Vergiftung: Steckbrief Vergiftungen durch SchlangenbisseKlein, wendig und bissig sind die Hauptakteure dieser „Krankheit“, die die Weltgesundheitsorganisation im Juni 2017 auf die Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten gesetzt hat. Dabei geht es nicht um eine ansteckende Krankheit, sondern um die Vergiftung durch Schlangenbisse. Diese ist hauptsächlich in ländlichen Regionen von Entwicklungsländern verbreitet und ihre Behandlung wird leider immer noch vernachlässigt. Mit dramatischen Folgen.

Die WHO schätzt, dass rund fünf Millionen Menschen jedes Jahr von Schlangen gebissen werden und davon etwa die Hälfte eine Vergiftung erleidet. Das sind allerdings nur ungefähre Angaben, denn häufig werden die Fälle gar nicht bei einer ärztlichen Einrichtung gemeldet. Hier fängt das Problem schon an. Ist die Datenlage zu den tatsächlichen Bissen und deren Folge unzuverlässig, kann man nur schwer planen, welche Gegengifte in welcher Menge verfügbar sein sollten.

Verbissene Situation beim Gegengift

Mindestens 100.000 Menschen sterben jährlich an einer Vergiftung durch Schlangenbisse. Etwa 300.000 Menschen werden als Folge einer Vergiftung Körperteile amputiert oder haben andere schwerwiegende körperliche Einschränkungen für den Rest ihres Lebens. Betroffen sind vor allem Kinder, Frauen und Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Häufig in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Allein in Afrika kommt werden jedes Jahr rund eine Million Menschen von Schlangen gebissen. Die Hälfte von ihnen benötigt eine medizinische Behandlung.

Fast alle Todesfälle und Behinderungen durch Schlangenbisse könnten verhindert werden – wenn das passende Gegengift rechtzeitig bereit stünde. Aber genau da beißt sich die Schlange in den Schwanz. Zum einen gibt es nicht genügend Schlangengift guter Qualität, aus dem sich passende Gegengifte produzieren lassen. Zum anderen fehlen die bereits erwähnten Informationen über die Verbreitung der Schlangen und ihrer jeweiligen Gift. Das macht das Planen schwierig und setzt das Leben vieler Menschen aufs Spiel. Durch eine bessere Datenlage könnten die Menschen in den betroffenen Regionen auch gezielt vor den Gefahren der doppelzüngigen Tiere gewarnt werden.