Aktuelle Nachrichten und Entwicklungen

NOVEMBER 2017

Weltbevölkerungsbericht

Weltbevölkerungsbricht 2017: Gespaltene Welt – Reproduktive Gesundheit und Rechte in Zeiten der Ungleichheit

Weltweit ist die Ungleichheit in und zwischen Ländern groß. Das zeigt sich unter anderem bei der Geburtenrate in Entwicklungsländern: Mädchen und junge Frauen aus den ärmsten 20 Prozent der Haushalte bekommen etwa dreimal so viele Kinder wie ihre Altersgenossinnen aus den wohlhabendsten 20 Prozent der Haushalte. Ihnen fehlt der Zugang zu Bildung, Aufklärung und Verhütung. Diese Zahlen stammen aus dem diesjährigen Weltbevölkerungsbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA).

Milliarden Menschen sind in der Wahrnehmung ihrer Rechte – unter anderem bezüglich ihrer sexuellen und reproduktiven Rechte – benachteiligt. Mädchen und junge Frauen in Entwicklungsländern können häufig nicht selbst entscheiden, ob, wann und mit wem sie Kinder haben möchten. Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen gehören daher zu den häufigsten Todesursachen bei Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren.

Wo sind die Ungleichheiten besonders groß? Was ist zu tun, um diese Ungleichheiten abzubauen? Diese Fragen beantwortet der neue UNFPA-Weltbevölkerungsberichtmit dem Titel „Gespaltene Welt – Reproduktive Gesundheit und Rechte in Zeiten der Ungleichheit“, dessen deutsche Kurzfassung die DSW jährlich herausbringt. Der Bericht enthält zugleich die jüngsten demografischen und sozioökonomischen Daten für alle Länder der Welt.

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Foto: UNAMID/Albert Gonzalez Farran

Jeden Tag werden mehr als 20.000 Mädchen „illegal“ verheiratet – das heißt vor dem gesetzlich festgelegten Mindestheiratsalter. Das entspricht mehr als zwei Dritteln (68 Prozent) aller Kinderehen weltweit. Diese Zahlen gehenaus einem Bericht der Weltbank und der Kinderrechtsorganisation Save the Children hervor. Demnach hat es in den vergangenen zwei Jahren zwar in neun Ländern Verbesserungen – vor allem durch Erhöhung des Mindestheiratsalters – gegeben, doch können die Gesetze gegen Kinderehen kaum umgesetzt werden. Gründe dafür sind beispielsweise religiöse Gesetze und tief verwurzelte Traditionen.

Rund 100 Millionen Mädchen sind weiterhin nicht durch Gesetze vor Kinderehen geschützt. Die Herausgeber empfehlen, das Mindestheiratsalter überall und ohne Ausnahmen auf mindestens 18 Jahre zu erhöhen. Damit entsprechende Regelungen auch eingehalten werden, sind weitere Maßnahmen notwendig. Laut Bericht ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, Kinderehen zu verhindern, Mädchen und junge Frauen so lange wie möglich in der Schule zu halten.

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Wie viele Kopfbälle schaffen Sie? Besuchen Sie unsere Kampagnen-Website und helfen Sie beim Anfeuern!

Ein sportliches Ziel erreicht man leichter, wenn man von vielen Menschen angefeuert wird. Unsere Politiker müssen in Sachen Entwicklungszusammenarbeit am Ball bleiben und die versprochenen 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für globale Entwicklung bereitstellen.

Wir feuern mit Unterstützung von anderen Nichtregierungsorganisationen mit der Kampagne „0,7 – fertig – los“ die Bundesregierung an, das 0,7-Prozent-Ziel für echte Entwicklungszusammenarbeit im Koalitionsvertrag festzuhalten und konsequent umzusetzen. Ohne Tricks oder Fouls. Und dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!

Sie können aktiv werden, indem Sie die Politiker in unserem Online-Spiel zu Höchstleistungen antreiben. Bis zum Ende der Koalitionsverhandlungen wollen wir 70.000 Kopfbälle sammeln. Wie viele schaffen Sie? Einfach das Bild anklicken und am Ball bleiben.

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Teilnehmerinnen der Abschlussveranstaltung bei der Rage-Yoga-Session

Mit unserer Kampagne #PussyisPower haben wir in den vergangenen zwei Monaten mit Unterstützung bekannter YouTuber auf die schwierige Lebensrealität junger Frauen in Entwicklungsländern aufmerksam gemacht. Den Abschluss unserer Kampagne bildete ein Event zum Weltmädchentag in Berlin. Zahlreiche junge Menschen versammelten sich zum gemeinsamen Schrei-Yoga und anschließendem Konzert der Musikband „Chefboss“.

Für die Kampagne waren die YouTuberinnen Diana zur Löwen und Mirella mehrere Tage lang mit der DSW in ihren Projekten in Kenia unterwegs. Sie betraten ebenfalls die Bühne, um dem jungen Publikum über ihre Eindrücke zu berichten. Mit ihren Beiträgen haben sie eine Brücke nach Deutschland geschlagen und junge Menschen über die Situation von Frauen in Entwicklungsländern aufgeklärt.

Auch im nächsten Jahr soll die #PussyisPower-Kampagne fortgesetzt werden. Bleiben Sie also gespannt!

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Foto: Laura Kraft

Nach Informationen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) sterben jeden Tag 15.000 Kinder unter fünf Jahren -das waren 5,6 Millionen im Jahr 2016. Im Jahr 2000 waren es noch 9,9 Millionen. Zu den häufigsten Todesursachen zählen behandelbare Krankheiten wie Lungenentzündung und Durchfall.

Während die Kindersterblichkeit zurückging, stieg die Sterblichkeitsrate unter Neugeborenen (bis vier Wochen) im gleichen Zeitraum von 41 auf 46 Prozent. Das entspricht 7.000 Todesfällen jeden Tag, mehr als ein Drittel (38 Prozent) davon in Afrika südlich der Sahara.

Durch eine bessere Gesundheitsversorgung könnten nach Schätzungen von UNICEF bis 2030 weltweit etwa 30 Millionen Neugeborene und 30 Millionen weitere Kinder unter fünf Jahren gerettet werden.

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OKTOBER 2017

globale Abtreibungsgesetze

Diese Karte zeigt die Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen weltweit.
Quelle/Zahlen: Center for Reproductive Rights

In vielen Ländern sind Schwangerschaftsabbrüche unsicher und lebensgefährlich. Fast die Hälfte der weltweit durchgeführten Abtreibungen ist riskant, so ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Guttmacher Institutes. Am gefährlichsten sind Abtreibungen, die illegal von ungeschultem Personal im Verborgenen durchgeführt werden, weil sie in den jeweiligen Ländern verboten sind.

Dort, wo Abtreibungen illegal sind, sind rund 75 Prozent der Eingriffe unsicher. Dies tritt häufig in Entwicklungsländern auf, in denen Schwangerschaftsabbrüche aus religiösen und kulturellen Gründen verboten sind. Zu hohe Kosten und gesellschaftliche Stigmatisierung sind dem Bericht zufolge weitere Gründe, warum Frauen sich unsicheren Abtreibungen unterziehen.

Frauen, die einen illegalen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen, begeben sich laut Bericht in eine doppelte Gefahr: Neben den immensen gesundheitlichen Risiken drohe ihnen eine strafrechtliche Verfolgung. Die WHO fordert daher eine weltweite Legalisierung von Abtreibungen sowie einen besseren Zugang zu Verhütungsmitteln.

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Weltbevölkerung

YouTuberin Diana zur Löwen und die Kenianerin Winnie fordern unter dem Motto #PussyisPower bessere Bedingungen für Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern.

Den jungen deutschen Zuschauern den Alltag starker junger Frauen in Entwicklungsländern nahebringen, das ist das Ziel unserer Kampagne #PussyisPower. Zwölf Tage waren die drei YouTuber Diana zur Löwen, Mirella und Flo in Kenia unterwegs, um in ihren Clips über unsere Projekte zu berichten.

In Kenia begleiteten die drei YouTuber drei junge Kenianer in ihrem Alltag und sprachen mit ihnen über Frauenbilder und die Hürden, die sie in ihrem Leben bereits überwinden mussten. Die daraus entstandenen Kampagnenvideos finden Sie auf unserer Kampagnenseite.

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Zum Abschluss der Kampagne #PussyisPower lädt die DSW zu einer Rage-Yoga-Session zum morgigen Weltmädchentag in Berlin ein. Seien Sie dabei!
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globale Abtreibungsgesetze

Zum Auftakt der Kampagne bekamen die Mitglieder des Bundestags eine Glückwunschkarte mit diesem Motiv.

Globale Entwicklung braucht Teamgeist! Mit unserer Kampagne „0,7 – fertig – los“ zu den Koalitionsverhandlungen wollen wir das neue Team Deutschland dazu anfeuern, ein seit fast 50 Jahren bestehendes Versprechen einzulösen, nämlich 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zu investieren.

Dieses Ziel wurde zwar im Jahr 2016 erstmals erreicht, allerdings unter Anrechnung der Kosten für die Versorgung von Geflüchteten in Deutschland. Das Ziel unserer Kampagne: Im Koalitionsvertrag soll festgehalten werden, dass das 0,7-Prozent-Ziel für echte Entwicklungszusammenarbeit eingehalten wird und dafür bis 2020 zusätzlich 17,8 Milliarden Euro bereitgestellt werden.

Unterstützt werden wir bei der Kampagne von zahlreichen anderen Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam, Plan International und Save the Children. Auch Ihre Unterstützung ist wichtig! Besuchen Sie die Website zur Kampagne und setzen Sie ein Zeichen für 0,7 Prozent, indem Sie in unserem unterhaltsamen Online-Spiel ein paar Kopfbälle tätigen und unsere Politiker per E-Mail zum Handeln auffordern.

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globale Abtreibungsgesetze

91 Prozent der Befragten finden es wichtig, dass Deutschland sich für die Bekämpfung von Armut in Entwicklungsländern einsetzt.

Die Bundesbürger befürworten ein stärkeres entwicklungspolitisches Engagement Deutschlands. 87 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Deutschland seine internationale Zusage einhält, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zu investieren. Zwei Dritteln (65 Prozent) zufolge sollte der Anteil Deutschlands sogar höher als 0,7 Prozent sein. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die Kantar Emnid im Auftrag der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) im Juli/August 2017 durchgeführt hat.

Weitere Ergebnisse der Umfrage:

  • 91 Prozent der Befragten finden es wichtig, dass sich Deutschland für die Bekämpfung von Armut in Entwicklungsländern engagiert. Für fast die Hälfte (47 Prozent) ist das sogar sehr wichtig.
  • 93 Prozent sprechen sich dafür aus, dass sich die Bundesregierung verstärkt für die Forschung und Entwicklung zu Armutskrankheiten engagiert.
  • Für 90 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass sich Deutschland für die Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen einsetzt.

Befragt wurden deutschlandweit 1.004 Bundesbürger im Alter ab 18 Jahren.

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Eine äthiopische Familie mit drei Kindern
Photo: Samson Haileyesus, CST Ethiopia

Äthiopien, das Land in Afrika mit der zweitgrößten Bevölkerung, zeigt eine rückläufige Geburtenrate. Vor 20 Jahren bekamen Frauen dort im Durchschnitt noch mehr als acht Kinder – heute sind es 4,6. So ein Bericht des Programms Demographic and Health Surveys (DHS).

Zu dieser Entwicklung haben mehrere Maßnahmen beigetragen. So wurden neue Gesundheitszentren gebaut, der Zugang zu Verhütungsmitteln erleichtert und Gesundheitsmitarbeiter für die Beratung zur Familienplanung geschult. Der Bericht hebt positiv hervor, dass Familienplanung nicht als Kontrollinstrument für das Bevölkerungswachstum angesehen wird, sondern als Mittel, grundsätzliche Menschenrechte umzusetzen und Entwicklung zu fördern.

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Junge Frauen bei einem Aufklärungsgespräch in einem DSW-Projekt in Uganda

42 Prozent der rund 7,54 Milliarden Erdenbürger sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahre. Der Anteil dieser jungen Menschen an der Bevölkerung ist mit 60 Prozent in Afrika am höchsten. In Europa ist ihr Anteil an der Bevölkerung mit 27 Prozent nur halb so groß. Das geht aus dem neuen DSW-Datenreport 2017 hervor. Der nimmt in diesem Jahr Jugendliche in den Fokus.

Gerade in den ärmeren Regionen der Welt können Jugendliche der Schlüssel für Entwicklung sein. Das setzt allerdings voraus, dass Mädchen und Jungen eine gute Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit haben.

Der DSW-Datenreport bietet aktuelle demografische und sozioökonomische Daten für alle Länder und Regionen der Welt. Sie können den Report gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 1,50 Euro bestellen oder kostenlos auf unserer Website herunterladen. Alle Daten sind zudem übersichtlich in unserer neuen Länderdatenbank aufbereitet.

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Aktionstag mit Riesenkondom in Münchner Innenstadt
Foto: Volker Derlath

Ein sieben Meter hohes Kondom mitten in der Münchener Innenstadt – mit dieser aufmerksamkeitsstarken Aktion haben wir am 26. September anlässlich des Weltverhütungstages auf den fehlenden Zugang zu Aufklärungsangeboten und Verhütungsmitteln vor allem für junge Menschen in Entwicklungsländern hingewiesen.

Zwei von drei Jugendlichen können in Afrika nicht verhüten, obwohl sie gerne möchten. Der Mangel an Verhütungsmitteln und Aufklärungsangeboten führt zum einen zu lebensbedrohlichen HIV Infektionen. Zum anderen hat er ungewollte Schwangerschaften zur Folge. In Afrika bekommen laut den Vereinten Nationen rund zehn Prozent der Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind. Dadurch sinken ihre Bildungs- und Arbeitschancen und ihr Armutsrisiko steigt. Frauen und Mädchen, die durch Verhütungsmittel und Beratung selbst bestimmen können, ob und wann sie schwanger werden, sind meist gesünder und besser gebildet. Sie haben zudem bessere Chancen, am Erwerbsleben teilzunehmen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Der Weltverhütungstag ist eine internationale Initiative, bei der nichtstaatliche Organisationen weltweit auf den Handlungsbedarf in den Bereichen Verhütung und Sexualaufklärung hinweisen.

JULI 2017

Weltbevölkerung

Millionen von Mädchen auf der Welt verlieren durch Kinderehen ihre Kindheit. Frei sein, spielen, zur Schule gehen, gesund und sicher sein, all das wird ihnen dadurch verwehrt.
Foto: Thinking Development

Ein Ende von Kinderehen ist nicht nur menschenrechtlich ein Muss, sondern hätte auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaft von Entwicklungsländern. Auch die weltweite Wirtschaft könnte davon profitieren. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Weltbank. Den größten Effekt hätte dabei der Rückgang des Bevölkerungswachstums, der durch das Ende von Kinderehen und der damit verbundenen geringeren Zahl von Teenagerschwangerschaften erfolgen würde. Laut der Weltbank würde sich ohne Kinderehen die Fertilitätsrate um durchschnittlich elf Prozent verringern. In den am stärksten von Kinderehen betroffenen Ländern wie Äthiopien, Bangladesch und Niger sogar um 15 Prozent.

Die Weltbank schätzt, dass durch geringere Fertilitätsraten und einen Rückgang des Bevölkerungswachstums 2015 22 Milliarden US-Dollar an Sozialleistung in den untersuchten Ländern hätten eingespart werden können. Bis 2030 könnten sich die jährlichen Einsparungen auf über 500 Milliarden US-Dollar steigern.

Die Autoren der Studie mahnen an, dass nicht genügend für ein Ende von Kinderehen getan werde. Das läge hauptsächlich daran, dass Kinderehen eher als gesellschaftliches Thema, denn als wirtschaftliche Herausforderung gesehen würden.

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Weltbevölkerung

Frauen in Nairobi, Kenia in einem Workshop für Frauen zu Aufklärung und Verhütung.
Foto: Jonathan Torgovnik/Getty Images

In Entwicklungsländern sind 89 Millionen Schwangerschaften ungewollt – das sind 43 Prozent aller Schwangerschaften. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass jede vierte Frau dort nicht verhüten kann, auch wenn sie das gerne möchte. Diese Zahlen gehen aus der aktuellen Studie „Adding it up“ des US-amerikanischen Guttmacher Instituts hervor. Der größte Handlungsbedarf besteht in Afrika südlich der Sahara. Hier kann nur jede zweite Frau verhüten.

Würden die aktuellen finanziellen Mittel von jährlich 5,5 Milliarden US-Dollar für Aufklärung und Verhütung verdoppelt, könnten laut der Studie alle Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern, die eine Schwangerschaft vermeiden wollen, mit entsprechenden Angeboten versorgt werden. Dadurch gäbe es 67 Millionen weniger ungewollte Schwangerschaften, 23 Millionen weniger ungewollte Geburten, und das Leben von 224.000 schwangeren Frauen könnte gerettet werden.

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Weltbevölkerung

Schülerinnen der Zanaki Primary School in Dar es Salaam, Tansania. Werden Mädchen schwanger, dürfen sie keine staatliche Schule mehr besuchen, auch nach der Geburt.
Foto: World Bank

Der tansanische Präsident John Magufuli hält an dem seit 1961 bestehenden Schulverbot für Schwangere und junge Mütter fest. Das berichtet die Thomson Reuters Foundation. Schülerinnen dürfen demnach während und nach einer Schwangerschaft keine staatliche Grund- oder weiterführende Schule besuchen.

Mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen hatten eine Aufhebung des Verbots gefordert, da es gegen das Menschenrecht auf Bildung verstößt. Präsident Magufuli begründete seine Entscheidung damit, dass Geschlechtsverkehr für Mädchen und junge Frauen „unmoralisch“ sei und schwangere Schülerinnen ein schlechtes Vorbild für ihre Klassenkameradinnen seien. Laut Reuters mussten in den vergangenen zehn Jahren 55.000 Mädchen und junge Frauen wegen einer Schwangerschaft die Schule verlassen.

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Weltbevölkerung

Zwei Aktivisten vor der “No” Contraceptive Clinic in London halten ein Schild mit #HerFuture hoch
Foto: Jeff Moore, © Gates Archive

Mehr als 400 Akteure diskutierten bei der internationalen Konferenz „Family Planning 2020 (FP2020)“ in London Anfang Juli über die nächsten Schritte bei Aufklärung und Verhütung. FP2020 wurde 2012 auf Initiative der Bill & Melinda Gates Stiftung und der britischen Regierung mit dem Ziel ins Leben gerufen, bis 2020 zusätzlichen 120 Millionen Mädchen und Frauen in den 69 ärmsten Ländern der Welt den Zugang zu Verhütungsmitteln zu ermöglichen. Die beteiligten Partner stellten bei der Zwischenbilanz fünf Jahre später fest, dass erhöhte Anstrengungen nötig sind, um die Aufgabe zu bewältigen. Laut dem Nachrichtenportal Devex wurden bisher erst 30,2 Millionen zusätzliche Frauen erreicht. Allerdings schlossen sich weitere Länder der Initiative an und versprachen, zusätzliche Gelder bereitzustellen.

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Vor Ort in London war auch DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. Sie begrüßte, dass endlich auch über den speziellen Verhütungsbedarf von Jugendlichen gesprochen wurde. Warum Jugendliche bei den Themen Aufklärung und Verhütung eine besondere Rolle spielen, schreibt sie auf unserem Blog.

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Weltbevölkerung

Teilnehmerinnen der Veranstaltung diskutieren, wie sexuelle Aufklärung für Jugendliche effektiv und jugendfreundlich gestaltet werden kann.

„Nachhaltige Entwicklung – Was hat das mit Sex zu tun?“, so der Titel der Veranstaltung, die am 21. Juni in Berlin gemeinsam von der DSW und dem Guttmacher Institut durchgeführt wurde. Im Fokus: zwei neue Studien zu Sexualaufklärung und Verhütung in Entwicklungsländern.

Die Studienergebnisse zeigen, dass sich eine umfassende Aufklärung positiv auf Jugendliche auswirkt. In der Studie „Eine Rechnung, die aufgeht: Kosten und Nutzen der Deckung des Verhütungsbedarfs von Jugendlichen in Entwicklungsländern“ wird deutlich, dass Jugendliche in armen Ländern einen besonders hohen Mangel an Verhütungsmöglichkeiten haben. Eine der Folgen: In Entwicklungsländern ist etwa die Hälfte der Schwangerschaften in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen ungewollt. Die Studie „Sexualaufklärung in Kenia: neue Daten aus drei Bezirken“ zeigt, dass Lehrer und Eltern Aufklärung sehr wichtig finden, oft aber weder Zeit noch genügend Hintergrundwissen haben, um Jugendlichen diese lebenswichtigen Informationen nahezubringen.

Sexualaufklärung, so der Tenor der anschließenden Diskussion, darf nicht von Abstinenzbotschaften geprägt sein, sondern sollte jugendfreundlich und umfassend sein. Dafür müssen Lehrer besser geschult werden. Aufklärung durch andere Jugendliche, wie wir sie in unseren Projekten durchführen, wurde unter den Teilnehmern als besonders effektiv angesehen.

Lesen Sie mehr zu den beiden Studien in unseren Infoblättern „Verhütungsbedarf von Jugendlichen in Entwicklungsländern” und „Sexualaufklärung in Kenia”

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Weltbevölkerung

Der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, überreicht das DZI-Spendensiegel an den DSW-Vorstandsvorsitzenden Knut Gerschau.

Am 11. Juli überreichte der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, feierlich das DZI-Spendensiegel an den DSW-Vorstandsvorsitzenden Knut Gerschau. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) wurde vom DZI bereits zum 13. Mal für die sorgsame und transparente Verwendung der ihr anvertrauten Spenden ausgezeichnet. Das DZI vergibt diese Auszeichnung nach eingehender Prüfung nur an solche Hilfsorganisationen, die durch wahrheitsgemäße Informationen und eine sparsame Haushaltsführung überzeugen.

JUNI 2017

Weltbevölkerung

Die neuesten Weltbevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass 2050 9,8 Milliarden Menschen auf der Erde leben.

Die Weltbevölkerung wird von heute rund 7,6 Milliarden Menschen auf 9,8 Milliarden 2050 und 11,2 Milliarden 2100 wachsen. Das geht aus den neuesten Weltbevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen (UN) hervor. Zwar ist die Fertilität der meisten Ländern in den vergangenen Jahren zurückgegangen, doch gerade in Afrika ist sie weiterhin hoch. Dort bekommen Frauen derzeit durchschnittlich 4,7 Kinder, deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt von 2,5 Kindern pro Frau. Die UN gehen in ihren Projektionen davon aus, dass die Fertilitätsrate in Afrika bis 2100 auf 2,1 Kinder pro Frau sinkt.

In den vergangenen Jahren ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau auf fast allen Kontinenten – mit Ausnahme von Europa – gesunken. Trotzdem wird die Bevölkerung Europas bis 2100 voraussichtlich von 742 Millionen auf 653 Millionen schrumpfen.

Zu den Projektionen

Junge Mutter mit ihrem Baby

Im vergangenen Jahr wurden 777.000 Mädchen unter 15 Jahren in Entwicklungsländern Mütter – das sind 2.100 Geburten jeden Tag. Weit über die Hälfte (58 Prozent) davon in Afrika. Das geht aus einer Studie des US-amerikanischen Guttmacher Instituts hervor. Erste sexuelle Erfahrungen von Mädchen unter 15 Jahren finden laut Studie meist unter Zwang und Gewalt statt.

Die Macher der Studie empfehlen eine umfassende Sexualaufklärung bereits in der Grundschule. Außerdem müssten die soziokulturellen Gründe angegangen werden, die geschlechtsspezifische Gewalt und Kinderheiraten begünstigen und eine Gleichberechtigung der Geschlechter verhindern.

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Frauen warten in einem Fistula-Krankenhaus
Foto: DFAT

Gute Nachrichten aus Kenia: Mehr Frauen mit Scheidenfisteln werden operiert und dadurch von gesellschaftlicher Ausgrenzung befreit. Laut einem Artikel der Thomson Reuters Foundation hat sich die Zahl der jährlichen Scheidenfistel-Operationen seit 2010 auf jetzt 1.500 verdreifacht.

Scheidenfisteln sind folgenschwere innere Verletzungen, die bei der Geburt entstehen können und unter anderem Inkontinenz verursachen. Besonders junge Mütter sind häufig betroffen. In vielen Fällen führt die Geruchsbildung durch die Inkontinenz dazu, dass Familien und Freunde sich von den Betroffenen abwenden und diese gesellschaftlich isoliert werden.

Hillary Mabeya, Gründer eines Behandlungszentrums für Scheidenfisteln, führt die Zahlen auf einen Anstieg an ausgebildeten Chirurgen und Behandlungszentren zurück. Doch es müsse noch mehr getan werden: Mayeba ruft die Kenianische Regierung dazu auf, Krankenhäuser besser auszustatten und einen kostenlosen Zugang zur Geburtshilfe in abgelegenen Gebieten zu ermöglichen, damit Scheidenfisteln erst gar nicht entstehen.

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Auch die DSW setzt sich seit über zehn Jahren für Frauen mit Scheidenfisteln ein. Lesen sie hier über unser Projekt „Fight Fistula“ in Äthiopien.
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Preisverleihung mit Moderatorin Barbara Schöneberger, RTL Moderator Wolfram Kons sowie der YouTuberin und Vloggerin Diana zur Löwen

Beim Webvideopreis 2017, Europas größtem Social Media Award, haben wir den erstmals ausgeschriebenen „Engage The Future“ Wettbewerb gewonnen. Mit unserer Kampagne #PussyisPower möchten wir vor allem die junge Generation in Deutschland erreichen und ihnen die Hürden zeigen, vor denen Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern täglich stehen.
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Die beiden afrikanischen Panelteilnehmerinnen erhoffen sich von der neuen deutschen Regierung nach der Bundestagswahl stärkere Unterstützung für Sexualaufklärung und Verhütung
Foto: Dirk Enters

Bei der Diskussionsveranstaltung der DSW mit rund 50 Teilnehmern am 30. Mai in Berlin tauschten sich Abgeordnete, Forscher und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen über die Chancen für Afrikas Jugend aus. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Thomas Silberhorn, betonte, dass junge Menschen in Afrika kreativ und dynamisch seien und hohe Erwartungen an ihre Zukunft hätten. Daher seien Investitionen in Bildung, Gesundheit und neue Arbeitsplätze dringend notwendig, um den Bedürfnissen der wachsenden Jugendgeneration gerecht zu werden. Außerdem bräuchten die Jugendlichen ein Mitspracherecht bei den Themen, die sie betreffen.

Als besonders wichtig sahen die Teilnehmer eine Ausweitung der Angebote zu Aufklärung und Verhütung für Jugendliche an. Die beiden afrikanischen Panelteilnehmerinnen erhoffen sich von der neuen deutschen Regierung nach der Bundestagswahl stärkere Unterstützung in diesem Bereich. Deutschland hat bisher keine Mittel für internationale Initiativen wie „She Decides“ zugesagt, um die durch die Global Gag Rule von US-Präsident Trump entstandene Finanzierungslücke zu schließen. Staatssekretär Silberhorn stellte allerdings zusätzliche Gelder für den Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen in Aussicht.

Protestaktion zum Treffen der G20-Gesundheitsminister in Berlin.
Foto: Jörg Farys/die.projektoren

Bunte Viren und Bakterien greifen vor dem Brandenburger Tor die Weltkugel an, die nur von den wenigen Ärzten geschützt wird. Mit dieser Aktion anlässlich des Treffens der G20-Gesundheitsminister in Berlin forderte die DSW gemeinsam mit sechs weiteren Nichtregierungsorganisationen die Politik dazu auf, Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern zu stärken und sich für mehr Forschung und Entwicklung zu Armutskrankheiten zu engagieren.

Noch immer sterben jede Minute rund sechs Menschen an den drei größten Armutskrankheiten Aids, Malaria und Tuberkulose. Hinzu kommen die vielen Todesfälle durch vernachlässigte tropische Krankheiten. Für viele dieser Krankheiten fehlt es noch immer an zuverlässigen Diagnosemöglichkeiten, wirksamen Impfungen und Medikamenten zur Behandlung.

Internationale Vertreter des Gesundheitsbereichs diskutierten in Berlin über Tuberkulose. Die Veranstaltung “The G20 – Leading the Way to End Drug Resistant Tuberculosis” wurde organisiert von der DSW, Ärzte ohne Grenzen, Freunde des Globalen Fonds Europa und Stop TB Partnership.

Foto: Christian Thiel

Hochrangige, internationale Gäste diskutierten am 18. Mai in Berlin darüber, wie sich die G20 stärker für ein Ende von Tuberkulose (TB) einsetzen kann. Gesundheitsminister aus Indien, Indonesien und Südafrika nannten als drängende Probleme die weite Verbreitung latenter TB, veralteten Diagnosemöglichkeiten und langwierige Behandlung mit vielen Nebenwirkungen. Bei einer multiresistenten Form sind diese noch schwerwiegender, hinzu kommen enorm hohe Kosten der Behandlung.

Der Gesundheitsminister Südafrikas, Dr. Aaron Motsoaledi, betonte, wie wichtig ein neuer TB-Impfstoff sei. Außerdem forderte er die deutsche Regierung auf, bei den G20-Gesprächen zu TB eine Führungsrolle einzunehmen. Ähnlich äußerte sich Dr. Michèle Boccoz, französische Sonderbotschafterin für die Bekämpfung von HIV und Infektionskrankheiten. Sie begrüßte, dass das Thema globale Gesundheit erstmals auf der G20-Agenda steht und betonte die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft bei der Bekämpfung von TB.

Hoffnung geben Produktentwicklungspartnerschaften, die Forschungseinrichtungen mit öffentlichen und privaten Institutionen vernetzen. Vier von fünf neuen TB-Medikamenten, die aktuell in der Forschung und Entwicklung sind, wurden durch solche internationale Partnerschaften ermöglicht. Die DSW fordert daher eine stärkere Finanzierung.

Blogserie zu vernachlässigten Armutskrankheiten

Noch bis Mitte Juli läuft unsere Blogserie zu vernachlässigten und armutsbedingten Krankheiten. Wir erklären, warum Barfußlaufen in manchen Regionen gefährlich ist, wie Lepra, Buruli Ulcer und Tuberkulose zusammenhängen und weshalb sich die Bundesregierung stärker für die globale Gesundheit einsetzen sollte. Die wichtigsten Fakten haben wir kompakt in Infografiken zusammengefasst:
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Cover des Weltbank-Berichts Reports “From panic and neglect to investing in health security”, 2017

Die meisten Länder sind ungenügend auf mögliche weltweite Krankheitsausbrüche vorbereitet. Zu diesem Schluss kommt ein Report der Weltbank. Demnach fehlt es an Investitionen zur Überwachung von Krankheitsherden, Diagnoseeinrichtungen und Notfallzentren. Diese sind jedoch dringend notwendig, um Ausbrüche rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Laut den Verfassern könnten mehrere Millionen Menschen bei einer großen Pandemie sterben.

Ein solcher Ausbruch würde jährlich rund 0,7 Prozent des weltweiten Einkommens (570 Mrd. US-Dollar) kosten. Dabei könnten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen ihre Gesundheitssysteme mit zusätzlichen Investitionen von einem US-Dollar pro Person und Jahr auf Pandemien vorbereiten. Der Report enthält zwölf Empfehlungen zur finanziellen Stärkung entsprechender Ressourcen und Infrastrukturen.

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MAI 2017

Gute Nachrichten: Malawi verbietet Kinderehen.
Foto: Jessica Lea/Department for International Development

Malawis Präsident Peter Mutharika hat eine Verfassungsänderung unterzeichnet, die das gesetzliche Ehealter auf 18 Jahre erhöht. Dies ist der letzte Schritt eines jahrelangen Kampfes um das Verbot der Kinderehe. Jetzt muss das Land das neue Verbot konsequent durchsetzen, um Jugendliche vor einer Eheschließung im Kindesalter zu schützen.

Mädchen vor einer Kinderehe zu schützen, ist in Malawi höchste Zeit: Laut einer von der malawischen Regierung herausgegebenen Studie heiraten 47 Prozent der Frauen und Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag. Kinderehen tragen der Studie zufolge zu einer erhöhten Sterblichkeit bei Müttern und Neugeborenen bei.

Auch in Afghanistan gibt es Fortschritte: In dem Land, in dem 33 Prozent der jungen Frauen unter 18 Jahren heiraten, hat die Regierung einen Aktionsplan zu Eliminierung der Kinderehe verabschiedet.

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Eine Frau kurz nach der Geburt in einem Gesundheitszentrum im Senegal
Foto: Jonathan Torgovnik

Ein kostengünstiger und fast überall verfügbarer Wirkstoff könnte jeder dritten Frau das Leben retten, die andernfalls an schweren Blutungen nach der Geburt sterben würde. Das geht aus einer Studie hervor, die in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurde.

2015 starben laut den Vereinten Nationen weltweit 303.000 Frauen durch Komplikationen bei der Schwangerschaft oder Geburt – 18 Prozent von ihnen durch schwere Blutungen nach der Geburt. Davon sind vor allem Frauen in Afrika und Asien betroffen. Für die Studie wurden weltweit 20.000 Frauen mit einer Veranlagung für schwere Nachblutungen untersucht. Sie bekamen innerhalb von drei Stunden nach der Geburt den Wirkstoff Tranexamsäure oder ein Placebo-Präparat gespritzt. Durch Gabe des Wirkstoffs wurde die Sterbewahrscheinlichkeit durch Blutungen um 31 Prozent reduziert.

Die Wissenschaftler konnten keine Nebenwirkungen feststellen und empfehlen daher, den Wirkstoff bei Nachblutungen so schnell wie möglich einzusetzen. Da gerade in ärmeren Regionen die entsprechenden Möglichkeiten einer intravenösen Gabe nicht vorhanden sind, setzen sich die Wissenschaftler für weitere Forschung in diesem Bereich ein.

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Cover des WHO-Reports “Integrating neglected tropical diseases into global health and development”, 2017

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet in ihrem vierten Report zu vernachlässigten Tropenkrankheiten über große Erfolge in den vergangenen Jahren. So erhielten 2015 rund eine Milliarde Menschen eine Behandlung zu mindestens einer der 18 Krankheiten. Die Zahl der Neuinfektionen mit der afrikanischen Schlafkrankheit ging zwischen 2000 und 2015 um 89 Prozent zurück. Und 2016 wurden weltweit nur noch 25 Infektionen mit dem Guineawurm gemeldet. Damit könnte die Krankheit bald der Vergangenheit angehören. Zu diesen Erfolgen haben laut Report unter anderem starke politische Unterstützung und die Verbesserungen der Lebensbedingungen in den am schwersten betroffenen Ländern beigetragen.

Die WHO weist allerdings auch darauf hin, dass noch immer große Herausforderungen bei der Eindämmung von Krankheitsüberträgern wie Stechmücken, dem allgemeinen Zugang zu Gesundheit und den hygienischen Verhältnissen bestehen.

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Die asiatische Tigermücke überträgt zahlreiche Krankheiten und breitet sich weltweit aus.
Foto: CDC/James Gathany

So klein und doch so gefährlich: Kein Tier auf der Welt verursacht so viele Todesfälle wie die Mücke. Insbesondere Tropenmücken bergen viele Gefahren, denn sie übertragen Viren von Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber, Zika und Gelbfieber. Durch Reisende werden die exotischen Insekten zunehmend auch nach Deutschland eingeschleppt.

Die asiatische Tropenmücke Aedes albopictus – die gefährlichste von allen – hat vergangenes Jahr bereits Baden-Württemberg und Thüringen erreicht. Schuld daran sind die milden Winter. Bislang konnten sich die gefährlichen Insekten hier aber nicht vermehren. Zwar können sie die winterlichen Temperaturen bis zu einem gewissen Grad überleben, ihre Eier sterben jedoch in der Kälte ab.

Forscher gehen davon aus, dass sich tropische Mückenarten weiter in Nordeuropa ausbreiten werden. Je wärmer die Winter in Nordeuropa werden, desto höher ist die Gefahr, dass sich die Tropenmücke hier fest ansiedelt.

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Start der Blogserie zu vernachlässigten Armutskrankheiten

Die DSW startet Mitte Mai – zum Gesundheitsministertreffen der G20 in Berlin – eine achtwöchige Blogserie zu vernachlässigten und armutsbedingten Krankheiten. Bis zum G20-Gipfel in Hamburg am 7./8. Juli nehmen wir diese Krankheiten in den Fokus und berichten über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. Wollen Sie wissen, welches Bakterium besonders weit verbreitet ist, welchem Wurm demnächst der Garaus gemacht wird oder vor welchem Virus bald eine Impfung schützen kann? Dann schauen Sie auf unser Blog.
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Frauenrechte in Afrika südlich der Sahara verbessern.
Foto: Jonathan Torgovnik

Im April startete ein Gemeinschaftsprojekt der DSW und sieben weiterer Organisationen mit dem Ziel, Frauenrechte in Afrika südlich der Sahara zu verbessern. Das von der Europäischen Union geförderte Projekt wird nach einer ersten Bestandsaufnahme in ausgewählten Ländern in Afrika bis Frühjahr 2020 laufen.

Zivilgesellschaftliche Organisationen vor Ort sollen besseren Zugang zu Informationen über die Situation von Frauenrechten in Afrika erhalten. Dadurch können sie ihre Aktivitäten zielgerichtet planen und sich bei politischen Entscheidungsprozessen besser einbringen. Ferner sollen mehr als 240 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Meinungsführende aus der Region für das Thema Frauenrechte sensibilisiert werden.

Eine öffentliche Aufklärungsveranstaltung für Jugendliche in Kampala, Uganda.
Foto: Jonathan Torgovnik

Mit einem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten Projekt in Uganda will die DSW die junge Bevölkerung des Landes dabei unterstützen, ihre Potenziale voll zu entfalten. Zwischen April 2017 und August 2020 erhalten 40.000 junge Menschen zwischen zehn und 24 Jahren Sexualaufklärung und erwerben ein betriebswirtschaftliches Grundwissen. Mit diesem Wissen können sie ihre soziale und wirtschaftliche Situation verbessern. Außerdem werden Gemeindemitglieder und kommunale Entscheidungsträger für die Bedarfe der Jugendlichen sensibilisiert.

Jugendliche sind eine Chance für Entwicklungsländer.

Das neue Infoblatt der DSW „Jugendliche – Schlüssel zur Demografische Dividende“ erklärt anschaulich, weshalb Investitionen in Jugendliche – gerade in Entwicklungsländern – so wichtig sind. Außerdem wird das Konzept der demografischen Dividende und ihre Entstehung kurz und bündig dargestellt.
Zum Infoblatt

APRIL 2017

Parlamentarier beim TB Summit.

Anlässlich des vom Global TB Caucus organisierten ersten TB Summits lud der Caucus zusammen mit der DSW am 21. März Parlamentarier aus den G20-Staaten sowie Experten und Vertreter der Zivilgesellschaft ein, um sich zum Thema „multiresistente Tuberkulose“ auszutauschen. Mit insgesamt 1,8 Millionen Todesfällen pro Jahr ist Tuberkulose die weltweit tödlichste Infektionskrankheit. Angesichts zunehmender Resistenzbildungen – allein im Jahr 2015 wurden 580.000 neue Fälle registriert – droht die Eindämmung der Infektionskrankheit in weite Ferne zu rücken.

Beim Parlamentarischen Abend wurden Möglichkeiten diskutiert, wie die Bekämpfung von Tuberkulose sowie die zunehmenden medikamentenresistenten Erreger auf die Tagesordnung des G20-Gipfels gebracht werden können. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG stellte in diesen Rahmen eine neue Studie vor, in dem sie prognostiziert, dass der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2050 durch Tuberkulose ein Schaden von 16,7 Billionen US-Dollar entstehen werden. Der Großteil dieses Schadens – 10,5 Billionen US-Dollar – entsteht innerhalb der G20-Staaten.

Die Teilnehmer des TB Summits appellierten in ihrem Abschlussdokument an die G20-Regierungen, das Thema Tuberkulose sowie die Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen stärker auf die nationale und internationale Agenda zu nehmen.

Renate Bähr, Geschäftsführerin der DSW, überreicht Dirk Roßmann den Steiger Award. Foto: Bauer

Im Rahmen einer Galaveranstaltung mit 250 Gästen in Dortmund wurde Dirk Roßmann am 25. März der „Steiger- Award“ verliehen. Der prominente Preis lehnt an die Tugenden des Bergmanns an und wird daher auch als „Ruhrpott-Oscar“ bezeichnet. Geehrt werden Menschen, „die in ihrem Handeln und Denken Gradlinigkeit, Offenheit und Toleranz bewiesen haben; Menschen, die sich auf ihrem Weg nicht beirren lassen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“.

Dirk Roßmann erhielt den Preis in der Kategorie „Charity“ für sein Engagement als Stifter der DSW. Die Laudatio hielt DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr, die auf 20 gemeinsame Jahre Stiftungsarbeit zurückblickte. Sie erkenne bei Dirk Roßmann „einen unumstößlichen Glauben an das Potenzial junger Menschen“, sagte Renate Bähr. Es gehe ihm immer darum, „die Erwachsenen von morgen und damit unser aller Zukunft“ zu fördern. Es sei diese Weitsicht, die sowohl sein unternehmerisches als auch sein soziales Engagement auszeichne.

Unser Youth Truck in Uganda

Nach einem Projektbesuch in Uganda sagte Alfred Biolek einmal: „Der Youth Truck ist eines der effizientesten und eindrucksvollsten DSW-Projekte. Wir bräuchten zehn davon!“. Doch Bios Traum hat sich bis heute leider nicht erfüllt.

Mehr noch: Es sieht nicht gut aus für unser aktuelles Jugendaufklärungsmobil in Uganda! Die notwendigen Reparaturen sind schon heute zu teuer und es dauert nicht mehr lange, bis wir es nicht mehr für die wichtigen Einsätze nutzen können. Dabei wird Aufklärung in Uganda so dringend benötigt: Fast die Hälfte der etwa 37 Millionen Einwohner ist jünger als 15 Jahre. In diesem Alter haben viele von ihnen bereits ihren ersten Sexualkontakt gehabt, ohne ausreichend aufgeklärt zu sein.

Die Konsequenz: Etwa ein Viertel aller Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren haben bereits ein Kind oder sind schwanger. Damit wir die wichtige Aufklärung auch in Zukunft mithilfe des Youth Trucks in die entlegensten Regionen des Landes bringen können, brauchen wir dringend Ihre Hilfe. Mindestens 35.000 Euro wird es kosten, einen passenden Gebrauchtwagen zu kaufen und für den Einsatz auszustatten. Jeder Beitrag zählt, bitte helfen Sie mit!

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Jugendliche eines Jugendklubs der DSW führen im Bonga-Projekt in Äthiopien ein Theaterstück zu sexueller Gesundheit auf

Patientin bei einer Konsultation in Äthiopien.

Schätzungen zufolge leben weltweit 3,5 Millionen Frauen mit Scheidenfisteln. Schwere innere Verletzungen während des Geburtsvorgangs führen dazu, dass sich sogenannte Scheidenfisteln bilden. Ursachen dafür sind frühe Schwangerschaften und mangelnde medizinische Versorgung. Die jungen Frauen leiden oft ihr ganzes Leben unter Inkontinenz und werden häufig von ihren Familien verstoßen. Dabei sind 95 Prozent der Fälle von Scheidenfisteln heilbar.

Äthiopien ist eines der am stärksten betroffenen Länder der Welt. Mit dem Fight Fistula-Projekt trägt die DSW durch Aufklärung dazu bei, dass Fisteln gar nicht erst entstehen – und vermittelt den Betroffenen eine medizinische Behandlung, sodass sie ein schmerzfreies Leben führen können. Bei unseren Aufklärungsmaßnahmen wird das Umfeld der Betroffenen miteinbezogen, um ihre Stigmatisierung zu beenden.

Im vergangenen Jahr haben wir mit unserer Aufklärungsarbeit über 24.500 Gemeindemitglieder für das Thema Fistula sensibilisiert. 67 Verdachtsfälle wurden in umliegende Krankenhäuser übermittelt. Sechs junge Fistula-Patientinnen erhielten eine kostenlose Behandlung und wurden in ihren Gemeinden reintegriert.

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Jugendliche eines Jugendklubs der DSW führen im Bonga-Projekt in Äthiopien ein Theaterstück zu sexueller Gesundheit auf

Theaterstücke sind ein Teil der Aufklärungsarbeit in den Jugendklubs beim Bonga-Projekt in Äthiopien.

In 2016 haben wir mit dem Umwelt- und Aufklärungsprojekt Bonga in der Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens 15.000 Menschen sensibilisiert. Durch Informationsveranstaltungen wurden die Themen sexuelle Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltiger Umweltschutz in der Gemeinschaft präsenter. Insbesondere schädliche, traditionelle Praktiken wie Kinderehen und weibliche Genitalverstümmelung und deren Auswirkungen wurden angesprochen. Das führte dazu, dass Jugendliche verstärkt Angebote zu Aufklärung und Verhütung in Anspruch nahmen.

Ferner haben wir 33.500 Setzlinge von einheimischen Bäumen und Kaffeepflanzen an die Gemeindemitglieder verteilt und den Jugendklubs Geld für Saatgut zur Verfügung gestellt. Durch den Verkauf von eigenen Setzlingen und Kaffee haben die beteiligten Jugendklubs ihre Einkommen erhöht und so ganz konkret zum Umweltschutz beigetragen.

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Eine Mitarbeiterin des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) in einem Projekt für freiwillige Familienplanung in Sierra Leone.

Eine Mitarbeiterin des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) in einem Projekt für freiwillige Familienplanung in Sierra Leone.
Foto: Abbie Trayler-Smith, H6 Partners (CC BY-NC-ND 2.0)

Die US-Regierung hat Anfang April angekündigt, die Zahlungen an den UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) zu stoppen. Begründet wird dies damit, dass UNFPA angeblich Zwangssterilisationen und -abtreibungen in China unterstützt habe. Diese Vorwürfe weist UNFPA in einer Stellungnahme zurück.

Die Ankündigung der USA wird starke Auswirkungen auf die Arbeit des Fonds haben. 2016 waren die USA mit insgesamt 69 Millionen US-Dollar der drittgrößte staatliche Geldgeber.

UNFPA setzt sich seit 1969 weltweit für das Menschenrecht auf freiwillige Familienplanung und Frauengesundheit ein. Im vergangenen Jahr verhinderte der Fonds mit seiner Arbeit 947.000 ungewollte Schwangerschaften, 295.000 unsichere Abtreibungen und 2.340 Todesfälle bei Schwangerschaft und Geburt.

Zur Stellungnahme
Frau mit Gießkanne in einem Gemüsegarten im Senegal

Foto: Annabelle Shemer (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Einnahme der Antibaby-Pille senkt das Risiko für Darm-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs deutlich. Diese Schutzwirkung bleibt auch 30 Jahre nach Ende der Einnahme bestehen – zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Aberdeen in einer aktuellen Studie.

Die Forscher untersuchten 46.000 Frauen über einen Zeitraum von 44 Jahren. Sie stellten zudem fest, dass die Einnahme bei Frauen, die die Pille während ihrer Fortpflanzungsjahre genommen haben, nicht zu neuen Krebsrisiken im späteren Leben führt.

Gebärmutter- sowie Darmkrebs zählen zu den häufigsten Krebsformen bei Frauen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Gebärmutterkrebs zu der zweithäufigsten Krebserkrankung bei Frauen weltweit. In Entwicklungsländern sind jährlich ca. 445.000 Frauen betroffen (84 Prozent der neuen Fälle weltweit).

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Frau mit Gießkanne in einem Gemüsegarten im Senegal

Kinder in einem von USAID unterstützen Projekt in der demokratischen Republik Kongo.
Foto: USAID (CC BY-NC 2.0)

Viele Menschen in Afrika südlich der Sahara sind auf der Flucht. Wegen Dürren, Hungersnöten, Krankheiten, Krieg und Gewalt. Nun hat US-Präsident Donald Trump in seinem Haushaltsentwurf angekündigt, die Gelder für die Außenbeziehungen der USA um 28 Prozent von 38 Milliarden auf 27,1 Milliarden US-Dollar zu kürzen.

Das betrifft hauptsächlich die US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) sowie verschiedene Institutionen der Vereinten Nationen. Dadurch hätten die Kürzungen direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Afrika südlich der Sahara. Besonders stark würden die Kürzungen Menschen auf der Flucht und in den großen Camps für Geflüchtete zu spüren bekommen.

Nach Genehmigung durch die beiden Kammern des Kongresses würde der Haushaltsplan im Oktober in Kraft treten.

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Frau mit Gießkanne in einem Gemüsegarten im Senegal

Einkommen schaffende Maßnahme: Frau in einem Gemeinschaftsgarten im Senegal
Foto: Jonathan Torgovnik, 2014

Zwischen 1990 und 2015 haben sich mehr als eine Milliarde Menschen weltweit aus der Armut befreit. Es drohen jedoch Rückschläge bei der Entwicklung durch Epidemien, Gewalt, Klimawandel und Naturkatastrophen. Zu diesem Schluss kommt der Bericht zur menschlichen Entwicklung (Human Development Report) 2016 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP).

Ungleiche Chancen innerhalb von Ländern und zwischen Männern und Frauen ist weiterhin verbreitet. Auch wenn sich die Lücke der mangelnden Geschlechtergerechtigkeit langsam schließt, besteht besonders in Entwicklungsländern großer Nachholbedarf. Frauen in Afrika südlich der Sahara beispielsweise haben eine geringere Schulbildung und ein geringeres Einkommen. Im Durchschnitt verliert die Region 95 Milliarden US-Dollar pro Jahr, weil Frauen in geringerem Maße am bezahlten Arbeitsmarkt teilnehmen. In Krisen sind Frauen besonders gefährdet, stellt der Bericht fest: Während der Ebola-Epidemie hatten sie ein höheres Infektionsrisiko als Männer, weil sie hauptsächlich die Pflege der Kranken übernahmen.

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Mutter mit Neugeborenem auf der Entbindungsstation einer Klinik in Uganda

Mutter in einer Entbindungsklinik in Mbale, Uganda
Foto: Jonathan Torgovnik, 2014

Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in Uganda (15 bis 49 Jahre) ist seit 1988/89 von 7,4 auf 5,4 gesunken. Das geht aus dem Uganda Demographic Health Survey (DHS) 2016 hervor. Große Unterschiede gibt es zwischen ländlichen und städtischen Gebieten mit heute 5,9 respektive vier Kindern pro Frau.

Teenagerschwangerschaften sind in dem ostafrikanischen Land verbreitet: Knapp ein Viertel (24,8 Prozent) der Frauen zwischen 15 und 19 Jahren waren zum Zeitpunkt der Untersuchung schwanger oder hatten bereits ein Kind (1988/89: 37,2 Prozent). Dabei steigt der prozentuale Anteil innerhalb dieser Gruppe mit zunehmendem Alter stark an. Bei den 19-Jährigen hatten bereits über die Hälfte (53,9 Prozent) ein Kind oder waren schwanger. Die Studie stellt fest, dass Kinder junger Mütter ein höheres Krankheits- und Sterberisiko haben und die jungen Mütter häufiger Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt erleiden. Außerdem haben sie schlechtere Bildungschancen als gleichaltrige Mädchen und Frauen, die später Kinder bekommen.

Von den befragten verheiraten Frauen wenden 39 Prozent Verhütungsmethoden an, 28 Prozent haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Bei den übrigen Frauen besteht aktuell ein Kinderwunsch.

Zur Studie

Frauen beim Aufklärungsgespräch im Senegal
Foto: Jonathan Torgovnik, 2014

Weltweit haben Regierungen und private Stiftungen bei der „She Decides“-Konferenz in Brüssel am 2. März mehr als 180 Millionen US-Dollar zugesagt, um die Finanzierungslücke von 600 Millionen zu verkleinern, die durch Donald Trumps in Kraft gesetzte „Global Gag Rule“ entsteht. Deutschland hingegen hält sich mit einer Finanzierungszusage zurück.

Der Ende Januar unterzeichneten Richtlinie zufolge werden allen Organisationen, die Abtreibungen anbieten, sich für deren Legalisierung einsetzen oder Frauen und Mädchen zum Thema Schwangerschaftsabbruch beraten, US-amerikanische Entwicklungsgelder komplett gestrichen – auch für solche Angebote, die nichts mit Schwangerschaftsabbrüchen zu tun haben.

Foto: UNAIDS

Aktuell leben weltweit 18,6 Millionen mit HIV infizierte Mädchen und Frauen. Jedes Jahr kommen eine Million Neuinfizierte hinzu. Das geht aus dem Bericht „When women lead, change happens“ von UNAIDS hervor. Vor allem junge Frauen sind von HIV bedroht: In Afrika südlich der Sahara entfallen drei Viertel der Neuinfektionen bei den 15- bis 19-Jährigen auf junge Frauen.

Die Gründe dafür sind vielfältig und beginnen bereits im Kindes- und Jugendalter. Kinderehen und Gewalt gegen Mädchen verdoppeln beispielsweise das Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Oft fehlt es auch an entsprechendem Wissen. In den 35 in Afrika südlich der Sahara untersuchten Ländern wussten nur 30 Prozent der jungen Frauen und 36 Prozent der jungen Männer, wie sie sich effektiv vor einer Ansteckung mit HIV schützen können. Laut Bericht haben viele Länder mittlerweile die Wichtigkeit früher Aufklärung erkannt und in ihre Lehrpläne integriert.

Foto: Chijungunya Mosquito _ CDC Global (CC BY 2.0)

12. März 2017. Ein Medikament gegen Malaria wirkt laut einer Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine gleichzeitig gegen sexuell übertragbaren Krankheiten (STIs). Bei Schwangeren, die eine normale Dosis des Mittels bekamen, gingen lebensbedrohliche Komplikationen, die durch die Infektion mit Malaria oder STIs ausgelöst worden waren, bei der Geburt deutlich zurück. Eine höhere Dosierung zeigte noch größere Erfolge bei der Behandlung. Die Forscher gehen davon aus, dass in der Konsequenz eine erhöhte Gabe des Mittels die Säuglingssterblichkeit senken können. Laut Bericht haben viele Länder mittlerweile die Wichtigkeit früher Aufklärung erkannt und in ihre Lehrpläne integriert.
Zum Bericht

Foto: Treffen des Parlamentarischen Beirats, UNFPA

Bei einem Treffen des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung am 8. März tauschten sich Vertreter des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), Abgeordnete und Vertreter der DSW zu den Entwicklungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR) aus. UNFPA-Exekutivdirektor Babatunde Osotimehin sieht massive Auswirkungen der Global Gag Rule von US-Präsident Trump auf die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen. Um die entstandene Finanzierungslücke zu schließen, bräuchte es sowohl eine schnelle und beherzte Reaktion als auch eine langfristige Lösung. Die Initiative „She Decides“ sei dafür ein guter Anfang.

Inwiefern UNFPA von Mittelkürzungen durch die US-Regierung betroffen sei, ließe sich derzeit noch nicht sagen. Osotimehin fürchtet allerdings erhebliche Budgetkürzungen von bis zu 40 Prozent beim State Department und bei USAID, die sich auch auf die Finanzierung von UNFPA auswirken würden. Konkrete Auswirkungen würden sich vermutlich erst Ende dieses Jahres zeigen. Umso wichtiger sei jetzt ein stärkerer Einsatz Deutschlands für SRGR.