Tuberkulose (TB) ist eine behandelbare und vermeidbare Krankheit. Vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie war sie die weltweit tödlichste Infektionskrankheit: 1,4 Millionen Menschen starben im Jahr 2019 an TB. Doch in den letzten 50 Jahren wurden nur drei neue Medikamente und Therapien zur Bekämpfung der Krankheit entwickelt. Der bestehende TB-Impfstoff, der 1921 entwickelt wurde, bietet nur einen sehr begrenzten Schutz, nämlich gegen schwere Formen der Krankheit bei Kleinkindern.

Um die globale TB-Krise zu bewältigen, werden neuere, sicherere, effektivere und schneller wirkende Medikamente benötigt. Forschung und Entwicklung spielen eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von neuen Hilfsmitteln, Produkten, Impfstoffen und Diagnostika. Dafür müssen neue Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten gemeinsam von Patient*innen, betroffenen Gemeinden, der Zivilgesellschaft und Forscher*innen vorangetrieben werden; alle müssen an einem Strang ziehen.

Ein geschlechtersensibler Ansatz

Weltweit haben Männer ein höheres Risiko, an TB zu erkranken und daran zu sterben, als Frauen. Frauen sind jedoch mit vielen Hindernissen beim Zugang zur Behandlung konfrontiert und tragen eine unverhältnismäßig große Last der Krankheit. Kulturelle und finanzielle Barrieren können Frauen daran hindern, eine Behandlung in Anspruch zu nehmen, was zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen kann. So brauchen sie zum Beispiel manchmal die Erlaubnis ihrer Familie, um zu einer Behandlung zu reisen. Soziale Normen und Stigmatisierung haben außerdem zur Folge, dass Frauen, die an TB erkrankt sind, oft von ihren Familien oder Gemeinden ausgeschlossen werden.

TB ist außerdem nach wie vor die Haupttodesursache bei Menschen, die mit HIV leben. Im Jahr 2018 waren weltweit 43 Prozent der HIV-bedingten TB-Todesfälle bei Erwachsenen (älter als 15 Jahre) Frauen. 90 Prozent dieser Todesfälle entfielen auf Frauen in Afrika. TB bei schwangeren Frauen, die mit HIV leben, erhöht das Risiko der Mütter- und Säuglingssterblichkeit um fast 400 Prozent. Außerdem fehlen Daten zur Dosierung und Toxizität vieler TB-Medikamente bei schwangeren Frauen, insbesondere bei denjenigen, die auch mit HIV infiziert sind und antiretrovirale Medikamente einnehmen.

Behandlung von Symptomen und Ursachen

Wenn wir die TB-Epidemie bekämpfen wollen, wie in den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Agenda 2030 festgelegt, ist ein besseres Verständnis der geschlechterspezifischen Auswirkungen und nicht nur des Vorkommens von TB erforderlich. Die Beseitigung zugrundeliegender Risikofaktoren wie geschlechtsspezifische Gewalt und Diskriminierung ist ebenso wichtig wie die Bereitstellung geschlechtersensibler Dienste für Prävention, Diagnose, Medikamente, Pflege und Unterstützung. Außerdem sollte die Tuberkuloseversorgung in die Dienste der reproduktiven Gesundheit integriert werden.

Der Mangel an Studien zur Schwangerschaftssicherheit muss ebenfalls angegangen werden, ebenso wie die Verbesserung der Berichterstattung über TB-Daten, getrennt nach Geschlecht. Mehr Forschung auf dem Gebiet der Tuberkulose ist dringend notwendig, aber sie muss über das traditionelle biomedizinische Forschungsmodell hinausgehen, das sich in erster Linie auf quantitative, medizinische Daten stützt. Stattdessen muss systematisch eine Gender-Perspektive integriert werden, die in einer kontextuellen (lokalen) Analyse auf der Grundlage von Soziologie, Politikwissenschaften und Anthropologie verwurzelt ist. Nur so kann es gelingen, dass beim Beenden von TB niemand zurückgelassen wird.

Der Beitrag ist eine Übersetzung aus dem Englischen. Das Original finden Sie auf dem englischen Blog der DSW