Verschiedene Lebensmittel auf den Tischen vor einer Garküche
"Cook it, peel it or forget it" – das wirksamste Mittel, um sich vor einer Ansteckung mit Wurmkrankheiten zu schützen, die über Lebensmittel übertragen werden und hauptsächlich in tropischen Ländern vorkommen. Foto: flickr/Natala Menezes (CC BY-NC-ND 2.0)

Im Fokus: Wurmkrankheiten Teil 1 – wenn Essen krank macht

Leonie Müßig Blog, Globale Gesundheit 2 Comments

Von allen vernachlässigten Armutskrankheiten sind Würmer die häufigsten Verursacher. Sie sind Auslöser für verschiedene Krankheitsgruppen. Auf den Menschen übertragen werden können sie über den Boden, durch verunreinigtes Wasser und Lebensmittel, den Kot von Haus-, Nutz- und Wildtieren sowie Stechmücken. Wir schauen uns drei Würmer an, die hauptsächlich über unser Essen in den Körper gelangen. Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, gilt in allen Fällen das Globetrotter-Motto:

cook it, peel it or forget it – koch es, schäl‘ es oder vergiss es

Echinokokkose – Bandwurm auf Beeren

Steckbrief EchinokokkoseZur Gruppe der Echinokokkosen zählen beispielsweise der Fuchs- und Hundebandwurm. Weltweit sind mehr als eine Million Menschen mit diesen Würmern infiziert. Vor allem im Mittelmeerraum, Nordafrika, dem südlichen Südamerika und Teilen Zentralasiens und China. Sie stecken sich durch direkten oder indirekten Kontakt mit dem Fell oder Kot infizierter Tiere an. Eine indirekte Übertragung findet statt, wenn man zum Beispiel durch die Tiere verunreinigte Beeren, Pilze oder anderes Obst und Gemüse isst, das in Bodennähe wächst.

Die Larven dringen meist in Leber, Lunge oder Gehirn ein, wo sie schwere Schäden verursachen – im schlimmsten Fall endet eine Infektion tödlich. Jährlich sterben mehr als 19.000 Menschen an unbehandelter Echinokokkose. Infektionen können jahrelang unbemerkt bleiben, Diagnosen sind schwierig. Doch frühe Diagnosen sind wichtig, um die Wurmkrankheit mit Medikamenten behandeln zu können. Manchmal ist auch eine Operation notwendig. Dabei ist der Mensch für diese Würmer lediglich ein „Fehlwirt“. Eigentliches Ziel sind fleischfressende Tiere. Verbesserte Hand- und Lebensmittelhygiene sind das A und O im Kampf gegen die Würmer, ebenso wie eine entsprechende Impfung von Haus-, Nutz- und Wildtieren.

Taeniasis – die tödlichste durch Lebensmittel übertragene Krankheit

Steckbrief TaeniasisBandwürmer aus der Gruppe Taeniasis befallen vor allem Schweine. Menschen nehmen die Larven der Würmer auf, wenn sie infiziertes, nicht durchgegartes Fleisch essen. Im Körper setzen sich die Würmer in den Muskeln, Augen, unter der Haut und im zentralen Nervensystem fest. Folgen können Epilepsie, schlimme Kopfschmerzen und Erblindung sein. Umgekehrt können sich auch Schweine beim Menschen anstecken. Taeniasis ist weltweit für die meisten Todesfälle (rund 28.000 jährlich) durch Lebensmittel übertragene Infektionen verantwortlich. Und die Zahlen steigen durch den zunehmenden weltweiten Schweinefleischkonsum. Die Wurmkrankheit kommt vor allem in Lateinamerika, Afrika südlich der Sahara und Ostasien vor. Um die Krankheit in den Griff zu bekommen, müssen deshalb Hygiene und sanitäre Standards bei Menschen und in der Schweinezucht verbessert werden. Das Durchgaren von Fleisch ist wichtig, um sich vor einer Ansteckung bei bereits infizierten Lebensmittel zu schützen.

Ansteckung mit Saugwürmern – fatales Fischvergnügen

Steckbrief SaugwürmerBei der sogenannten Trematodeninfektion handelt es sich um eine Ansteckung mit Saugwürmern durch Lebensmittel. In diesem Fall rohe oder nicht durchgegarte Fische, Krustentiere und kontaminiertes Gemüse. Die Würmer befallen hauptsächlich die Leber und Lunge, verursachen allgemeines Unwohlsein und starke Schmerzen in den betroffenen Körperregionen. Zwar stirbt nur ein geringer Teil der Erkrankten, doch die gesundheitlichen Langzeitfolgen und Einschränkungen sind für die Betroffenen dramatisch.

Derzeit fehlt es an umfassenden Daten, doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass mehr als 56 Millionen Menschen weltweit mit Saugwürmern aus Lebensmitteln infiziert sind. Davon leiden 7,9 Millionen an schweren gesundheitlichen Folgen, 7.000 Menschen sterben jährlich. Die Wurmkrankheit kommt in mehr als 70 Ländern vor. Besonders betroffen sind Länder in Asien und Lateinamerika.

Vorbeugende Medikamente für Risikogruppen, die traditionell rohen Fisch essen, können einer Ansteckung vorbeugen. Bei einer frühen Diagnose sind die Aussichten auf vollständige Heilung durch Medikamente sehr gut. Und wie bei allen durch Lebensmittel übertragene Krankheiten ist die Verbesserung der Hygiene und Wasserversorgung ein wichtiges Präventionsmittel.

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