Jugendliche in Uganda bei einem Spiel im Freien
Frühe Sexualaufklärung ist wichtig, damit sich die Jugendlichen vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können. Das gelingt durch eine spielerische Wissensvermittlung.

Sexualaufklärung mit zehn Jahren? Ist das nicht zu früh?

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Autor: Sonja Bruning

„Die Jugend wird immer frühreifer.“ „Das geht ja heute alles schon viel eher los.“ Wer diese Sätze noch nicht gehört hat, lebt wahrscheinlich auf dem Mond. Es ist ein weit verbreiteter Glaube, dass sich Jugendlichen vor dem fünfzehnten Lebensjahr eigentlich noch gar nicht mit dem Thema Sex befassen sollten. Die Realität zeigt: Sie tun es aber dennoch. Und das ist auch völlig verständlich, denn die Pubertät setzt schließlich nicht erst im Alter von 15 Jahren ein, sondern meistens im Alter zwischen zehn und elf.

Eine frühe Sexualaufklärung ist wichtig

Gefährlich und sogar lebensbedrohlich ist es, wenn wir dem alten Credo folgen und glauben, Sexualaufklärung sei bei den zehn bis 14-Jährigen noch nicht notwendig. Sie ist es! Besonders in Gesellschaften, wo selten bis gar nicht über Sexualität gesprochen wird. Woher sollen junge Mädchen zum Beispiel wissen, was passiert wenn sie ihre erste Monatsblutung haben. Oder wenn ein andere Jugendlicher oder gar ältere Männer mehr wollen, als nur ein bisschen Nähe. Natürlich wissen die Jugendlichen einerseits ganz genau, was man unter “Sex” versteht. Doch häufig wissen sie nicht, wie man sich verhält. Wie man verhütet. Wie man verhindern kann, in so jungen Jahren schon schwanger zu werden. Denn dann stellt sich für viele junge Mädchen plötzlich die Frage, ob sie unerlaubt und unsicher abtreiben und damit ihr Leben aufs Spiel setzen oder das Kind zur Welt bringen. Das ist bei einer Dreizehnjährigen in vielen Entwicklungsländern gleichbedeutend mit einem Schulabbruch.

In Uganda hatten wir uns deshalb in Zusammenarbeit mit Bayer HealthCare Pharmaceuticals entschieden, ein innovatives Aufklärungsprojekt an zehn Grundschulen zu starten, das auch jüngere SchülerInnen adressiert. Die Aufklärung fand dort in eingerichteten Jugendklubs statt, wo die Schüler und vor allem Schülerinnen frei waren, sich über das Erwachsenwerden und Sexualität auszutauschen. Das Projekt richtete sich aber nicht nur an die SchülerInnen, sondern auch an die LehrerInnen, die darin unterstützt wurden ihren Sexualkundeunterricht jugendfreundlicher zu gestalten. Zudem haben wir festgestellt, dass es einige Fälle gab, wo Jungs wie Mädchen von Lehrern sexuell belästigt wurden. Sie wussten oftmals nicht, wie sie mit so einer Situation umgehen sollten – und erst recht kannten sie nicht ihre Rechte.

Tolle Erfolge in Uganda

Wir waren am Ende sehr zufrieden mit unserem vierjährigen Pilotprojekt in Uganda. Als wir im Jahr 2011 die Projektergebnisse untersuchten, haben 90 Prozent der SchülerInnen gewusst, wie sie sich vor einer Ansteckung mit HIV schützen können. Zu Beginn des Projekts war es lediglich ein Viertel der SchülerInnen. Und während 2008 noch 118 Mädchen frühzeitig die Schule verlassen haben, sind es nun nur noch 29.

In Anbetracht dessen hatten wir auch keine großen Probleme die Lehrergemeinden, die Eltern aber auch die lokalen PolitikerInnen mit ins Boot zu holen. Denn was besonders schön ist: Einige PolitikerInnen und Gemeinden haben erkannt, dass die Aufklärung nicht früh genug stattfinden kann und setzen die Aktivitäten jetzt mit staatlichen Mitteln fort. Das war für uns ein großer Erfolg in Sachen Nachhaltigkeit und so sollte es im Idealfall ja auch sein. Lokale Regierungen übernehmen Verantwortung.

Wir machen in Kenia weiter

Unser Projekt in Uganda ist beendet. Unsere Erfahrungen haben wir im Rahmen eines gemeinsamen Anschlussprojekts mit Bayer HealthCare Pharmaceuticals übertragen. Seit Sommer letzten Jahres arbeiten wir an der Küste Kenia mit neun Grundschulen zusammen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen uns, dass wir mit unserem Ansatz auch hier auf dem richtigen Weg sind, viele Mädchen und Jungen die Chance auf ein gesundes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen!

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