Kleine Kinder essen in einem Gesundheitszentrum in Kenia

Kenia muss sich verstärkt gegen Unterernährung einsetzen

George Kamau Blog, Entwicklungszusammenarbeit, Frühe Aufklärung, Globale Gesundheit, HIV und Aids, Müttergesundheit 0 Comments

Schätzungen zufolge werden aktuell weltweit genügend Nahrungsmittel produziert, um zehn Milliarden Menschen zu ernähren. Dagegen steht eine Weltbevölkerung von knapp über 7,4 Milliarden Menschen. Und trotzdem hungern täglich fast eine Milliarde Menschen.

Zu denen kommt eine weitere Milliarde Menschen, die unterernährt sind. Sprich, die zu wenige Kalorien oder Nährstoffe zu sich nehmen, die sie für ein gesundes und produktives Leben bräuchten. Die meisten von ihnen lebt in Entwicklungsländern – wie zum Beispiel Kenia.

Zeichen der Unterernährung

Unterernährung zeigt sich auf verschiedene Art und Weise: Die Betroffenen sind für ihr Alter zu leicht, zu klein (unterentwickelt) und gefährlich dünn (abgemagert). Auch können sie unter sogenanntem versteckten Hunger leiden – einer chronischen Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, die zu einer körperlichen und geistigen Beeinträchtigung in der Entwicklung führt.

Folgen mangelnder Ernährung

In Kenia ist jedes vierte Kind unter fünf Jahren zu klein für sein Alter. Vier von hundert Kindern unter fünf sind zu dünn für ihre Größe. Das Leben und die Zukunft von Millionen von Kindern sind gefährdet.

In der Vergangenheit hat sich bereits gezeigt, dass Hunger und Mangelernährung negative Folgen auf das Leben der Betroffenen hat – zusätzlich zu den körperlichen Folgen. Stark unterernährte Säuglinge und Kleinkinder haben ein achtmal höheres Risiko zu sterben als gut ernährte Neugeborene. Untersuchungen zeigen, dass unterernährte Kinder unwiderrufliche Schäden davontragen. Sie bleiben verhältnismäßig klein, schwächlich und ihr Gehirn entwickelt sich nicht vollständig. Chronische Unterernährung wird auch mit schlechten Schulleistung in Verbindung gebracht.

Die ersten 1.000 Tage sind entscheidend

Es gibt ein kleines Zeitfenster, in dem Unterernährung bekämpft werden kann: die ersten 1.000 Tage ab Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs. Unterernährung in dieser entscheidenden Phase führt zu schwerwiegenden und größtenteils unumkehrbaren Schäden beim Wachstum und der Gehirnentwicklung und hat in der Folge auch Auswirkungen auf das Humankapital (= Summe der wirtschaftlich nutzbaren Fähigkeiten, Kenntnisse und auch Verhaltensweisen der Erwerbsbevölkerung einer Volkswirtschaft).

Schaut man sich die Zahlen aus dem „Global Nutrition Report 2015“ an, ist Kenia zwar auf einem guten Weg, alle fünf Ziele der Weltgesundheitsversammlung (WHA = World Health Assembly) zur Ernährung von Müttern und Kindern zu erfüllen, es muss allerdings noch mehr getan werden, um das Risiko für Unterernährung zu senken. Ernährung muss als Investition für die Entwicklung des Landes verstanden werden.

Kenias Bevölkerung ist sehr jung und lebt größtenteils in ländlichen Regionen. Rund 80 Prozent der Landesfläche sind trocken und halbtrocken, hauptsächlich im Norden und Osten. Nur 18 Prozent der Fläche eignet sich gut für Landwirtschaft, versorgt aber 80 Prozent der Bevölkerung.

Die hauptsächlich durch Regen bewässerte Landwirtschaft ist der kenianische Wirtschaftsmotor. Das Land leidet immer wieder unter Dürren, Überschwemmungen und Umweltverschmutzung durch übermäßige Ausbeutung von Bodenschätzen.

Was getan werden kann

Ist ein ständiger Zugang zu ausreichender, sichererer, abwechslungs- und nährstoffreicher Nahrung für alle gesichert, fördert das auch gesunde Ernährungsgewohnheiten und gesunde Ernährungssysteme. Dafür sind innovative Ansätze notwendig – die Einführung längerfristiger Maßnahmen, mit denen grundlegende Probleme gelöst werden können und gleichzeitig schnell auf kurzfristige Anforderungen reagiert werden kann.

In diesem Monat ist der Global Nutrition Report 2016 erschienen, der zeigt, dass Kenia sich gemeinsam mit internationalen Partnern verstärkt dafür engagieren muss, Mütter und Kinder für die Gefahren von Unterernährung zu sensibilisieren und ihnen zu helfen, diese zu bekämpfen. Ein erster Schritt wäre, Frauen mit den wichtigsten Informationen zum Thema Ernährung zu versorgen.

Unterernährung wirkt sich negativ auf Kenias sozioökonomische Entwicklung und die Armutsbekämpfung aus. Das Land hat bereits Fortschritte bei den Zielen gemacht, die es sich im Programm „Kenya Vision 2030“ gesteckt hat. Diese Erfolge sind gefährdet, wenn die Regierung dem Thema Ernährung keinen höheren Stellenwert in nationalen Entwicklungsprogrammen und -strategien einräumt.

Dieser Blogbeitrag erschien im Original auf dem englischsprachigen Blog der Stiftung Weltbevölkerung.

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