Die Corona-Pandemie macht uns derzeit alle zu Stubenhocker*innen wider Willen. Wer kann, schützt sich und andere und bleibt zu Hause. Nicht so Rosemary Wanjiru in Kenia. Die Gesundheitshelferin hat ein klares Ziel: Sie will Tuberkulose in ihrem Viertel beenden. Und ihre Patient*innen vertrauen auf sie und brauchen sie – gerade in diesen Zeiten.

Seit über 18 Jahren arbeitet Rosemary Wanjiru als Gesundheitshelferin in Soweto, einem Viertel der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Nun hat COVID-19 die zweifache Mutter vor eine Zerreißprobe gestellt: Wäre es besser, sie bliebe zu Hause, um sich und ihre Familie vor Corona zu schützen? Oder sollte sie sich weiterhin um ihre Patient*innen kümmern, die dringend ihre Hilfe benötigen?

In ihrer Nachbarschaft setzt sich Rosemary mit viel Leidenschaft dafür ein Infektionskrankheiten wie HIV und Tuberkulose in den Griff zu kriegen. Zielstrebig bewegt sie sich durch die engen Gassen ihres Viertels und versorgt ihre Mitmenschen mit lebensrettenden Medikamenten und Gesundheitsinformationen. Doch mit den ersten COVID-19-Fällen wurde alles anders. Von einem Tag auf den anderen brachte ihre Arbeit sie selbst und ihre Familie in Gefahr.

Rosemary Wanjiru mit ihrem Sohn. Die Sorge, durch ihre Arbeit in der Klinik ihre Familie mit COVID-19 anzustecken, war für sie eine große Belastung. Bild: Der Globale Fonds / Michael Ilako.

Rosemary erinnert sich noch gut daran, wie sie ihrer Familie von den ersten COVID-19 Fällen in ihrem Krankenhaus erzählte. Ihre Kinder schreckten förmlich vor ihr zurück. Sie fürchteten, sie könne das Virus mit nach Hause gebracht haben. Für sie als Mutter war das ein furchtbarer Moment.

„Ich fühlte mich stigmatisiert, unerwünscht, ungeliebt“, erinnert sich Rosemary. „Aber ich verstand natürlich, dass alle Angst davor haben, zu sterben.”

Vielen hätte das wohl den Mut genommen. Aber nicht Rosemary. Sie konnte nicht einfach aufhören, ihre Patient*innen zu versorgen, die verzweifelt auf Hilfe warteten – vor allem nicht während der ersten Monate der Corona-Pandemie, als die kenianische Regierung den Lockdown verhängte.

„Die Menschen hatten nicht genug zu essen, alle hatten Angst. Doch meine Patient*innen glaubten, ich könnte ihre Probleme lösen. Zum Beispiel eine bettlägerige Patientin von mir, sie hat Tuberkulose und HIV, brauchte meine Pflege. Ich konnte sie doch während des Lockdowns nicht einfach vergessen“, erzählt Rosemary.  „Ich hatte keine andere Wahl als loszugehen und zu helfen.“

Ihr war jedoch auch klar, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun musste, um sich und ihre Familie vor einer Infektion zu schützen. In ihrer Klinik gab es jedoch nicht genügend Schutzausrüstungen (PPE). Darum ging Rosemary an ihr Erspartes und kaufte Masken und Handdesinfektionsmittel, um sich zu schützen.

Die Lage verbesserte sich erst, als Amref Health und Malteser International mit Unterstützung des Globalen Fonds begannen, Schutzausrüstung an Gesundheitshelfer*innen zu verteilen. Auch in Rosemarys Viertel, sodass sie sich von nun an besser vor dem neuen Virus schützen konnte. Seit März 2020 hat der Globale Fonds mehr als 45 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, um Kenias Maßnahmen gegen COVID-19 zu unterstützen. Die Mittel ermöglichen unter anderem Gesundheitspersonal zu schulen und Ausrüstung zum Gesundheitsschutz, wie Masken und Handschuhe, zu beschaffen – um Helfer*innen wie Rosemary zu schützen.

Wenn sie heute die Menschen in ihrem Viertel versorgt, fühlt sich Rosemary sicherer. Tausenden anderen Gesundheitspfleger*innen in Kenia fehlt jedoch weiterhin das Nötigste, um sich und ihre Familien vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. COVID-19 breitet sich weiter im Land aus und der verfügbare Gesundheitsschutz reicht bei weitem nicht aus. Rosemary hofft, dass sich bald alle ihre Kolleg*innen ausreichend schützen können, sodass sie nicht länger vor die Entscheidung gestellt werden: Schütze ich mich und meine Familie? Oder gehe ich meiner Arbeit nach, die ich liebe und wo ich gebraucht werde?

„Wir retten Leben, geben Hoffnung und verbreiten die Botschaft, dass Tuberkulose heilbar ist“, sagt Rosemary Wanjiru. „Das ist ein großartiges Gefühl… So fühle ich mich erfüllt.“

COVID-19 hat die Bekämpfung von Tuberkulose ausgebremst. Aber Rosemary ist trotzdem zuversichtlich, dass sie maßgeblich dazu beitragen kann, die Verbreitung der Krankheit in ihrem Viertel ein für alle Mal zu beenden.

 

Der Text ist ein Gastbeitrag vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria. Mehr Infos auf https://www.theglobalfund.org/en/.