Nackte Füße auf einer Parkbank
Barfußlaufen ist nicht immer gesund. Durch kleine Verletzungen können Krankheitserreger eindringen. Foto: flickr/Charli Lopez (CC BY 2.0)

Im Fokus: Myzetom – darum ist Barfußlaufen gefährlich

Leonie Müßig Blog, Globale Gesundheit Leave a Comment

Einer der neueren Zugänge auf der Liste der vernachlässigten Armutskrankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Myzetom. Im Mai 2016 setzte die WHO die in den Tropen und Subtropen verbreitete Krankheit auf die Liste. Die Erreger sind meist Pilze oder Bakterien, die durch kleine Verletzungen in die Haut eindringen. Wie bei Helminthiasis passiert das vor allem beim Barfußlaufen. Da eine Infektion bisher noch nicht meldepflichtig ist, gibt es keine verlässlichen Angaben darüber, wie viele Menschen von der Krankheit betroffen sind. Eine Studie von 2013 geht von weltweit 8.763 Fällen aus – tatsächlich liegt die Zahl aber wahrscheinlich weitaus höher.

Pilz: MyzetomAm häufigsten infizieren sich Menschen beim Barfußlaufen. Vor allem junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren sind betroffen. Oftmals leben sie in ländlichen Gebieten und arbeiten in der Landwirtschaft oder Viehzucht. Prinzipiell kann sich aber jede*r anstecken, der/die in den betroffenen Regionen ohne Schuhe unterwegs ist.

Das Myzetom ist besonders hinterhältig, da eine Infektion anfangs völlig schmerzfrei verläuft. Die Erreger haben also jede Menge Zeit von der Haut über die Muskeln bis zu den Knochen vorzudringen. In den infizierten Bereichen verursachen sie zunächst kleine Knötchen. Im fortgeschrittenen Stadium werden daraus dann größere Schwellungen. Ohne rechtzeitige Diagnose und entsprechende Behandlung mit Medikamenten ist eine Amputation der betroffenen Stelle oftmals der einzige Ausweg.

Wird die Erkrankung rechtzeitig entdeckt, können Antimykotika – bei einer Infektion mit Pilzen – oder Antibiotika – bei einer Infektion mit Bakterien – helfen. Allerdings sind diese Behandlungsmöglichkeiten durch zunehmende antimikrobielle Resistenzen gefährdet.

Vernachlässigt in allen Bereichen

Es gibt noch viel zu tun bei dieser besonders vernachlässigten Armutskrankheit: Zunächst einmal müssen verlässliche und umfassende Daten zur Verbreitung, Neuinfektionen und gesundheitlichen Folgen erhoben werden. Bessere Diagnosemöglichkeiten sind zwingend notwendig, um Infektionen rechtzeitig zu erkennen und schwere Folgeschäden zu verhindern. Außerdem muss weiter in Forschung und Entwicklung zu Behandlungsmöglichkeiten investiert werden. Resistenzen der Erreger gegen gängige Medikamente gefährden die bisher erzielten Fortschritte bei den vernachlässigten Armutskrankheiten und der globalen Gesundheit insgesamt.

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