Reisetagebuch Äthiopien (Teil 2): Die Show über Sexaufklärung an der Bushaltestelle

Denny Ehrlich Allgemein, Blog, Jugendliche, Projektberichte 0 Comments

Tag 2 der Projektreise führte uns an eine belebte Bushaltestelle. Das Besondere: Hier veranstalten Jugendliche ein große Show und sprechen so offen in der Bevölkerung das Thema Sexualität an. Was es damit auf sich hat, lest ihr im zweiten Teil des Reisetagebuchs.  

Falls ihr es noch nicht kennt: Hier geht es zu Teil 1! 

Tag 2: Die Show über Sexualaufklärung an der Bushaltestelle Assela

Band


Mit Musik wird eingeheizt!

Schon von weitem ohrenbetäubendem Lärm, überall wuseln Menschen. Doch das Gedränge entsteht hier nicht, weil die Menschen um die besten Plätze in den Minibussen kämpfen. Nein, alle wollen einen guten Blick auf die Jugendlichen des SERK-Klubs, die hier mit ihrer Show für Begeisterung sorgen. Mitten auf dem Busbahnhof stehen Jugendliche mit E-Gitarren und Keyboards – und veranstalten eine ohrenbetäubende Show über Verhütung, über Gleichberechtigung, über ihre Jugendgeneration, der es immer noch an Mitsprache fehlt. Mitsprache, die sie dringend brauchen, denn von hundert Millionen Menschen in Äthiopien sind 60% unter 25 Jahre. Zwischen den Musikeinlagen kommen die Jugendlichen zu Wort und diskutieren Jugendthemen vor einem großen Publikum. Viele Menschen stehen auf parkenden Bussen, um einen Blick auf die Szenerie zu erhaschen. Ein Mädchen erzählt frei, wie sie sich vor einer frühen Schwangerschaft schützen kann.

Knut Gerschau grüßt die Jugendlichen – auf Amharisch!

Knut Gerschau grüßt die Jugendlichen – auf Amharisch!

„Ihre Mutter könnte auch im Publikum sein – und das wäre kein Problem“, sagt Esayas vom äthiopischen Büro der Stiftung. „Früher wäre das für ein junges Mädchen undenkbar gewesen, hier so offen über Sexualität zu sprechen“.

Währenddessen verteilen Jugendklubmitglieder die Gits Woltat, Äthiopiens größte Jugendzeitschrift, herausgegeben von der Stiftung Weltbevölkerung. Jeder will ein Magazin, nicht jeder bekommt eins. Doch später werden sie weitergereicht. Und das macht den Erfolg der Zeitschriften aus: Jede Ausgabe wird sieben oder achtmal weitergereicht. Hunderttausende Jugendliche werden so mit jeder Ausgabe erreicht. Vor der Bühne steht ein kleines Zelt, wo die Menschen die Chance haben, sich mit einem Schnelltest über ihren HIV-Status zu informieren.

 

Eth Rossmannreise Renate 10.15 (4)

Gute Stimmung bei Dirk Roßmann und Sylvia von Metzler

Dieses Mädchen erzählt frei, wie sie sich vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen kann.

Trikots für die Mädchen im Jugendklub

Wir sind immer noch in Assela, fahren aber nun weiter zu der Einrichtung der Jugendlichen, die diese beeindruckende Show an der Bushaltestelle veranstalten. Außerhalb vom Jugendklub wartet schon ein kleines Café und empfängt Gäste. Mit den Einnahmen soll die Arbeit des Klubs mitfinanziert werden. Wir betreten einen kleinen Eingang der weiterführenden Schule in Assela, an deren hinterem Teil der Jugendklub angeschlossen ist. Der Jugendklub ist sehr dunkel, Glühbirnen gibt es keine. Dafür aber ein sehr wichtiges Buch: Das Trainingshandbuch der Stiftung, das den Jugendlichen die Aufklärungsarbeit erleichtert. Ein Jugendklubmitglied hat immer etwa sieben Jugendliche, die mehrere Monate durch die einzelnen Lektionen des Buchs geführt werden. Bis die Jugendlichen von Schülern zu Lehrern werden und jeder von ihnen sieben andere Jugendliche betreut. Viele sind eingebunden, keiner soll unwissend bleiben.

Dirk Roßmann konnte es sich als 96er natürlich nicht nehmen lassen, den Jugendlichen die Trikots von Hannover zu überreichen.

Draußen sitzen mehr Mädchen als Jungs zusammen in einem Stuhlkreis und diskutieren über die Arbeit im Jugendklub. Über kommende Aktivitäten im Klub. Beispielsweise über kommende Sportveranstaltungen, die vom Jugendklub dafür verwendet werden, um darüber andere Jugendliche von umliegenden Gemeinden zu erreichen. Da trifft es sich gut, dass wir ein paar Bälle und Trikots von Hannover 96 im Gepäck hatten, die Dirk Roßmann den Jungen und vor allem den Mädchen überreichte, die hier genauso begeistert gegen das runde Leder treten. Fußball verbindet.

Noch verbindender als Fußball ist in Äthiopien aber ein uraltes Nationalprodukt: Der Kaffee! Zu jedem Anlass werden über einem kleinen Feuerchen Kaffeebohnen geröstet, anschließend gemahlen und letztendlich zu einem wohlriechenden, sehr starken Kaffee arabica verarbeitet. Dazu gibt es massenhaft Weißbrot und … Popcorn. Hungern musste hier keiner.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.