Mythen über HIV und Aids

Fiona Ebcinoglu Blog, Globale Gesundheit, HIV und Aids Leave a Comment

 

Über 37 Millionen Menschen leben mit HIV und jeden Tag treten rund 5000 Neuinfektionen auf – die meisten von ihnen in Entwicklungsländern. Aber die Welt macht bei der Eindämmung von HIV Fortschritte, denn insgesamt geht die Zahl der Neuinfektionen zurück. Zudem bekommen 15 Millionen Menschen eine lebensrettende Behandlung mit Medikamenten – mehr als je zuvor. Doch noch immer lastet die Stigmatisierung schwer auf Menschen, die infiziert wurden und hält gleichzeitig viele davon ab, sich testen zu lassen. Nicht zu wissen, ob man den HI-Virus in sich trägt, ist nicht nur gefährlich für die eigene Gesundheit – auch das Risiko, andere anzustecken, steigt.

Deshalb ist es umso wichtiger, mit den Mythen und Gerüchten über HIV und Aids aufzuräumen.

Wer HIV infiziert ist, hat auch Aids, denn das ist das Gleiche

FALSCH

HIV und Aids sind nicht das Gleiche. HIV beschreibt den Virus, Aids ist die ausgebrochene Krankheit. Wer sich mit dem HI-Virus angesteckt hat, ist nicht sofort krank. Doch der Virus verschwindet nicht. Unbehandelt vermehrt er sich weiter und schwächt das Immunsystem. Bis zu dem Punkt, an dem es den Körper nicht mehr vor anderen Infektionen schützen kann und die Krankheit ausgebrochen ist. Ab diesem Moment spricht man von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome), dem erworbenen Immundefektsyndrom.

HIV ist ein Todesurteil

FALSCH, wenn…

… man früh eine Therapie beginnt und antiretrovirale Medikamente einnimmt. Menschen, die mit dem Virus infiziert wurden und täglich solche Medikamente einnehmen, sind nur einem geringen Risiko ausgesetzt, dass Aids ausbricht. Somit können sie ein langes Leben führen.

RICHTIG, wenn…

… man keinen Zugang zu Medikamenten hat und somit keine antiretrovirale Therapie durchführen kann. Und dies gilt auch weiterhin für viele Menschen: 2017 hatten nur 21,7 Millionen der 39,9 Millionen Menschen, die mit dem HI-Virus leben, Zugang zu Medikamenten. In großen Teilen Afrikas können beispielsweise nur 29 Prozent der betroffenen Menschen eine Therapie durchführen.

HIV lässt sich nur über ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen

FALSCH

Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist die häufigste Ursache der HIV-Ansteckungen. Deswegen ist es wichtig, immer ein Kondom oder ein Femidom zu verwenden. Allerdings ist ungeschützter Geschlechtsverkehr nicht die einzige Ursache.

Das Risiko, sich zu infizieren besteht dann, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Zu diesen Körperflüssigkeiten gehören Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit und der Flüssigkeitsfilm auf der Schleimhaut des Enddarms. Außerdem kann der HI-Virus beim Stillen durch die Muttermilch übertragen werden.

Speichel kann den HI-Virus ebenfalls übertragen. Jedoch nur, wenn man eine Wunde im Mund hat und der Speichel durch beispielsweise Küssen in diese Wunde gelangt.

Das Femidom ist ein Kondom für die Frau. Es wird in der Vagina platziert und verhindert, dass Spermien in die Gebärmutter kommen. Da es durch das Femidom nicht zu direktem Kontakt zwischen dem Penis und den Schleimhäute der Vagina kommt, schützt das Femidom ebenfalls vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Das Femidom

Das Femidom

Frauen, die HIV-infiziert sind, können keine Babys zur Welt bringen

FALSCH

Bei Schwangeren liegt das Risiko einer Übertragung an ihr Kind bei weniger als zwei Prozent. Allerdings nur, wenn sie sich in einer antiretroviralen Therapie befinden und ihre Medikamente richtig einnehmen. Seit dem Jahr 2000 ist die Anzahl der Kinder, die mit dem HI-Virus auf die Welt kommen, um 60 Prozent gesunken.

Der HI-Virus ist keine aktuelle Gefahr mehr: Es gibt heutzutage kaum noch Neuinfektionen

 FALSCH

Das ist leider falsch. Laut UNAIDS ist die Zahl der Neuinfektionen seit dem Jahr 1996 zwar um 47 Prozent gesunken. Doch auch im Jahr 2017 wurden 1.8 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Der Bericht warnt zudem, dass der Kampf gegen den Virus stagniert und die Zahl der Neuinfektionen nicht mehr schnell genug zurückgeht.

Das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, ist für alle Altersgruppen gleich

FALSCH

 Junge Menschen haben ein besonders hohes Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Allein im Jahr 2017 haben sich weltweit rund 590.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren mit dem Virus angesteckt. Damit entfällt rund ein Drittel aller HIV-Neuinfektionen weltweit auf diese Altersgruppe. Einer der Hauptgründe: Sexualaufklärung ist in Entwicklungsländern oftmals nicht im Lehrplan vorgesehen und außerschulische Aufklärungsangebote sind Mangelware. Es fehlt auch an frühzeitiger und altersgerechter Aufklärung. Zudem ist das Thema in der Gesellschaft oft ein Tabu. Dadurch entstehen teils gefährliche Mythen zu Sexualität und Verhütung. Außerdem fehlt vielen Jugendlichen der Zugang zu schützenden Kondomen bzw. Femidomen. Das ist für die jungen Menschen lebensgefährlich: Aids ist die häufigste Todesursache bei Jugendlichen in Afrika.

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