Großes Bild einer Tsetsefliege: Überträger der Schlafkrankheit
Augen auf! Die Tsetsefliege – Überträgerin der Schlafkrankheit – ist tagaktiv. Sie kommt ausschließlich in Afrika südlich der Sahara vor. Foto: flickr/Oregon State University (CC BY-SA 2.0)

Im Fokus: Schlafkrankheit – wach(sam) sein bei der Diagnose

Leonie Müßig Blog, Globale Gesundheit Leave a Comment

Kann Schlaf tatsächlich ein Krankheitssymptom sein? Im Falle der afrikanischen Trypanosomiasis, ja – auch besser bekannt unter dem Namen Schlafkrankheit. Sie kommt ausschließlich in 36 Ländern in Afrika südlich der Sahara vor und trifft vor allem Menschen in ländlichen Gebieten. Überträger ist, wie so oft bei tropischen Infektionskrankheiten, eine Fliege. In diesem Fall die Tsetsefliege – wobei auch Fälle einer Übertragung durch Sexualkontakt bekannt sind.

Im Gegensatz zu anderen fliegenden Blutsaugern, stechen bei den Tsetsefliegen außer den weiblichen auch die männlichen Tiere. Mit ihrem Stich übertragen sie Parasiten, die sich im menschlichen Blut, der Lymphflüssigkeit und unter der Haut vermehren. Diese erste Phase wird oftmals nicht erkannt oder richtig diagnostiziert, da die Betroffenen – wenn überhaupt – sehr allgemeine Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen haben. Deshalb leben manche Menschen monate- oder gar jahrelang nahezu beschwerdefrei mit einer Infektion. Zeit, in der sich die Parasiten zum zentralen Nervensystem vorarbeiten, wo sie erhebliche Schäden anrichten können. Die Infizierten verändern ihr Verhalten, sind verwirrt und haben Koordinationsschwierigkeiten. Außerdem ist ihr Schlafzyklus gestört – daher kommt auch der Name der Schlafkrankheit.

Parasit: Steckbrief SchlafkrankheitParasit unter Beobachtung

Die Zahl der Erkrankten ist seit dem Jahr 2000 um 85 Prozent zurückgegangen. 2009 fiel die Zahl der Neuinfektionen erstmals seit 50 Jahren unter 10.000 Fälle. 2016 waren es 2.184. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt diesen Rückgang auf eine verbesserte Kontrolle zurück. Allerdings wurden 70 Prozent der Fälle in den letzten zehn Jahren aus der Demokratischen Republik Kongo gemeldet.

Eine genaue Überwachung der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten ist wichtig, um die Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Denn sie kann in der ersten Phase recht einfach und zuverlässig mit Medikamenten behandelt werden. Zwar gibt es auch für die zweite Phase entsprechende Medikamente, doch die haben oft schwere Nebenwirkungen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Gesundheitsversortung in Afrika südlich der Sahara verbessert wird. Wenn die Gesundheitsmitarbeiter entsprechend geschult sind, können sie frühzeitig die richtige Diagnose zu stellen. Ohne Behandlung führt die Krankheit in den meisten Fällen zum Tod.

Die WHO hat sich um Ziel gesetzt, dass die Schlafkrankheit bis 2020 keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit in den betroffenen Ländern mehr sein soll. Bis dahin – und auch darüber hinaus – heißt es wach(sam) sein!

Übrigens: Neben der afrikanischen gibt es auch eine südamerikanische Form der Trypanosomiasis. Besser bekannt als Chagas-Krankheit. Sie zählt ebenfalls zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten.

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