Am Tuberkulosetag 2018 brauchen wir noch mehr Investitionen in Forschung
Seit 100 Jahren ist in der Tuberkulose-Forschung nicht viel passiert. Das muss sich ändern! Foto: Oliver Peulen (CC)

Tuberkulose-Impfstoff: 100 Jahre und kein bisschen weiter

Mareike Döring Blog, Globale Gesundheit Leave a Comment

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge fehlten im Jahr 2017 für eine ausreichende Finanzierung der Tuberkulosebekämpfung 2,3 Milliarden US-Dollar. Am heutigen Tuberkulosetag 2018 werden wir einmal mehr daran erinnert, dass wir dringend Investitionen brauchen, um sowohl den rund 100 Jahre alten Impfstoff zu überarbeiten als auch effektive Diagnostika und hochwerte Medikamente für alle Menschen verfügbar zu machen.

Impfungen gegen Tuberkulose sind noch immer nicht effektiv

Der Mediziner Robert Koch entdeckte heute vor 126 Jahren den Erreger für Tuberkulose. Es war das Ergebnis jahrelanger Forschung und zahlreicher Kontroversen in der Medizinwelt, denn Tuberkulose forderte nach aktuellen Schätzungen zwischen 1700 und 1900 über eine Milliarde Menschenleben. Dank Prävention und guter Behandlungsmethoden gingen die Tuberkulosefälle in den Industrienationen allerdings deutlich zurück. Doch gerade in Entwicklungsländern erkranken bis heute Menschen an der Epidemie. Allein in 2016 waren es 10,4 Millionen – und das obwohl das Beispiel Europa zeigt, dass Tuberkulose behandelbar und vermeidbar ist.

Die Entwicklung eines besseren und wirksameren Impfstoffs geht seit den Zeiten von Robert Koch nur schleppend voran. Dabei wäre eine wirksame Impfung endlich ein Weg aus dem Teufelskreis der Armutskrankheit. Wer in Armut lebt, hat ein höheres Risiko der Ansteckung. Kranksein wiederum macht arm – schließlich kann man nicht arbeiten und muss dazu noch für die oft kostspielige Behandlung aufkommen. Am besten also, wenn Tuberkulose von Anfang an verhindert oder wenigstens früh erkannt werden könnte.

Schwierige Diagnose

Doch hier zeigt sich ein weiteres Problem: Ein Drittel der Weltbevölkerung ist zwar mit dem Erreger infiziert, jedoch wissen viele nichts davon. Wer infiziert ist, zeigt keine Symptome und so erfahren Menschen häufig erst von ihrer Erkrankung, wenn sie ausgebrochen ist. Rund zehn Prozent der Infizierten werden im Laufe ihres Lebens krank. Meist bricht die Krankheit bei Menschen aus, deren Immunsystem geschwächt ist. Tuberkulose schlummert also in vielen von uns und bricht dann aus, wenn wir am verwundbarsten sind. Häufig ist das beispielsweise der Fall bei Menschen, die mit HIV leben, unterernährt, obdachlos oder drogenabhängig sind. Auch alte Menschen haben ein höheres Risiko.

Bislang gibt es keine zuverlässigen Methoden, um die sogenannte latente TB (also Tuberkulose vor dem Ausbruch) zu diagnostizieren. Auch wenn in diesem Stadium die Behandlung um vieles einfacher wäre und außerdem die Ansteckungsgefahr für das Umfeld sinken würde. Es muss also endlich in Grundlagenforschung zur frühen Erkennung und Prävention investiert werden, damit diese Krankheit endlich von der Erde verschwindet.

Doch was, wenn man krank wird?

Die gute Nachricht ist, dass Tuberkulose tatsächlich behandelbar ist, auch wenn sie bereits ausgebrochen ist. Doch auf diese gute Nachricht folgen einige schlechte: Die Behandlung ist langwierig, da die Medikamente über einen Zeitraum von ein paar Monaten bis zu ein paar Jahren eingenommen werden müssen. Dies führt besonders bei Erkrankten in Entwicklungsländern dazu, dass sie die Medikamente absetzen, sobald die Symptome abgeklungen sind. Denn für die Behandlung müssen sie oft weit fahren.

Wer jedoch seine Medikamente absetzt, bevor er vollständig geheilt ist, der erlebt Rückfälle, und es können sich resistente Erreger bilden. Diese Art der Medikamentenvergabe ist also offensichtlich nicht praktikabel für die Orte, an denen die meisten Menschen mit Tuberkulose zu kämpfen haben. Deshalb braucht es eine flächendeckende medizinische Versorgung und wirksame Medikamente, die für alle verfügbar sind.

Eine vergessene Krankheit?

Der heutige Tuberkulosetag soll Tuberkulose wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Denn medizinische Entwicklung und die Prävention von Krankheiten geht uns alle etwas an!

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