Kenianische Schülerinnen sitzen vor einem Computerbildschirm
Ein Schulbesuch sollte für alle Menschen möglich sein. Doch gerade Mädchen in Entwicklungsländern haben nicht die selben Möglichkeiten für Bildung, wie ihre männlichen Altersgenossen oder Mädchen in Industrieländern. © Jonathan Torgovnik/Reportage by Getty Images

Schulbesuch – Ein Traum für viele

Ute Stallmeister Blog, Jugendliche Leave a Comment

Grundschulbildung für alle Kinder dieser Erde – das war eines der wichtigsten Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000. Es sollte bis 2015 verwirklicht werden. Doch das blieb ein Wunsch. Obwohl die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchten, seit 2000 fast halbiert wurde, gehen derzeit etwa 63 Millionen heranwachsende Mädchen weltweit nicht zur Schule. Auffallend sind die unterschiedlichen Anteile beim Schulbesuch zwischen Mädchen und Jungen in Entwicklungsländern.

Bildung: Mädchen in einer Schule in Kenia

Aufklärungsunterricht für kenianische Mädchen in einem Slum in Nairobi. Für viele Mädchen in Entwicklungsländern bleibt der Schulbesuch jedoch ein unerfüllter Traum.
© Jonathan Torgovnik/Reportage by Getty Images

Am größten sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede in Afrika südlich der Sahara. Gleichzeitig gab es dort auch die deutlichsten Fortschritte. Fast überall ist der Grundschulunterricht nun kostenlos, und die Schulpflicht steht im Gesetz. Dennoch: 2015 haben 20 Prozent der Kinder in diesem Teil der Erde nie ein Klassenzimmer gesehen oder die Grundschule nicht vollendet (UN MDG Report 2015). Jedes dritte Kind bricht die Grundschullaufbahn vorzeitig ab.

Daher wurde das Thema Bildung auch als Ziel Nr. 4 in die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) aufgenommen. Bis 2030 sollen Mädchen und Jungen gleichberechtigt eine kostenlose und hochwertige Grund- und Sekundarschulbildung abschließen können, die sie mit dem nötigen Wissen für ihr weiteres Leben ausstattet.

Mädchen bei Bildung im Nachteil

Mädchen bleibt Schulbildung derzeit noch deutlich häufiger verwehrt als Jungen. Einer der Gründe: Wenn Eltern kaum das Geld für die Schulkleidung, Lehrbücher und Hefte haben, werden sie diese Kosten eher für einen Sohn als für eine Tochter aufbringen, denn die wird heiraten und von ihrem Mann versorgt werden – so die weit verbreitete Einstellung, die den niedrigen gesellschaftlichen Status von Mädchen und Frauen zu verewigen droht. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Zahl der Analphabeten. Von den weltweit schätzungsweise 758 Millionen Erwachsenen, die nicht lesen und schreiben können, sind ungefähr zwei Drittel (479 Millionen) Frauen.

Mädchen müssen, anders als ihre Brüder, schon früh Aufgaben im Haushalt übernehmen. Manche Länder wie Indien haben reagiert und zahlen Familien eine Prämie, wenn ihre Töchter die höhere Schule vollenden. Bildung ist wichtig, um später einen guten Beruf ausüben zu können und ein ausreichendes Gehalt zu bekommen. Wer über seine Rechte Bescheid weiß, kann diese auch in Anspruch nehmen und sich gegen Ungerechtigkeit zur Wehr setzen.

Bildung als Sprungbrett für das weitere Leben

Wir als DSW setzen uns in Ostafrika dafür ein, dass Mädchen und Frauen sich aus der traditionellen Rollenverteilung befreien können, und sie Zeit zum Lernen und die Chance auf eine Berufsausbildung bekommen. Außerdem lernen sie ihre Rechte kennen, um aktiv die Gesellschaft und damit ihre Zukunft mitgestalten zu können. Bildung für junge Frauen, vor allem das Wissen über den eigenen Körper, Sexualität und Verhütung, ist das wichtigste Mittel gegen Kinderehen und Teenagerschwangerschaften.

Illustration mit einem kleinen Mädchen und Berufsmöglichkeiten. Voraussetzung: Bildung

Bildung schützt Mädchen unter anderem vor Kinderehen und Teenagerschwangerschaften und eröffnet ihnen viele Möglichkeiten.

Die Vereinten Nationen haben errechnet, dass wenn alle Mädchen Grundschulbildung hätten, die Zahl der Kinderehen weltweit um 14 Prozent sinken würde. Könnten alle Mädchen eine weiterführende Schule besuchen und abschließen, würde die Zahl der Kinderehen sogar um zwei Drittel zurückgehen. Ähnlich sehe es bei den Teenagerschwangerschaften aus: Die Zahl würde bei Grundschulbildung für alle Mädchen um zehn Prozent, bei Sekundarschulbildung für alle Mädchen um 59 Prozent sinken.

Bildung ist ein Menschenrecht. Sie befähigt Menschen, ihre politische, soziale, kulturelle, und wirtschaftliche Situation zu verbessern. Jedes Kind hat das Recht auf eine Schulausbildung und jeder Mensch ein Anrecht darauf, seine grundlegenden Lernbedürfnisse zu befriedigen – ein Leben lang. Bildung ist der Schlüssel für eine zukunftsfähige Entwicklung und deshalb ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungspolitik und Bestandteil der Nachhaltigen Entwicklungsziele. Damit Schule kein Traum bleibt, sondern Wirklichkeit wird.

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