Drei Frauen sitzen beim Gespräch über Aufklärung und Verhütung in einem Restaurant am Tisch.
Plaudern in Nairobi in entspannter Runde über Sex und Verhütung: Die DSW-Mitarbeiterinnen Rena, Alice und Njeri (von links).

Sex und Nairobi City: drei Frauen – drei Länder – drei Geschichten über Sex und Verhütung

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Gastbeitrag von Rena Föhr

Wie ist es, eine Frau zu sein – in Kenia, in Deutschland, und in England? Alice, Njeri und Rena von der DSW sprechen in Nairobi offen über Kondom-Ausstellungen, darüber wie es ist, wenn man sich Verhütung nicht leisten kann und was sie von ihren Regierungen fordern.

Wie war bei euch die Sexualaufklärung in der Schule? 

Njeri: In Kenia lernt man in der Schule nichts über Verhütungsmittel. Wir haben das „ABC“-Prinzip gelernt: „A“ bedeutete „Abstinenz“, was „B“ hieß, habe ich vergessen, und C bedeutete „Condoms“ – aber darüber haben wir nicht wirklich gesprochen. Die Botschaft lautete, sich an „A“ zu halten.

Alice: In England gab es den ersten Aufklärungsunterricht für uns, als wir elf Jahre alt waren. Die Schulkrankenschwester kam und führte „Das Gespräch“ mit uns. Das klang etwas beängstigend, war aber eigentlich eine gute Sache und sehr informativ. Dort haben wir in erster Linie gelernt, welche körperlichen Veränderungen wir in der Pubertät zu erwarten hatten. Mit dreizehn lernten wir etwas über die verschiedenen Verhütungsmethoden. Wir haben aber nicht über beiderseitiges Einvernehmen gesprochen oder über Spaß am Sex.

Rena: In Deutschland lernte man zuerst etwas über die Geschlechtsorgane. Das war sehr biologisch. Dann haben wir uns einen Zeichentrickfilm über die Pubertät angeschaut, in dem sich die Pickel eines Jungen in Eiffeltürme verwandelten – das war ziemlich traumatisch! In der neunten Klasse sind wir zu einer Kondom-Ausstellung gegangen, bei der ein Mann mittleren Alters namens Wolfgang eine Führung machte. Von ihm erfuhren wir etwas über die Geschichte des Kondoms – von den ersten Kondomen der Antike, die aus Ziegenblasen angefertigt wurden, bis hin zu Kondomen mit weihnachtlichem Design. Außer über die Pille und Kondome haben wir nie über andere Verhütungsmethoden gesprochen.

Woher bekommt ihr Verhütungsmittel? Welche Methode verwendet ihr?

Njeri: In Kenia gibt es alle Verhütungsmittel. In vielen öffentlichen Einrichtungen gibt es Kondomautomaten, und von mobilen Kliniken und in Universitäten bekommt man kostenlose Kontrazeptiva. Aber je nachdem wo man lebt, hat man vielleicht keinen Zugang zu Informationen oder das Thema Verhütung wird stigmatisiert. In ländlichen Gebieten gibt es zwar auch Kondome zu kaufen, aber im Dorf kennt jeder jeden. Wenn man also anonym bleiben möchte, fährt man am besten in den nächsten Ort. Was mich persönlich betrifft, so habe ich in meinem Studium an der Kenyatta University umfassende Informationen über Verhütung bekommen. Ich lebe in einer langfristigen Beziehung, also habe ich mich für eine Spirale entschieden.

Alice: In England sind Kontrazeptiva für alle kostenlos. Aber ich lebe in Deutschland, wo Verhütungsmittel nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Ich verwende einen Hormonring, der kostet ungefähr hundert Euro für sechs Monate. Einmal konnte ich mir keinen neuen Ring einsetzen lassen, weil ich einfach nicht genug Geld hatte.

Rena: Nachdem wir uns auf sexuell übertragbare Krankheiten hatten testen lassen, haben mein Partner und ich mit der kombinierten Temperatur- und Körperbeobachtungsmethode Sensiplan angefangen. Dabei kann man anhand der Temperatur und des Zervixschleims die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus bestimmen. In der fruchtbaren Zeit benutzen wir Kondome oder ein Caya-Diaphragma. Wir haben viel recherchiert, einen Sensiplan-Kurs gemacht und waren bei einer spezialisierten Gynäkologin, um zu lernen, wie man das Diaphragma benutzt. In Berlin ist so etwas leicht zu finden (wenn auch ziemlich teuer), aber in ländlichen Gebieten wissen die meisten Ärzt*innen wahrscheinlich nicht, wie man diese Methoden vermittelt.

Drei Frauen sitzen in einem Bus in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

Welche Hindernisse gibt es sonst noch?

Njeri: In Kenia ist es ein Stigma, wenn eine Frau Kondome kauft. Es ist aber wichtig, eigene Kondome dabei zu haben! Das heißt lediglich, dass man auf seine Gesundheit achtet. Wenn jemand einen dafür verurteilt oder sich weigert, ein Kondom zu benutzen, dann sollte man besser gehen.

Alice: Auf jeden Fall. Ich habe mal mit einem Schluss gemacht, weil er mich so unter Druck gesetzt hat, keine Kondome zu benutzen. Er wollte unbedingt, dass ich hormonell verhüte, obwohl ich das zu der Zeit nicht wollte. Solche Männer interessieren sich weder für deine noch für ihre eigene Gesundheit.

Rena: Mir haben auch schon männliche Freunde das Gegenteil erzählt, nämlich dass ihre weiblichen Geschlechtspartner sie überreden wollten, kein Kondom zu benutzen. Ich finde es so oder so inakzeptabel. Wenn man bei solchen Leuten eine Verhaltensänderung bewirken will, muss man schon umfassende Aufklärungsarbeit leisten.

Was sollte sich ändern in deinem Land?

Alice: In England sollten der Aspekt des beiderseitigen Einvernehmens, des gegenseitigen Respekts und der Freude am Sex bei der Sexualaufklärung stärker berücksichtigt werden. In Deutschland wünsche ich mir, dass die Krankenversicherung die Kosten für Verhütungsmittel übernimmt!

Njeri: Sex sollte in der High School nicht länger ein Tabuthema sein. Statt Enthaltsamkeit zu predigen, sollten die Jugendlichen lernen, Verantwortung für ihre Gesundheit und ihre Sexualität zu übernehmen.

Rena: Wir brauchen mehr und bessere Informationen über sexuell übertragbare Krankheiten. Außerdem sollten auch kostenlose Tests angeboten werden.

Das Interview ist zum Weltfrauentag am 8. März 2018 im englischen Original auf dem internationalen Blog der DSW erschienen.

Über die Autorin: Rena Föhr ist internationale Kommunikationsreferentin im DSW-Büro in Berlin.

Willst Du wissen, wie es um die Verhütung in Deinem Land bestellt ist?

Einen Überblick über die europäischen Länder bietet der European Contraception Atlas (PDF).

 

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