Vom 25. bis 27. September 2015 wird die globale Entwicklungszusammenarbeit auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York grundlegend umgestellt. Der Übergang von den UN-Millennium-Entwicklungszielen (MDGs, 2000–2015) zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs, 2015–2030) betont „Nachhaltigkeit“ nicht nur als unmittelbares Umweltthema, sondern bezieht auch soziale und wirtschaftliche Komponenten ein. Kurz gesagt gilt es, die Bedürfnisse der heutigen Weltbevölkerung umfassend zu decken, ohne dabei die Möglichkeiten zukünftiger Generationen einzuschränken.

Der enge Zusammenhang von Bevölkerung und Entwicklung wird auch für die Erreichung der SDGs 2030 eine wichtige Rolle spielen – grundsätzlich korrelieren Rückgänge im Bevölkerungswachstum und Erfolge in der Entwicklung. Hierbei spielen verlässliche Bevölkerungsstatistiken für die vorausschauende Planung von bspw. Bildung oder Nahrungsmittelversorgung eine zentrale Rolle. Welche Lehren und Schlussfolgerungen können mit Blick auf diesen Zusammenhang aus den nun auslaufenden MDGs gezogen werden?

China schrieb Erfolgsgeschichte

Ein Faktor, der bei Bilanzen zur erfolgreichen Halbierung weltweiter Armut seit 1990 selten hervorgehoben wird, ist der Einfluss der raschen wirtschaftlichen Entwicklungen in China. Lebten 1990 63 Prozent aller Chinesinnen und Chinesen von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag, waren es 2011 nur noch 6 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht dies einem Rückgang von 715 Millionen Menschen auf 80 Millionen Menschen.[1] Im Zeitraum 1990 bis 2010 verringerte sich die Zahl der Menschen in extremer Armut weltweit von 1,9 Milliarden auf 1,2 Milliarden.[2] Somit wurde die „Erfolgsgeschichte“ der globalen Armutsreduktion maßgeblich von China geschrieben. Sehr fraglich ist hierbei, wie viel Einfluss die UN-Agenda auf die chinesische Politik ausübte.

Die weltweite Verringerung der Müttersterblichkeit um 75% zwischen 1990 und 2010 wurde als MDG-Indikator weit verfehlt. Tatsächlich konnte sie um 45% verringert werden – jedes fünfzehnte heute 15-jährige Mädchen im zentralafrikanischen Wüstenstaat Tschad wird im Laufe seines Lebens wegen Komplikationen vor, während oder nach einer Geburt sterben.[3] Zwei mögliche Lösungen sind der Ausbau und die Qualität der ärztlichen Betreuung sowie Maßnahmen zur Senkung der Geburtenziffer, d.h. der durchschnittlichen Anzahl der Kinder pro Frau. In Frage kommen z.B. Sexualaufklärung und die Bereitstellung von Verhütungsmitteln.

Bildung und Aufklärung

Eine weitere Lehre aus der Erzielung der MDGs in den letzten fünfzehn Jahren ist die Bedeutung der Mädchen- und Frauenbildung. Hohe Analphabetenraten bei Mädchen und Frauen stehen im Zusammenhang mit gesteigerten Geburtenraten. Sekundarbildung verzögert in der Regel die Geburt des ersten Kindes und verringert ebenso die Gesamtzahl der Kinder einer Frau.[4] Als Teil der Bildung sind auch hier Sexualaufklärung und Verhütung von besonderer Bedeutung.

Unter den 17 Nachhaltigen Entwicklungszielen und deren 169 Indikatoren, die in wenigen Wochen verabschiedet werden, finden sich allerdings kaum direkte Bezüge zum Zusammenhang von Bevölkerung und Entwicklung. Ein Ziel nachhaltiger Entwicklung sollte sein, durch Maßnahmen wie Bildung und Gesundheitsversorgung Menschen die Möglichkeit zu geben, selbstbestimmt über die Anzahl und den Zeitpunkt der Geburt ihrer Kinder entscheiden zu können.

Dieser Beitrag basiert auf: Peez, Anton (2015): Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung:
 Neue Herausforderungen für die internationale Gemeinschaft. In: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Bevölkerungsforschung Aktuell. 36. Jg., 4: 9–19. [PDF]


[1] World Bank (2015): World Bank Open Data. Poverty headcount ratio at $1.25 a day (PPP) (% of population) (2011)

[2] UN (United Nations 2014a): The Millennium Development Goals Report 2014

[3] World Bank (2015): World Bank Open Data. Lifetime risk of maternal death (2013)

[4] Angenendt, Steffen; Popp, Silvia (2014): Bevölkerungswachstum, Fertilität und Kinderwunsch. Herausforderungen für die Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Subsahara-Afrikas. Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Berlin (SWP-Studien 2014)