomatischen Corps sowie Vertreterinnen und Vertreter von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen anwesend. Die Diskussionen verliefen lebhaft und vielfältig – auch dank des Moderators Hans Jessen, der die Diskussion schon früh für das Publikum öffnete.

Bilanz von Muskoka

Ingrid-Gabriella Hoven zog generell eine sehr positive Bilanz des deutschen Beitrags zur Muskoka-Initiative. So wurden zusätzlich 400 Millionen Euro mobilisiert und damit ganz unterschiedliche Projekte umgesetzt. Muskoka werde in erweiterter Form weitergehen. Die Bundesregierung stehe hierzu mit ihren Partnern im Austausch. Es reiche jedoch nicht, nur Gesundheitsdienstleistungen bereitzustellen. Frauen und Mädchen müssten die Möglichkeit haben, sich selbstbestimmt zu entwickeln.

Aus Sicht der Opposition hingegen sah die Bilanz der Muskoka-Initiative nicht ganz so positiv aus. Bezugnehmend auf eine Kleine Anfrage der Grünen könne laut Uwe Kekeritz zwar generell bestätigt werden, dass die Bundesregierung ihre Zusage zur Muskoka-Initiative übererfüllt hätte. Wenn man sich jedoch die Zahlen etwas genauer anschaue, kämen einem schon Zweifel, ob das Geld immer sinnvoll investiert worden sei. So entfielen beispielsweise in manchen Jahren 20 Prozent der Zusagen auf China, ein Land, wo die Kinder- und Müttersterblichkeit im internationalen Vergleich relativ gering sei und das zudem kein Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mehr sei.

Bericht aus Kenia

Ein eindrückliches Bild der Situation von Frauen und Kindern in Kenia zeichnete Stiftungsmitarbeiter George Ouma. Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte seien schon ab einem frühen Alter relevant. In Kenia würden leider auch schon Mädchen mit zehn Jahren schwanger. Um dies zu verhindern bedürfe es auf die jeweilige Zielgruppe angepasste Maßnahmen. Es sei eine große Herausforderung, Lücken im Zugang zu Aufklärung und Verhütung zu schließen, das medizinische Personal besser zu schulen und die Qualität der Dienstleistungen zu verbessern.

Wie geht es weiter?

Derzeit werden die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) verhandelt. Das birgt die Chance, mehr Frauen, Mädchen und Kinder Perspektiven zu bieten. Beim Klimaschutz und Verbrauchs- und Produktionsmustern seien die Industrienationen Entwicklungsländer, so Kekeritz, der betonte, dass die SDGs für alle Länder gleichermaßen umgesetzt werden müssten. Bei der Zusammenarbeit im Gesundheitssektor sei ein stärkerer Fokus auf multilaterale und europäische Ansätze gefordert. Dies gilt auch für den Bereich Forschung und Entwicklung für armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten.

Sowohl Hoven als auch Say sahen eine weitere Lernerfahrung aus der Umsetzung von Muskoka: Es sei nicht sehr effektiv, einzelne kleine Projekte umzusetzen. Wirklich effektiv seien Maßnahmen auf nationaler Ebene, die auf bisherigen Erfolgen aufbauen können.

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