Interview mit Frank Heinrich: “Ich appelliere an jede Regierung dieser Welt, konsequent an den Zielen zu arbeiten”

Denny Ehrlich Blog, Weibliche Genitalverstümmelung 0 Comments

Im Parlamentarischen Beirat für Bevölkerung und Entwicklung setzen sich Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen für ein angemessenes deutsches Engagement zur Verwirklichung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR) ein. Der Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich ist Sprecher des Beirats. Wir wollten von ihm wissen, warum er sich hier einsetzt und was er sich von der nahen Zukunft verspricht. 

Sie sind Sprecher des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung. Warum engagieren Sie sich so stark in diesen Themenfeldern?

Frank Heinrich: Dem Beirat bin ich seit Langem verbunden. Bereits in den ersten Wochen nach meinem Einzug in den Bundestag 2009 wurde ich Mitglied, seit Anfang 2014 bin ich nun Sprecher. Die Themen liegen mir sehr nah. Die Lösung globaler Gesundheitsfragen und die Durchsetzung von Geschlechtergerechtigkeit sind für mich Schlüsselbausteine für Armutsbekämpfung und internationale Entwicklung. Das liegt auch an meiner Prägung, ich sehe einfach die Notwendigkeit, hier aktiv zu sein. Gerade als Mann finde ich es wichtig, mich für die Stärkung von Frauen einzusetzen – und dabei die Männer unbedingt mit anzusprechen.

Die Parlamentarierkonferenz „she matters“ hat im Vorfeld des G7-Gipfels fast 100 Parlamentarier aus aller Welt zusammengebracht. Sie waren der Gastgeber. Wie lautet Ihr Fazit der Konferenz?

Frank Heinrich: Die Parlamentarierkonferenz war für mich persönlich ein wirkliches Highlight im ersten Halbjahr 2015. Kurz gesagt: „Hammer!“ Ich war begeistert von den sehr engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, von der „globalen“ Atmosphäre, von dem spürbaren Commitment… Ein ganz wichtiges Ergebnis war für mich, gehört, verstanden und ermutigt zu haben. Die Reichweite einer solchen Konferenz mit mehr als 90 Abgeordneten aus 50 Nationen sowie Vertreter/innen der Zivilgesellschaft ist schon enorm. Die Abschlusserklärung der Konferenz, der Berlin Parliamentary Appeal „Empowering women and girls to lead self-determined, healthy and productive lives“, zieht inzwischen Kreise. Ein ausgesprochen positives Beispiel ist, dass in mehreren regionalen Parlamenten Spaniens eine Initiative verabschiedet wurde, die sich explizit auf den Appeal bezieht. Von Bundeskanzlerin Merkel erhoffen wir uns einen weiteren Schub im Sinne der Ergebnisse von „she matters“ durch die internationale Konferenz „G7 Women’s Dialogue“ am 16./17. September 2015 in Berlin.

Frank Heinrich ist seit Anfang 2014 Sprecher des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung

Frank Heinrich ist seit Anfang 2014 Sprecher des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung

Dieses Jahr werden mit der Post-2015-Agenda die Weichen für die Entwicklung der kommenden Jahrzehnte gestellt. Welche Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen verbinden Sie damit? Worin sehen Sie die Rolle Deutschlands?

Frank Heinrich: Ich denke, es ist wichtig, dass die Agenda Ende September nun endlich verabschiedet wird und dass die Welt dann aufgefordert ist, die Umsetzung anzugehen. Zusammengekommen ist eine Fülle an Ober- und Unterzielen, über die viel diskutiert wurde. Eine lange Agenda hat selbstverständlich Vor- und Nachteile. Auf jeden Fall wären wir ein enormes Stück weiter, wenn wir 2030 viel davon erreicht hätten. Ich habe hohe Erwartungen und möchte an jede einzelne Regierung dieser Welt appellieren, ernsthaft und konsequent an den Zielen zu arbeiten. Dazu gehört natürlich auch das Engagement der Parlamente. Hier lasse ich mich gerne in die Pflicht nehmen. Mit Kanzlerin Angela Merkel und Entwicklungsminister Gerd Müller positioniert sich Deutschland meiner Meinung nach sehr gut in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

Wie würde eine Welt aussehen, in der Sie sich gern zur Ruhe setzen?

Frank Heinrich: Ich hoffe, dass wir das schon vorher erreichen – meine Utopie ist: eine Unterschiede abbauende Welt, eine internationale Entwicklungszusammenarbeit aus einem Guss, effiziente internationale Strukturen, um in Krisenfällen schlagkräftig reagieren zu können, eine Welt OHNE Armut auf der Basis hoher menschenrechtlicher Standards, eine diskriminierungsfreie Welt, eine CO²-neutrale Wertschöpfung (soziale/ ökologische/ ökonomische Balance), Bildung für alle, eine Welt, in der „Bewusstsein“ einen hohen Stellenwert hat.

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