Foto: Jonathan Torgovnik (CC BY NC 4.0)

Umfrage zeigt: Entwicklungsfinanzierung bleibt hinter Erwartungen zurück

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Autor: Christoph Behrends

Bundesbürger und Bundestagsabgeordnete wünschen sich ein stärkeres entwicklungspolitisches Engagement von der Bundesregierung. Das ergaben zwei repräsentative Umfragen, die TNS Emnid im Auftrag der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung durchgeführt hat.

79 Prozent der Bundesbürger sprachen sich dafür aus, dass Deutschland mehr in Entwicklungszusammenarbeit investieren soll. Unter den befragten Abgeordneten lag die Zustimmung mit 89 Prozent sogar noch höher.

Bei unserer Befragung zeigte sich, dass sowohl Bürger als auch Abgeordnete schon heute von mehr Investitionen in diesem Bereich ausgehen, als tatsächlich getätigt werden. So schätzten die Bürger im Durchschnitt, dass Deutschland 2,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Entwicklungszusammenarbeit aufwendet. In Wirklichkeit lag dieser Beitrag zuletzt bei nicht einmal 0,4 Prozent. Mehr als die Hälfte der befragten Abgeordneten (55 Prozent) schätzte Deutschlands Investitionen höher ein, als sie tatsächlich sind. Im Durchschnitt gingen sie von 0,9 Prozent aus.

Die Umfrageergebnisse zeigen nicht nur, dass Bürger und Bundestagsabgeordnete die entwicklungspolitischen Investitionen Deutschlands überschätzen. Sie dokumentieren auch, dass ihnen Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern am Herzen liegt – und dass die Politik dem entsprechen sollte.

0,7 Prozent – in Deutschland bis heute unerreicht

Das international vereinbarte Ziel, bis 2015 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung in Entwicklungszusammenarbeit zu investieren, wird Deutschland vermutlich verfehlen – trotz wiederholter Beteuerungen, daran festzuhalten. Das Bekenntnis zum 0,7 Prozent-Ziel im Koalitionsvertrag verkommt damit zur Nebelkerze.

Die Bundesregierung muss so schnell wie möglich einen verbindlichen Aufwuchsplan aufstellen, damit das 0,7 Prozent-Ziel spätestens bis Ende der Legislaturperiode erreicht wird. Dass dieses Ziel erreicht werden kann, hat Großbritannien im vergangenen Jahr vorgemacht. Auch Dänemark, Schweden und viele andere Länder halten die Zielmarke teils bereits seit vielen Jahren ein.

Bundesbürger wollen mehr

Entwicklung braucht eine solide Finanzierung, um auch langfristig positive und spürbare Effekte in der Armutsbekämpfung zu erzielen. Wenn Deutschland seine Investitionen auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens aufstockt, würde das dem international vereinbarten Mindestmaß entsprechen. Die Bundesbürger würden aber sogar noch einen Schritt weitergehen: 43 Prozent der Teilnehmer unserer Umfrage waren der Meinung, dass Deutschland mehr als 0,7 Prozent investieren sollte.

Die Umfragen wurden im August 2014 durchgeführt. Befragt wurden 1.001 Bundesbürger im Alter ab 18 Jahren sowie 104 Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen.

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