Neue Wege zur Finanzierung globaler Gesundheit

Christoph Behrends Blog, Globale Gesundheit 0 Comments

Die Finanzierung von Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich ist eines der Themen der globalen Entwicklungsagenda, über die die internationale Gemeinschaft dieses Jahr auf mehreren internationalen Gipfeln debattieren wird. Wir haben mit Dr. Schäferhoff, Associate Director bei SEEK Development in Berlin, über die Auswirkungen der Ebola-Krise, über die Herausforderungen für Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich und über die nächsten Entwicklungen in der Finanzierung globaler Gesundheit gesprochen. Er hat mit der Lancet-Kommission für Investitionen in Gesundheit zusammen gearbeitet und kürzlich gemeinsam mit Chatham House ein Hintergrundpapier für das Rethinking the Global Health Architecture-Projekt veröffentlicht.

Herr Schäferhoff, was hat die Weltgemeinschaft aus der Ebola-Krise gelernt?

Zunächst einmal hat die langsame internationale Reaktion auf die Ebola-Krise in Westafrika offenbart, dass die in der globalen Gesundheitsarchitektur existierenden Kapazitäten unzureichend sind, um rasch und angemessen auf globale Gesundheitskrisen zu reagieren. Die Krise hat auch eindringlich vor Augen geführt, dass es große Lücken in der Finanzierung von Kernfunktionen des Gesundheitsbereichs gibt – etwa für Vorsorge und Reaktion auf Epidemien, für die Koordinierung von Interventionen und für Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten Krankheiten. Zum Mandat der Weltgesundheitsorganisation gehört die Koordination der Aktivitäten in Antwort auf die Ebola-Krise. Dass sie so langsam reagiert hat, muss auch vor dem Hintergrund diskutiert werden, dass die Weltgesundheitsorganisation zu wenig finanzielle Mittel für den Umgang mit Ausbrüchen und Krisen zur Verfügung hat. Vor der Krise wurde ihr Budget in diesem Bereich nochmals um fast 50% gekürzt.

Neben der Reaktion wird im Zusammenhang mit Ebola ja auch die Prävention diskutiert. Können Sie darauf eingehen, warum Sie und Ihre Kollegen zusätzlich zu Entwicklungsgeldern auch Mittel für Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten Krankheiten in Ihre Analyse mit aufgenommen haben?

Wir wollten ein umfassenderes Bild davon zeichnen, wie Geber Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich fördern. Obwohl Investitionen in Forschung und Entwicklung zu den effektivsten zählen, ist dieser Bereich der globalen Gesundheit weiter unterfinanziert. Zudem fehlt eine umfassende Datenbank, die die Investitionen abbildet. Wir haben durch das Zusammenführen und die Analyse verschiedener Datenbaken berechnet, wie viel finanzielle Mittel Geber insgesamt für diesen Bereich zur Verfügung stellen. Im Hinblick auf die Post-2015-Agenda hoffen wir, dass diese Transparenz sich positiv auf die Herangehensweise von politischen Entscheidungsträgern auswirkt.[box type=”note” ]Die Studie „How much donor financing for health is channeled to global versus country-specific aid functions“ untersucht erstmalig, wie viel Gelder von Gebern für globale und länderspezifische Herausforderungen im Gesundheitsbereich bereitgestellt werden. Dazu wird eine neue Definition für Gesundheitsfinanzierung vorgestellt, die die Ausgaben für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit mit Ausgaben für pharmazeutische Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten kombiniert.
Zur Studie[/box]

Warum ist es wichtig, Forschung und Entwicklung zu armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten stärker finanziell zu fördern?

Millionen von Menschen in armen Ländern sterben nach wie vor an Krankheiten, die als Folge von Investitionen in Forschung und Entwicklung eingedämmt werden könnten. Die Lancet-Kommission für Investitionen in Gesundheit hat deutlich gemacht, dass Investitionen in diesen Bereich zu den effektivsten gehören. Es ist erfreulich, dass Gelder, die für die Entwicklung von Medikamenten, Impfstoffen und anderen Technologien, wie diagnostischen Tests, für vernachlässigte Krankheiten zur Verfügung stehen, gestiegen sind. Das reicht aber noch nicht aus.

Wie groß ist die Finanzierungslücke für Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich?

Eine Expertengruppe der WHO und die Lancet-Kommission haben zu einer Verdoppelung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich aufgerufen – von drei Milliarden auf sechs Milliarden US-Dollar. Dies ist eine Schätzung; weitere Berechnungen zum Finanzierungsbedarf wären notwendig. Unsere Analyse zeigt, dass wir weit von diesen sechs Milliarden US-Dollar entfernt sind. Die geringe Finanzierung ist aber nicht die einzige Herausforderung. Ein weiteres Problem ist, dass die Geber oft unabhängig voneinander fördern, was zu einer fragmentierten Finanzierungslandschaft führt. Das erschwert die Einführung und Ausweitung neuer Gesundheitstechnologien und -produkte.

Wie können die Geber zu größeren Investitionen in diesen Bereich bewegt werden?

In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren hat es Fortschritte in der Forschung und Entwicklung zu vernachlässigten und armutsbedingten Krankheiten gegeben. Produktentwicklungspartnerschaften sind dabei ebenso entstanden wie innovative Methoden für die Finanzierung, zum Beispiel Vorabsprachen für die Vermarktung von Impfstoffen. Bei der Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Addis Abeba gab es neue Ideen dazu, wie die Finanzierung verbessert werden kann. Dazu zählt etwa die „Health Investors‘ Platform for R&D“, die von PATH, der Gates-Stiftung und Mitgliedern der Lancet-Kommission vorgeschlagen wurde. Sie könnte einen Beitrag leisten, indem sie Financiers Wissen über erfolgversprechende Technologien vermittelt.

[box type=”note” ]Ein Hintergrundpapier, das gemeinsam mit Chatham House entstanden ist, analysiert Veränderungen, die die globale Gesundheit beeinflussen werden sowie deren Auswirkungen auf die globale Gesundheitsarchitektur. Das Dokument stellt Vorschläge für zukünftige Reformen vor und zeigt die Grundlinien für eine neue Governance-Architektur auf. Die Ergebnisse der Studie hatten maßgeblichen Einfluss auf den finalen Bericht des Global Health Architecture-Projekts, der in den kommenden Monaten vorgestellt wird.[/box]

Welches sind aus Ihrer Sicht die erfolgversprechenden Innovationen im Bereich der globalen Gesundheit?

Derzeit laufen viele wichtige Forschungsprojekte; es ist schwer, ein einzelnes hervorzuheben. Wichtig ist eine transparente Priorisierung. PATH hat das vor kurzem mit seinem Innovation Countdown 2030-Projekt getan. Experten aus aller Welt haben mit der Delphi-Methode erfolgversprechende Innovationen bewertet. Im Ergebnis stand eine Liste von 30 Innovationen, die bahnbrechend sein könnten – zum Beispiel neue Rezepturen für Oxytocin, um nachgeburtliche Blutungen zu stoppen, vorbeugende Impfungen gegen Malaria und HIV und lang wirkende antiretrovirale Medikamente, die injiziert werden.

Was erhoffen Sie sich von der Post-2015-Agenda in Bezug auf globale Gesundheit?

In der Ära der nachhaltigen Entwicklungsziele wird die Förderung von Forschung und Entwicklung bei armutsbedingten Krankheiten anders aussehen müssen. Für Geber bietet das eine Gelegenheit, mehr Führungsverantwortung im Bereich der globalen Gesundheit zu übernehmen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.