„GESUND, SICHER, STARK“ ist der Titel der Studie, die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung im Auftrag der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) erstellt hat. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit allgemeine Gesundheitsversorgung und sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) einander bedingen. Ein wesentlicher Appell: Allgemeine Gesundheitsversorgung und körperliche Selbstbestimmung müssen stärker verzahnt werden. Die SRGR-Studie wird am 19. Mai 2021 vorgestellt. Die Studie steht hier zum Download zur Verfügung. Die Highlights der Studie und die wichtigsten politischen Forderungen der DSW sind in einem Positionspapier zusammengefasst.

Um direkt zur SRGR-Studie zu gelangen, klicken Sie auf das Bild.

Covid-19 hat viele Schwachstellen sichtbar gemacht

Gesund zu sein, sich sicher zu fühlen und die Stärke zu haben, optimistisch in die Zukunft zu schauen – selten haben wir alle uns das wohl so sehr gewünscht wie im vergangenen Jahr. Für Viele sind Gesundheit und Zukunftsperspektive in dieser Krise aber nur Wünsche geblieben.

Das gilt auch für viele Menschen in afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Sie leiden insbesondere unter den wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 und der dadurch zunehmenden Armut. Das ist ein Grund dafür, dass Mädchen häufiger früh verheiratet werden – ganz einfach, weil ihre Familien sie nicht mehr versorgen können. Oft bedeutet dies, dass sie noch im Teenageralter Mütter werden.

Die globale Pandemie hat uns auf dem Weg zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung – auf Englisch Universal Health Coverage (UHC) – und zu einem universellen Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte (SRGR) deutlich nach hinten geworfen.

Aber nicht nur das Virus, sondern auch rückwärtsgewandte politische Entscheidungen und Gegenwind auf internationalem und europäischem Parkett bremsen unsere Fortschritte aus. Deutlich wird dies insbesondere im SRGR-Bereich. Umso wichtiger ist es für uns, dass wir seit Anfang 2021 wieder auf die USA als einen zentralen Partner und Unterstützer zählen können.

Leider hielt die Freude über die Rückkehr der USA in den Kreis der Vorkämpfer für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung nur kurz an. Denn Ende April ist ein anderer langjähriger Partner aus diesen Reihen ausgetreten – zumindest was die Finanzierung angeht. Das Vereinigte Königreich hat ankündigt, dass es seine Beiträge für UNFPA, IPPF und andere internationale Organisationen, die Millionen Menschen mit SRGR-Dienstleistungen versorgen, drastisch kürzen wird. Auch Mittel zur Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und Polio werden teilweise um über 90 Prozent gekürzt. All das trifft vor allem Frauen und Mädchen hart.

Diese Entwicklung macht einen entschiedenen Einsatz für SRGR und allgemeine Gesundheitsversorgung umso nötiger.

SRGR-Studie zeigt deutlichen Handlungsbedarf seitens der Politik

Deutschland hat in den letzten Jahren zunehmend Verantwortung in den Arbeitsfeldern globale Gesundheit und SRGR übernommen. Untermauert wurde dies vor allem mit finanzieller Unterstützung an multilaterale und internationale Organisationen.

Wir als Deutsche Stiftung Weltbevölkerung begrüßen dieses Engagement. Aber es bleibt in unseren Augen auch noch vieles zu tun für die Bundesregierung:

  • Sie muss ihre Vorreiterrolle im Bereich Globale Gesundheit und SRGR auch in der kommenden Legislaturperiode weiter ausbauen. Sie muss außerdem ihren politischen Einfluss auf internationaler und EU-Ebene nutzen, um eine progressive SRGR-Agenda voranzutreiben.
  • Damit Deutschland dies mit dem notwendigen Nachdruck tun kann, ist es zentral, dass die Bundesregierung das 0,7 Prozent-Ziel erfüllt. Das bedeutet, dass öffentliche Entwicklungsgelder in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungszusammenarbeit bereitstellt werden – und zwar langfristig und nicht nur in Krisensituationen wie der aktuellen.
  • Diese Mittel sollten unter anderem dafür genutzt werden, um die Beiträge an multilaterale Organisationen, die an der Schnittstelle von Globaler Gesundheit und SRGR arbeiten, weiter zu steigern. Das ist auch wichtig, um so zumindest einen Teil der Kürzungen des Vereinten Königreichs abzufedern.
  • Nicht zuletzt muss die Regierung die Arbeitsfelder der Allgemeinen Gesundheitsversorgung und SRGR stärker als bisher verzahnen.

Warum ist letzteres von zentraler Bedeutung, um die Nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen? Wie agiert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bislang in diesen Bereichen agiert? Wo gibt es Handlungs- und Anpassungsmöglichkeiten? Das alles beleuchtet die SRGR-Studie des Berlin-Instituts ausführlich.