Bildercollage des Youth-to-Youth Projekts in Kenia
Links: Matthias Brucker Rechts: eine unserer Youth-to-Youth Gruppen in Mombasa, Kenia. Foto rechts: Jonathan Torgovnik

Hilfe zur Selbsthilfe – auch bei der Auswertung

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Matthias Brucker ist bei der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) für die Auswertung und wissenschaftliche Begleitung der Projekte (Monitoring and Evaluation – M&E) verantwortlich. Im Interview berichtet er davon, welche Herausforderungen das mit sich bringt.

Matthias, wie stellt die Stiftung sicher, dass ihre Projekte Wirkung erzielen?

Zum einen lassen wir fast alle Projekte durch externe Gutachter evaluieren – das ist oft schon eine Auflage der Geldgeber – oder wir geben es selbst in Auftrag. Zum anderen bilden wir unsere Jugendberater darin aus, Daten über die Wirkung unserer Arbeit zu sammeln. Sie befragen ihre Altersgenossen, ob die Aufklärung, Informationen und Beratungen ihnen etwas gebracht haben. Dabei lernen sie viel über das Thema Rechenschaft – und das reflektiert unseren Ansatz, Hilfe zur Selbsthilfe zu schaffen. Diese selbst erhobenen Daten sind für uns besonders nützlich, weil die Erkenntnisse daraus direkt in die Projektarbeit einfließen.

Die Stiftung hat Büros in Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda sowie in Brüssel, Berlin und Hannover. Welche Herausforderungen bringt das mit sich?

Die größte Herausforderung besteht darin, die Evaluierungsdaten zu harmonisieren und das Berichtswesen aufrechtzuerhalten. Dabei kämpfen meine Kollegen und ich oft mit ganz alltäglichen Problemen: In Äthiopien ist manchmal die Internetverbindung unterbrochen, in Uganda funktioniert hin und wieder das Telefonnetz nicht.

Im Jahr 2013 hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) 640.000 Jugendliche mit lebensrettenden Informationen zu Sexualität und Verhütung erreicht.

Kann man überhaupt sicher sagen, was bestimmte Maßnahmen bringen?

Man kann es an Indikatoren ablesen. Aber persönliche Berichte sind meist noch eindrucksvoller. Ich sprach kürzlich mit einer Frau aus einem abgelegenen Dorf im Osten Ugandas. Sie war vor Jahren für einen Kurs des WOGE-Projekts zu unserem Trainingszentrum in Kampala gereist. Die Reise musste sie vorher gegen den Widerstand ihrer Familie und ihrer Dorfgemeinschaft durchsetzen. Heute ist sie in ihrem Dorf eine anerkannte, respektierte Persönlichkeit, weil sie ganz allein die weite Reise auf sich genommen und eins unserer Zertifikate erworben hat. Auch ihr Mann behandelt sie heute besser. Für sie hat sich vieles zum Positiven verändert.

Haben die Auswertungsmöglichkeiten Grenzen?

Das gerade genannte Beispiel zeigt, wie schwierig das manchmal ist. Wir halten diese Veränderungen im Leben der Menschen mit Hilfe von Befragungen unserer Jugendberater nach, soweit das möglich ist. Und wir arbeiten permanent daran, unsere Methoden zu verfeinern.

Gibt es noch ein Ergebnis, das dich besonders beeindruckt hat?

In West-Pokot in Kenia haben wir eine Gemeinde dafür sensibilisiert, dass sie einen Anspruch auf Gesundheitsversorgung und Zugang zu Verhütungsmitteln hat. In Kenia gibt es dafür Standards. Die Menschen hatten aber noch nie gehört, dass in jeder Krankenstation kostenlos eine Hebamme zur Verfügung stehen soll, dass die Pille frei verfügbar ist und dass es ein Bett geben muss, in dem Frauen ihr Kind bekommen können. Es stellte sich heraus, dass die örtliche Klinik für diese Dienste unter der Hand Gebühren erhob. Viele Leute schreckte dies davon ab, in die Gesundheitsstation zu kommen. Wir haben dann einen Dialog zwischen der Gemeinde und der Regierung initiiert mit dem Ergebnis, dass die Regierung dies unterband. Ich bewundere es, wenn die Menschen durch unsere Hilfe ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen – wie in diesem Fall.

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