Weltbevölkerungsbericht 2025: Familienplanung weltweit unter Druck
Zwangspolitik wirkt kontraproduktiv – echte Wahlfreiheit entsteht nur durch Gleichstellung: mehr im Bericht 2025
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Berlin, 14.01.2026. Die wesentlichen Hebel, um Armut zu überwinden und gesellschaftliche Stabilität zu erreichen sind der Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und selbstbestimmter Familienplanung – insbesondere für junge Frauen und Mädchen. “Im neuen Reformplan 2026 des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) wird die Überwindung von Hunger und Armut als zentrales Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit benannt, die strukturellen Treiber von Armut und Ungleichheit bleiben in dem Papier jedoch unberücksichtigt”, analysiert Angela Bähr, Vorständin Programme bei der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). “Zudem wird eine Entwicklungszusammenarbeit, die diese Faktoren ausblendet, ihrem eigenen Anspruch, feministisch zu sein, nicht gerecht.”
Weltweit sei ein Erstarken von Anti-Rights-Bewegungen zu beobachten, die gezielt die Rechte von Frauen und marginalisierten Gruppen schwächen wollen. “Gerade in dieser globalen Situation ist es ein fatales Signal, wenn sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte nicht klar benannt und strategisch verankert werden”, mahnt Angela Bähr. Dabei habe sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag noch ausdrücklich zur Stärkung sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte bekannt. Dieser politische Anspruch spiegele sich im Reformplan des BMZ nicht wider, konstatiert Bähr.
Schon jetzt mangelt es an verlässlicher Finanzierung: Täglich infizieren sich 570 junge Frauen und Mädchen neu mit HIV, während Versorgungsstrukturen wegbrechen. PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) ist vielerorts nicht ausreichend verfügbar, ebenso wenig wie Kondome – dabei sind sie ein kostengünstiges und wirksames Präventionsmittel. Laut Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) bringt jeder in Familienplanung investierte US-Dollar einen wirtschaftlichen Ertrag von acht US-Dollar. Müssten Frauen nicht ein Viertel ihres Lebens länger als Männer in schlechter Gesundheit verbringen, ließe sich die globale Wirtschaftschaftsleistung bis 2040 um 1 Billion USD stärken. Voraussetzung dafür sind jedoch verlässliche Investitionen in Prävention, Aufklärung und Gesundheitsversorgung.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit vergebe ihre Chance, ein wichtiger Akteur in der Neugestaltung der internationalen Gesundheitsarchitektur zu sein, wenn sie ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die bilaterale Zusammenarbeit mit den ärmsten Ländern vor allem auf dem afrikanischen Kontinent aufkündige und für den Sektor Gesundheit nur auf multilaterale Förderung setze, befürchtet Bähr und resümiert: “Der Reformplan des BMZ bietet die Chance, Deutschlands entwicklungspolitische Wirkung zu erhöhen, allerdings dürfen selbstbestimmte Sexualität und Familienplanung und damit die nachhaltige Bevölkerungsentwicklung in dieser Zukunftsstrategie nicht fehlen.”
Foto: (c) Brian Otieno/ DSW