Aktuelle Nachrichten und Entwicklungen

Parlamentarier beim TB Summit.

Anlässlich des vom Global TB Caucus organisierten ersten TB Summits lud der Caucus zusammen mit der DSW am 21. März Parlamentarier aus den G20-Staaten sowie Experten und Vertreter der Zivilgesellschaft ein, um sich zum Thema „multiresistente Tuberkulose“ auszutauschen. Mit insgesamt 1,8 Millionen Todesfällen pro Jahr ist Tuberkulose die weltweit tödlichste Infektionskrankheit. Angesichts zunehmender Resistenzbildungen – allein im Jahr 2015 wurden 580.000 neue Fälle registriert – droht die Eindämmung der Infektionskrankheit in weite Ferne zu rücken.

Beim Parlamentarischen Abend wurden Möglichkeiten diskutiert, wie die Bekämpfung von Tuberkulose sowie die zunehmenden medikamentenresistenten Erreger auf die Tagesordnung des G20-Gipfels gebracht werden können. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG stellte in diesen Rahmen eine neue Studie vor, in dem sie prognostiziert, dass der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2050 durch Tuberkulose ein Schaden von 16,7 Billionen US-Dollar entstehen werden. Der Großteil dieses Schadens – 10,5 Billionen US-Dollar – entsteht innerhalb der G20-Staaten.

Die Teilnehmer des TB Summits appellierten in ihrem Abschlussdokument an die G20-Regierungen, das Thema Tuberkulose sowie die Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen stärker auf die nationale und internationale Agenda zu nehmen.

Renate Bähr, Geschäftsführerin der DSW, überreicht Dirk Roßmann den Steiger Award. Foto: Bauer

Im Rahmen einer Galaveranstaltung mit 250 Gästen in Dortmund wurde Dirk Roßmann am 25. März der „Steiger- Award“ verliehen. Der prominente Preis lehnt an die Tugenden des Bergmanns an und wird daher auch als „Ruhrpott-Oscar“ bezeichnet. Geehrt werden Menschen, „die in ihrem Handeln und Denken Gradlinigkeit, Offenheit und Toleranz bewiesen haben; Menschen, die sich auf ihrem Weg nicht beirren lassen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“.

Dirk Roßmann erhielt den Preis in der Kategorie „Charity“ für sein Engagement als Stifter der DSW. Die Laudatio hielt DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr, die auf 20 gemeinsame Jahre Stiftungsarbeit zurückblickte. Sie erkenne bei Dirk Roßmann „einen unumstößlichen Glauben an das Potenzial junger Menschen“, sagte Renate Bähr. Es gehe ihm immer darum, „die Erwachsenen von morgen und damit unser aller Zukunft“ zu fördern. Es sei diese Weitsicht, die sowohl sein unternehmerisches als auch sein soziales Engagement auszeichne.

Unser Youth Truck in Uganda

Nach einem Projektbesuch in Uganda sagte Alfred Biolek einmal: „Der Youth Truck ist eines der effizientesten und eindrucksvollsten DSW-Projekte. Wir bräuchten zehn davon!“. Doch Bios Traum hat sich bis heute leider nicht erfüllt.

Mehr noch: Es sieht nicht gut aus für unser aktuelles Jugendaufklärungsmobil in Uganda! Die notwendigen Reparaturen sind schon heute zu teuer und es dauert nicht mehr lange, bis wir es nicht mehr für die wichtigen Einsätze nutzen können. Dabei wird Aufklärung in Uganda so dringend benötigt: Fast die Hälfte der etwa 37 Millionen Einwohner ist jünger als 15 Jahre. In diesem Alter haben viele von ihnen bereits ihren ersten Sexualkontakt gehabt, ohne ausreichend aufgeklärt zu sein.

Die Konsequenz: Etwa ein Viertel aller Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren haben bereits ein Kind oder sind schwanger. Damit wir die wichtige Aufklärung auch in Zukunft mithilfe des Youth Trucks in die entlegensten Regionen des Landes bringen können, brauchen wir dringend Ihre Hilfe. Mindestens 35.000 Euro wird es kosten, einen passenden Gebrauchtwagen zu kaufen und für den Einsatz auszustatten. Jeder Beitrag zählt, bitte helfen Sie mit!

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Jugendliche eines Jugendklubs der DSW führen im Bonga-Projekt in Äthiopien ein Theaterstück zu sexueller Gesundheit auf

Patientin bei einer Konsultation in Äthiopien.

Schätzungen zufolge leben weltweit 3,5 Millionen Frauen mit Scheidenfisteln. Schwere innere Verletzungen während des Geburtsvorgangs führen dazu, dass sich sogenannte Scheidenfisteln bilden. Ursachen dafür sind frühe Schwangerschaften und mangelnde medizinische Versorgung. Die jungen Frauen leiden oft ihr ganzes Leben unter Inkontinenz und werden häufig von ihren Familien verstoßen. Dabei sind 95 Prozent der Fälle von Scheidenfisteln heilbar.

Äthiopien ist eines der am stärksten betroffenen Länder der Welt. Mit dem Fight Fistula-Projekt trägt die DSW durch Aufklärung dazu bei, dass Fisteln gar nicht erst entstehen – und vermittelt den Betroffenen eine medizinische Behandlung, sodass sie ein schmerzfreies Leben führen können. Bei unseren Aufklärungsmaßnahmen wird das Umfeld der Betroffenen miteinbezogen, um ihre Stigmatisierung zu beenden.

Im vergangenen Jahr haben wir mit unserer Aufklärungsarbeit über 24.500 Gemeindemitglieder für das Thema Fistula sensibilisiert. 67 Verdachtsfälle wurden in umliegende Krankenhäuser übermittelt. Sechs junge Fistula-Patientinnen erhielten eine kostenlose Behandlung und wurden in ihren Gemeinden reintegriert.

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Jugendliche eines Jugendklubs der DSW führen im Bonga-Projekt in Äthiopien ein Theaterstück zu sexueller Gesundheit auf

Theaterstücke sind ein Teil der Aufklärungsarbeit in den Jugendklubs beim Bonga-Projekt in Äthiopien.

In 2016 haben wir mit dem Umwelt- und Aufklärungsprojekt Bonga in der Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens 15.000 Menschen sensibilisiert. Durch Informationsveranstaltungen wurden die Themen sexuelle Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltiger Umweltschutz in der Gemeinschaft präsenter. Insbesondere schädliche, traditionelle Praktiken wie Kinderehen und weibliche Genitalverstümmelung und deren Auswirkungen wurden angesprochen. Das führte dazu, dass Jugendliche verstärkt Angebote zu Aufklärung und Verhütung in Anspruch nahmen.

Ferner haben wir 33.500 Setzlinge von einheimischen Bäumen und Kaffeepflanzen an die Gemeindemitglieder verteilt und den Jugendklubs Geld für Saatgut zur Verfügung gestellt. Durch den Verkauf von eigenen Setzlingen und Kaffee haben die beteiligten Jugendklubs ihre Einkommen erhöht und so ganz konkret zum Umweltschutz beigetragen.

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Eine Mitarbeiterin des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) in einem Projekt für freiwillige Familienplanung in Sierra Leone.

Eine Mitarbeiterin des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) in einem Projekt für freiwillige Familienplanung in Sierra Leone.
Foto: Abbie Trayler-Smith, H6 Partners (CC BY-NC-ND 2.0)

Die US-Regierung hat Anfang April angekündigt, die Zahlungen an den UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) zu stoppen. Begründet wird dies damit, dass UNFPA angeblich Zwangssterilisationen und -abtreibungen in China unterstützt habe. Diese Vorwürfe weist UNFPA in einer Stellungnahme zurück.

Die Ankündigung der USA wird starke Auswirkungen auf die Arbeit des Fonds haben. 2016 waren die USA mit insgesamt 69 Millionen US-Dollar der drittgrößte staatliche Geldgeber.

UNFPA setzt sich seit 1969 weltweit für das Menschenrecht auf freiwillige Familienplanung und Frauengesundheit ein. Im vergangenen Jahr verhinderte der Fonds mit seiner Arbeit 947.000 ungewollte Schwangerschaften, 295.000 unsichere Abtreibungen und 2.340 Todesfälle bei Schwangerschaft und Geburt.

Zur Stellungnahme
Frau mit Gießkanne in einem Gemüsegarten im Senegal

Foto: Annabelle Shemer (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Einnahme der Antibaby-Pille senkt das Risiko für Darm-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs deutlich. Diese Schutzwirkung bleibt auch 30 Jahre nach Ende der Einnahme bestehen – zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Aberdeen in einer aktuellen Studie.

Die Forscher untersuchten 46.000 Frauen über einen Zeitraum von 44 Jahren. Sie stellten zudem fest, dass die Einnahme bei Frauen, die die Pille während ihrer Fortpflanzungsjahre genommen haben, nicht zu neuen Krebsrisiken im späteren Leben führt.

Gebärmutter- sowie Darmkrebs zählen zu den häufigsten Krebsformen bei Frauen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Gebärmutterkrebs zu der zweithäufigsten Krebserkrankung bei Frauen weltweit. In Entwicklungsländern sind jährlich ca. 445.000 Frauen betroffen (84 Prozent der neuen Fälle weltweit).

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Frau mit Gießkanne in einem Gemüsegarten im Senegal

Kinder in einem von USAID unterstützen Projekt in der demokratischen Republik Kongo.
Foto: USAID (CC BY-NC 2.0)

Viele Menschen in Afrika südlich der Sahara sind auf der Flucht. Wegen Dürren, Hungersnöten, Krankheiten, Krieg und Gewalt. Nun hat US-Präsident Donald Trump in seinem Haushaltsentwurf angekündigt, die Gelder für die Außenbeziehungen der USA um 28 Prozent von 38 Milliarden auf 27,1 Milliarden US-Dollar zu kürzen.

Das betrifft hauptsächlich die US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) sowie verschiedene Institutionen der Vereinten Nationen. Dadurch hätten die Kürzungen direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Afrika südlich der Sahara. Besonders stark würden die Kürzungen Menschen auf der Flucht und in den großen Camps für Geflüchtete zu spüren bekommen.

Nach Genehmigung durch die beiden Kammern des Kongresses würde der Haushaltsplan im Oktober in Kraft treten.

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Frau mit Gießkanne in einem Gemüsegarten im Senegal

Einkommen schaffende Maßnahme: Frau in einem Gemeinschaftsgarten im Senegal
Foto: Jonathan Torgovnik, 2014

Zwischen 1990 und 2015 haben sich mehr als eine Milliarde Menschen weltweit aus der Armut befreit. Es drohen jedoch Rückschläge bei der Entwicklung durch Epidemien, Gewalt, Klimawandel und Naturkatastrophen. Zu diesem Schluss kommt der Bericht zur menschlichen Entwicklung (Human Development Report) 2016 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP).

Ungleiche Chancen innerhalb von Ländern und zwischen Männern und Frauen ist weiterhin verbreitet. Auch wenn sich die Lücke der mangelnden Geschlechtergerechtigkeit langsam schließt, besteht besonders in Entwicklungsländern großer Nachholbedarf. Frauen in Afrika südlich der Sahara beispielsweise haben eine geringere Schulbildung und ein geringeres Einkommen. Im Durchschnitt verliert die Region 95 Milliarden US-Dollar pro Jahr, weil Frauen in geringerem Maße am bezahlten Arbeitsmarkt teilnehmen. In Krisen sind Frauen besonders gefährdet, stellt der Bericht fest: Während der Ebola-Epidemie hatten sie ein höheres Infektionsrisiko als Männer, weil sie hauptsächlich die Pflege der Kranken übernahmen.

Zum Bericht
Mutter mit Neugeborenem auf der Entbindungsstation einer Klinik in Uganda

Mutter in einer Entbindungsklinik in Mbale, Uganda
Foto: Jonathan Torgovnik, 2014

Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in Uganda (15 bis 49 Jahre) ist seit 1988/89 von 7,4 auf 5,4 gesunken. Das geht aus dem Uganda Demographic Health Survey (DHS) 2016 hervor. Große Unterschiede gibt es zwischen ländlichen und städtischen Gebieten mit heute 5,9 respektive vier Kindern pro Frau.

Teenagerschwangerschaften sind in dem ostafrikanischen Land verbreitet: Knapp ein Viertel (24,8 Prozent) der Frauen zwischen 15 und 19 Jahren waren zum Zeitpunkt der Untersuchung schwanger oder hatten bereits ein Kind (1988/89: 37,2 Prozent). Dabei steigt der prozentuale Anteil innerhalb dieser Gruppe mit zunehmendem Alter stark an. Bei den 19-Jährigen hatten bereits über die Hälfte (53,9 Prozent) ein Kind oder waren schwanger. Die Studie stellt fest, dass Kinder junger Mütter ein höheres Krankheits- und Sterberisiko haben und die jungen Mütter häufiger Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt erleiden. Außerdem haben sie schlechtere Bildungschancen als gleichaltrige Mädchen und Frauen, die später Kinder bekommen.

Von den befragten verheiraten Frauen wenden 39 Prozent Verhütungsmethoden an, 28 Prozent haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Bei den übrigen Frauen besteht aktuell ein Kinderwunsch.

Zur Studie

Frauen beim Aufklärungsgespräch im Senegal
Foto: Jonathan Torgovnik, 2014

Weltweit haben Regierungen und private Stiftungen bei der „She Decides“-Konferenz in Brüssel am 2. März mehr als 180 Millionen US-Dollar zugesagt, um die Finanzierungslücke von 600 Millionen zu verkleinern, die durch Donald Trumps in Kraft gesetzte „Global Gag Rule“ entsteht. Deutschland hingegen hält sich mit einer Finanzierungszusage zurück.

Der Ende Januar unterzeichneten Richtlinie zufolge werden allen Organisationen, die Abtreibungen anbieten, sich für deren Legalisierung einsetzen oder Frauen und Mädchen zum Thema Schwangerschaftsabbruch beraten, US-amerikanische Entwicklungsgelder komplett gestrichen – auch für solche Angebote, die nichts mit Schwangerschaftsabbrüchen zu tun haben.

Foto: UNAIDS

Aktuell leben weltweit 18,6 Millionen mit HIV infizierte Mädchen und Frauen. Jedes Jahr kommen eine Million Neuinfizierte hinzu. Das geht aus dem Bericht „When women lead, change happens“ von UNAIDS hervor. Vor allem junge Frauen sind von HIV bedroht: In Afrika südlich der Sahara entfallen drei Viertel der Neuinfektionen bei den 15- bis 19-Jährigen auf junge Frauen.

Die Gründe dafür sind vielfältig und beginnen bereits im Kindes- und Jugendalter. Kinderehen und Gewalt gegen Mädchen verdoppeln beispielsweise das Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Oft fehlt es auch an entsprechendem Wissen. In den 35 in Afrika südlich der Sahara untersuchten Ländern wussten nur 30 Prozent der jungen Frauen und 36 Prozent der jungen Männer, wie sie sich effektiv vor einer Ansteckung mit HIV schützen können. Laut Bericht haben viele Länder mittlerweile die Wichtigkeit früher Aufklärung erkannt und in ihre Lehrpläne integriert.

Foto: Chijungunya Mosquito _ CDC Global (CC BY 2.0)

12. März 2017. Ein Medikament gegen Malaria wirkt laut einer Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine gleichzeitig gegen sexuell übertragbaren Krankheiten (STIs). Bei Schwangeren, die eine normale Dosis des Mittels bekamen, gingen lebensbedrohliche Komplikationen, die durch die Infektion mit Malaria oder STIs ausgelöst worden waren, bei der Geburt deutlich zurück. Eine höhere Dosierung zeigte noch größere Erfolge bei der Behandlung. Die Forscher gehen davon aus, dass in der Konsequenz eine erhöhte Gabe des Mittels die Säuglingssterblichkeit senken können. Laut Bericht haben viele Länder mittlerweile die Wichtigkeit früher Aufklärung erkannt und in ihre Lehrpläne integriert.
Zum Bericht

Foto: Treffen des Parlamentarischen Beirats, UNFPA

Bei einem Treffen des Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung am 8. März tauschten sich Vertreter des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), Abgeordnete und Vertreter der DSW zu den Entwicklungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR) aus. UNFPA-Exekutivdirektor Babatunde Osotimehin sieht massive Auswirkungen der Global Gag Rule von US-Präsident Trump auf die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen. Um die entstandene Finanzierungslücke zu schließen, bräuchte es sowohl eine schnelle und beherzte Reaktion als auch eine langfristige Lösung. Die Initiative „She Decides“ sei dafür ein guter Anfang.

Inwiefern UNFPA von Mittelkürzungen durch die US-Regierung betroffen sei, ließe sich derzeit noch nicht sagen. Osotimehin fürchtet allerdings erhebliche Budgetkürzungen von bis zu 40 Prozent beim State Department und bei USAID, die sich auch auf die Finanzierung von UNFPA auswirken würden. Konkrete Auswirkungen würden sich vermutlich erst Ende dieses Jahres zeigen. Umso wichtiger sei jetzt ein stärkerer Einsatz Deutschlands für SRGR.