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Kein Fortschritt ohne Forschung: Rückläufige Investitionen gefährden globale Gesundheit

Pressemitteilung | 07. April 2026 | #Gesundheitsforschung #Globale Gesundheit #Weltgesundheitstag

Mehr als 150 Millionen Menschenleben wurden seit 1974 durch Impfungen gerettet, Krankheiten wie Polio dadurch nahezu besiegt. Doch es treten immer wieder neue Erreger oder auch Resistenzen auf, die Menschenleben bedrohen und die Wissenschaft herausfordern. Diese Herausforderung ernst zu nehmen und in Forschung und Entwicklung nicht nachzulassen, dazu ruft die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) gemeinsam mit GLOHRA (German Alliance for Global Health Research) anlässlich des heutigen Weltgesundheitstages auf.

„Gemeinsam für die Gesundheit. Setzen wir auf die Wissenschaft“ lautet dieses Jahr das offizielle Motto der Weltgesundheitsorganisation (WHO), denn die Relevanz medizinischer Forschung anzuerkennen ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. „Wissenschaft braucht Förderung, und wenn diese ausbleibt, bremst das nicht nur den Fortschritt, sondern gefährdet unser aller Gesundheit“, warnt Angela Bähr, Vorständin Programme der DSW. Nicht zuletzt das Beispiel HIV und Aids zeige, wie wirkungsvoll Wissenschaft sein kann. „Wir erleben ganz aktuell in unserer Projektarbeit in Ostafrika aber auch, wie es insbesondere Frauen und Mädchen trifft, wenn lebenswichtige Medikamente ausbleiben.“

Mit dem Präventionspräparat Lenacapavir wurde ein auch für das alltägliche Leben wesentlicher Durchbruch erreicht: Dabei handelt es sich um eine Injektion, die alle sechs Monate verabreicht werden muss, und damit einen sehr viel effektiveren Schutz vor dem HI-Virus bietet als die bisherigen Präparate, die in Form von Tabletten täglich eingenommen werden müssen. Das Problem ist allerdings der Preis, denn dort wo das Präparat am dringendsten gebraucht wird, können es sich die wenigsten leisten: 63 Prozent der Neuinfektionen weltweit passieren in Subsahara Afrika, fast zwei Drittel davon betreffen Frauen – Tendenz zuletzt wieder steigend. Doch braucht es die Förderung nicht nur, um die Medikamente erschwinglich zu machen. Auch die Grundlagenforschung ist nach wie vor unverzichtbar, etwa um einen nicht nur für begrenzte Zeit, sondern dauerhaft wirkenden Impfstoff gegen das HI-Virus zu entwickeln.

Die finanzielle Förderung ist jedoch seit Jahren rückläufig: Allein zwischen 2021 und 2024 sind die Investitionen in Forschung und Entwicklung zu HIV und Aids um 500 Millionen US-Dollar zurückgegangen – die von Donald Trump seit Beginn 2025 beschlossenen Kürzungen noch nicht einberechnet. Zugleich nimmt die Zahl der HIV- Neuinfektionen wieder merklich zu. Auch bei anderen Krankheiten zeigt sich, wie fragil Fortschritte sind: Sinkende Impfraten führen dazu, dass Polio in einigen Regionen wieder auftritt. „In Zeiten, in denen die Bedeutung von Wissenschaft und Impfungen weltweit zunehmend in Frage gestellt wird, ist der Appell der WHO wichtiger denn je: Regierungen tragen eine gemeinsame Verantwortung, in Forschung zu investieren und wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheidungen einzubeziehen“, sagt Nora Anton, Managing Director von GLOHRA. „Ohne verlässliche, gerechte und nachhaltige Forschungsförderung kann Wissenschaft ihr Potenzial nicht entfalten – und globale Gesundheit bleibt unerreichbar.“

Nicole Langenbach

Pressesprecherin Abteilungsleitung Kommunikation