Mann in medizinischem Labor
Foto: Direct Relief (CC BY-NC-ND 2.0)

Globale Gesundheit: Handeln, bevor akuter Bedarf besteht

Leonie Müßig Blog, Globale Gesundheit, HIV und Aids 0 Comments

Laut dem aktuellen globalen Tuberkulosebericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben im Jahr 2015 1,8 Millionen Menschen an Tuberkulose – 22 Prozent weniger als noch im Jahr 2000. Trotz des Rückgangs zählt Tuberkulose noch immer zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Die Zahl der Neuerkrankungen lag zuletzt bei 10,4 Millionen. Der WHO zufolge wären für eine ausreichende Finanzierung der Tuberkulosebekämpfung 8,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 nötig – 1,7 Milliarden US-Dollar mehr, als derzeit zur Verfügung stehen.

Das zeigt einmal mehr, wie wichtig Investitionen in die stetige Weiterentwicklung von Behandlungsmethoden und Impfstoffen sind. Tuberkulose ist nicht die einzige Krankheit, bei der ein Bedarf besteht. Zu den großen drei Infektionskrankheiten zählen neben Tuberkulose Aids und Malaria. Doch auch die eher regional auftretenden Krankheiten, die vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern betreffen, benötigen die Aufmerksamkeit der Politik und Wissenschaft, damit die Welt auf kommende Epidemien vorbereitet ist. Darüber diskutierten unter anderem Forscher und Ärzte beim 8. World Health Summit Anfang Oktober in Berlin.

John-Arne Røttingen, Leiter der Abteilung für die Kontrolle von Infektionskrankheiten am Norwegischen Institut für Öffentliche Gesundheit, sagte im Rahmen der Veranstaltung, dass die nächste Epidemie eine Krankheit sein werde, welche die Welt aktuell noch nicht im Blick habe. Epidemien kommen nicht plötzlich zustande, sondern entwickeln sich über einen längeren Zeitraum auf lokaler und regionaler Ebene. Doch bereits im Kleinen muss angesetzt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern oder entsprechend vorbereitet zu sein. Laut Røttingen sehen Regierungen erst den Handlungsbedarf, wenn akut eine Epidemie vorliegt. Doch dann ist es meist zu spät, um schnell und effektiv reagieren zu können. Selbst wenn es einen Impfstoff gibt, ist die Produktion oft langwierig oder es fehlt an entsprechenden Einrichtungen, die den Impfstoff in großer Menge herstellen können – wie wir im Falle der Gelbfieberepidemie gesehen haben.

Die Arbeit wird nicht ausgehen

Im Fall von Tuberkulose ist bisher nur ein vor fast 100 Jahren entwickelter Impfstoff verfügbar. Dieser kann zwar eine schwere Erkrankung bei Kindern verhindern, bietet allerdings für Erwachsene keinen wirksamen Schutz. Laut WHO sind derzeit 13 TB-Impfstoffe in verschiedenen Versuchsstadien in der Pipeline. Zunehmend wird allerdings auch die multiresistente Tuberkulose zur Herausforderung, für die verbesserte und erschwingliche Medikamente benötigt werden.

Jedoch sollten wir Krankheiten nicht einzeln betrachten, sondern deren weltweites Auftreten und Entwicklungen im Auge behalten. Immer mehr Menschen sind weltweit mobil – und damit auch Krankheiten, die sich schneller auch in anderen Regionen verbreiten können, wenn die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind. Dadurch entstehen unter anderem auch neue Varianten. „Wir brauchen die Viren nicht zu suchen, sie finden uns“, sagte Prof. Dr. Gerd Sutter, Leiter des Lehrstuhls für Virologie am Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der Ludwig-Maximilians-Universität München beim World Health Summit. Neue Krankheiten werden weiterhin entstehen. Daran lässt sich nichts ändern. Wohl aber können wir etwas daran ändern, wie wir auf neue Krankheiten vorbereitet sind und reagieren. Nämlich zeitnah, mit gutem Wissensaustausch und ausreichend finanzieller Förderung für die globale Gesundheit.

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