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Entwicklungsjahr: Wie soll es mit der Welt nach 2015 weitergehen?

Unsere 6 Highlights im Superentwicklungsjahr 2015

Denny Ehrlich Allgemein, Blog, Entwicklungszusammenarbeit, Globale Gesundheit 0 Comments

Überall ist dieser Tage die Rede davon: das Mega-Entwicklungsjahr 2015, und der große Post-2015-Gipfel im September! Aber wovon spricht man da eigentlich genau?

Erwartet uns die Brisanz eines Parteitags in Wildbad-Kreuth, oder steht die Welt tatsächlich vor Veränderungen?

Die – wahrscheinlich auch nur halb befriedigende – Antwort: es kommt drauf an. Darauf, dass wir uns in den nächsten Monaten auf das Wesentliche fokussieren und wichtige Teile der Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen. Und vor allem darauf, dass Regierungen abseits kurzfristiger innenpolitischer Gewinne für eine wirkliche Besserung in der Welt einstehen.

Hier nun unsere Top 6 der wichtigsten Highlights im Jahr 2015:

1. Der Post-2015-Gipfel

Die von der Weltgemeinschaft selbst gesteckte Frist zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele läuft in diesem Jahr aus. Viele dieser Ziele werden dann immer noch nicht oder nur teilweise erfüllt sein. Quasi an ihre Stelle treten im Rahmen eines UN-Sondergipfels in New York vom 25. bis 27. September die Nachhaltigen Entwicklungsziele, zu deren Erarbeitung sich die Weltgemeinschaft 2012 verpflichtet hat. Der Auftrag ist ehrgeizig, denn sie sollen in Erweiterung der Millenniumsziele universell auf alle Länder anwendbar sein und alle drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung und die zwischen ihnen bestehenden Verknüpfungen berücksichtigen.

In den nächsten Wochen und Monaten laufen nun die entscheidenden Verhandlungen an, die darüber bestimmen werden, ob bei dem zweitägigen Gipfel eine sogenannte Post-2015 Entwicklungsagenda verabschiedet wird, die wegweisend für die Gestaltung unserer Zukunft ist. Einen Entwurf mit 17 Zielen und 169 Unterzielen zu Themen wie Klima, Landwirtschaft, Gesundheit, oder Infrastruktur gibt es schon. Dieser wurde im letzten Jahr von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern sämtlicher Mitgliedsländer in über zehn Sitzungen erstellt. Und er ist, wie so oft, ein Kompromiss – zwischen konservativen und progressiven Regierungen, zwischen Nord- und Südperspektive u.a. – aber er geht schon in eine gute Richtung. Entscheidender ist jedoch nun, welche Indikatoren die Staaten in weiteren Verhandlungen in den nächsten Monaten festlegen. Wenn sie gut sind, verpflichten sie die Staaten zu umfassenden und wirksamen Maßnahmen, die dazu beitragen, Armut und Ungleichheit zu beseitigen und die natürlichen Lebensgrundlagen unserer Welt zu schützen.

2. Die Wiederauffüllungskonferenz der Globalen Impfallianz GAVI

Doch auch etliche andere Prozesse laufen in diesem Jahr, die für die nächsten Jahre richtungsweisend sein werden. Gleich nächste Woche zum Beispiel wird Angela Merkel als Gastgeberin die Wiederauffüllungskonferenz der Globalen Impfallianz GAVI vom 26. bis 27. Januar eröffnen. Seit dem Jahr 2000 versucht GAVI, als eine internationale Organisation, Kindern der ärmsten Länder gleichen Zugang zu Impfstoffen zu ermöglichen. In der Finanzierung des Modells arbeiten Industrieländer mit Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen. Gemeinsam wird den Pharmaunternehmen dadurch eine hohe Nachfrage gesichert, die dadurch mehr in Entwicklungskosten investieren und niedrigere Abnahmepreise garantieren können.

6 Millionen Todesfälle durch Hepatitis B, Grippe, Hirnhautentzündung, Durchfall, Gelbfieber sowie weitere Krankheiten konnten so seit 2000 verhindert werden. Doch damit diese Erfolgsserie weitergeht und Kinder in Entwicklungsländern auch in kommenden Jahren geimpft werden können, müssen die Regierungen bei der anstehenden Konferenz substanzielle finanzielle Zusagen machen.

3. Der G7-Gipfel

Seit den 70er Jahren trifft sich jährlich die Gruppe der Acht als informelles Forum der Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, die USA, G7_logoKanada und Russland. Als zweite Großveranstaltung nach der GAVI-Konferenz richtet Deutschland vom 7. bis 8. Juni auch den seit letztem Jahr durch Russland dezimierten G7-Gipfel aus. Dieses Jahr auf Schloss Elmau in Bayern aus. Als Gastgeberin bestimmt Frau Merkel auch die Agenda des Treffens, auf dem jährlich gemeinsame Positionen zu globalen politischen Fragestellungen abgestimmt werden. Damit Fragen der Gesundheit und der Gleichberechtigung hierbei nicht vergessen werden, hat auch die Stiftung Weltbevölkerung sich zuletzt im Rahmen zweier Treffen mit der Kanzlerin und ihrem Stab in die Entwicklung der Agenda eingebracht.

4. Die Internationale G7-Parlamentarierkonferenz

Mit Blick auch auf diese wichtige Rolle der Bundesregierung veranstalten wir, unter anderem zusammen mit unserem Parlamentarischen Beirat für Bevölkerung und Entwicklung, vom 17. bis 18. April im Entwicklungsministerium in Berlin eine Internationale G7-Parlamentarierkonferenz, bei der über 100 Abgeordnete und weitere Teilnehmer aus aller Welt sich zum Thema des Empowerments von Frauen und Mädchen austauschen und Impulse an ihre Regierungen senden werden. Bereits letztes Jahr in Stockholm trafen sich Parlamentarier aus aller Herren Länder zu einer solchen Konferenz und verabschiedeten mit dem Stockholm Statement of Commitment (PDF) einen viel beachteten Aufruf, die weitreichenden Inhalte des Aktionsprogramms der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo in der Post-2015-Agenda zu berücksichtigen. Ein ähnlich starker Aufruf wird auch und gerade in diesem Jahr erwartet.

5. Der Internationale Dialog zu Bevölkerung und Nachhaltiger Entwicklung

Nachdem sich über das Jahr hinweg herauskristallisiert hat, ob sich die Weltgemeinschaft eine wirklich zukunftsweisende Agenda gesetzt hat, könnte die Stiftung Weltbevölkerung vom 28. bis 29. Oktober die Gelegenheit nutzen, im Rahmen des 13. Internationalen Dialogs zu Bevölkerung und Nachhaltiger Entwicklung in Kooperation mit IPPF, GIZ, dem Bundesentwicklungsministerium, der KfW und Bayer HealthCare eine Analyse der Vor- und Nachteile der Post-2015-Agenda vorzunehmen. Dabei wird in bewährter Tradition angeregt und kontrovers mit Vertretern aus Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus dem globalen Süden wie dem Norden diskutiert und Ansatzpunkte für verstärktes individuelles und gemeinsames Engagement identifiziert.

6. Internationale Familienplanungskonferenz

Als krönender Abschluss eines ereignisreichen Jahres findet vom 9. bis 12. November in Jakarta, Indonesien, die Internationale Familienplanungskonferenz statt. Die sprichwörtliche halbe Welt traf sich zu diesem Anlass bereits in 2013 in Addis Abeba, Äthiopien. Zum Abschluss der Konferenz gaben knapp 1000 Individuen und Zivilgesellschaftsorganisationen aus über 80 Ländern den Addis Call to Action heraus, der in der Folge auch von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterstützt wurde. Dieses Papier fordert die Weltgemeinschaft dazu auf, Familienplanung und sexuelle und reproduktive Gesundheit maßgeblich in die Post-2015 Entwicklungsagenda zu integrieren.

In diesem Jahr erhält die Konferenz nun eine noch größere Relevanz, denn dann heißt es

  1. die Ergebnisse des Post-2015-Gipfels der Vereinten Nationen aufgreifen,
  2. die Regierungen an ihre Versprechungen erinnern,
  3. auf praktischer Ebene aufzeigen, was in Bereichen wie Aufklärung, Gleichberechtigung und Mütter- und Kindergesundheit konkret getan werden muss, um nicht nur den ungedeckten Bedarf an Verhütungsmitteln weltweit zu decken, sondern dafür zu sorgen, dass sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte für alle Menschen erfüllt sind.

Als Stiftung Weltbevölkerung sind wir natürlich auch dabei und werden mit ausgewählten Vorträgen und Teilnahmen an Podiumsdiskussionen und Workshops mit den praktischen Erfahrungen aus unserer politischen Arbeit und unseren Projekten zu den Diskussionen beitragen.

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