Wurmkrankheiten: Hände waschen einen durch Elephantiasis stark angeschwollenen Fuß
Bei einer Infektion mit Elephantiasis können Körperteile durch Lymphstau unnatürlich groß anschwellen. Elephantiasis zählt zu den vernachlässigten Armutskrankheiten. Foto: flickr/CDC Global (CC BY 2.0)

Im Fokus: Wurmkrankheiten Teil 2 – zu Wasser, zu Land und aus der Luft

Leonie Müßig Blog, Globale Gesundheit 1 Comment

Von allen vernachlässigten Armutskrankheiten sind Würmer die häufigsten Verursacher. Sie sind Auslöser für verschiedene Krankheitsgruppen. Auf den Menschen übertragen werden können sie über den Boden, durch verunreinigtes Wasser und Lebensmittel, den Kot von Haus-, Nutz- und Wildtieren sowie Stechmücken. Im zweiten Teil zu Wurmkrankheiten geht es um drei Erreger, die zu Wasser, zu Land und aus der Luft zum Menschen gelangen.

Bilharziose – alles andere als sauberes Wasser

Wurmkrankheiten: Steckbrief BilharzioseBilharziose, oder Schistosomiasis, ist eine Infektion mit Saugwürmern. Saugwürmer können auf verschiedene Arten übertragen werden. Von der Ansteckung über Lebensmittel haben wir bereits berichtet. Im Fall der Bilharziose bohren sich die Larven der Würmer direkt aus dem Wasser in die menschliche Haut, wo zunächst nur eine juckende Hautreizung zu bemerken ist. Die zwei häufigsten Formen der Bilharziose betreffen die Eingeweide beziehungsweise die Geschlechtsorgane. Die Infektion führt zu Unterleibsschmerzen, Durchfall, blutigem Stuhlgang – und im schlimmsten Fall zu Unfruchtbarkeit.

Ins Wasser gelangen die Larven durch Wasserschnecken als Zwischenwirte. Von dort reifen sie im menschlichen Körper zu Würmern heran, die Eier legen, und über Ausscheidungen ins Wasser gelangen. Dort infizieren sie wiederum die Wasserschnecken. Es gibt vorbeugende Medikamente, die diesen Kreislauf unterbrechen können. Rund 218 Millionen Menschen benötigen solche Medikamente. Die meisten von ihnen (92 Prozent) leben in Afrika, doch bislang ist der Behandlungsbedarf nur von knapp einem Drittel gedeckt.

Helminthiasis – Vorsicht beim Barfußlaufen

Wurmkrankheiten: Steckbrief HelminthiasisDie Erreger dieser Gruppe von Wurmkrankheiten kommen über den Boden. Die Larven dringen beim Kontakt mit Erde in den Körper ein – zum Beispiel beim Barfußlaufen. Ähnlich wie bei der Bilharziose verbreiten sich die Würmer immer weiter, indem Wurmeier durch Ausscheidungen von infizierten Menschen in den Boden gelangen und von dort wieder zu neuen Wirten. Daher sind vor allem Menschen in sehr armen Regionen betroffen, wo es an Hygiene und sanitärer Versorgung mangelt.

Je mehr Würmer ein Mensch in sich trägt, desto schlimmer sind die Folgen. Dazu gehören Durchfall, Unterleibsschmerzen und Darmblutungen, die zu Blutarmut führen können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit 1,5 Milliarden Menschen mit solchen Würmern infiziert sind. Besonders betroffen sind die tropischen und subtropischen Gebiete Afrikas, Amerikas und Asiens. Zwar gibt es Medikamente zur Behandlung, die auch neue Ansteckungen verhindern, doch nur eine gleichzeitige Verbesserung der sanitären Versorgung kann den Wurm endgültig zur Strecke bringen. Genau daran mangelt es allerdings noch in vielen der betroffenen Regionen.

Elephantiasis – kleiner Wurm mit großen Folgen

Wurmkrankheiten: Steckbrief ElephantiasisBei der Krankheit, auch lymphatische Filariose genannt, kommt es zu einem Lymphstau, der dazu führen kann, dass Körperteile ungewöhnlich groß werden. Der Name kommt daher, dass dies häufig die Beine betrifft, die dann den Beinen von Elefanten ähneln. Davon Betroffene werden oftmals sozial ausgeschlossen, sind nicht mehr arbeitsfähig und leiden unter schrecklichen Schmerzen. Eine Infektion mit den Würmern erfolgt meist im Kindesalter, die Folgen der Krankheit zeigen sich erst Jahre später. Überträger sind verschieden Arten von Stechmücken, vor allem in Brasilien, Südostasien, Ost- und Westafrika. Aber es gibt Erfolge im Kampf gegen die Wurmkrankheit: Zwischen 2000 und 2012 hat sich die Zahl der Infizierten nahezu halbiert – von 120 Millionen auf 67 Millionen. Dank der Behandlung mit Medikamenten und effektivem Mückenschutz. Jetzt gilt es, die Maßnahmen aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen, damit ein Ende der Krankheit in greifbare Nähe rückt.

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