Papst Franziskus öffnet sich für Familienplanung – aber wieso nur im Falle von Zika?

Ute Stallmeister Blog, Globale Gesundheit, Weibliche Genitalverstümmelung 0 Comments

Papst Franziskus hat gerade geäußert, dass Frauen angesichts der gesundheitlichen Bedrohung von Zika Verhütungsmittel benutzen dürften. Das ist ein Meilenstein für die katholische Kirche – aber nur ein kleiner Schritt für das Menschenrecht auf Familienplanung. Denn: Was, wenn Zika eines Tages bekämpft ist? Und: Was ist mit all den Frauen, die außerhalb der Zika-endemischen Gebiete leben? Wie kann es sein, dass die katholische Kirche ihnen weiterhin das Menschenrecht auf Familienplanung verwehrt?

Im Jahr 1968 gestanden die Vereinten Nationen jedem Menschen das Recht zu, frei und eigenverantwortlich darüber zu entscheiden, ob, wann und wie viele Kinder er bekommen möchte. Dieses Menschenrecht wird von der katholischen Kirche mit ihrer konservativen Sexualmoral missachtet. Denn mit wenigen Ausnahmen – wie der gerade vom Papst geäußerten – lehnt die katholische Kirche Verhütungsmittel grundsätzlich ab. Der Papst sollte endlich die Realitäten anerkennen und auch Katholiken ein sicheres Sexualleben zugestehen!

Derzeit kann jede vierte Frau in Entwicklungsländern nicht verhüten, obwohl sie eine Schwangerschaft vermeiden möchte. Wenn alle Menschen Zugang zu Familienplanung bekämen, gäbe es pro Jahr 21 Millionen weniger ungewollte Geburten und 24 Millionen weniger Schwangerschaftsabbrüche. Familienplanung würde also helfen, die vom Papst als das „absolut Böse“ verteufelten Abtreibungen zu vermeiden.

Ungewollte Schwangerschaften, die oft zu unsicheren Abtreibungen führen, sind eine der Hauptursachen für die hohe Müttersterblichkeit: Alle zwei Minuten stirbt eine Frau infolge von Komplikationen bei der Schwangerschaft oder der Geburt – insgesamt mehr als 303.000 Frauen jährlich, fast ausschließlich in Entwicklungsländern.

Dass Hunderttausende Frauen unter anderem aufgrund der konservativen Sexualmoral sterben müssen, kann nicht im Sinne der katholischen Kirche sein! Nächstenliebe sieht anders aus.

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