Unsere “Bravo” ist Äthiopiens größte Jugendzeitung

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In Äthiopien fehlt jungen Menschen häufig ein Forum, um sich über ihre Sorgen und Probleme austauschen zu können. Mit „Gilts Wotat“ gibt die Stiftung Weltbevölkerung eine Monatszeitschrift heraus, die der jungen Generation mit Rat und Tat zur Verfügung steht und ihr eine Stimme gibt. Was hat es mit dem Blatt auf sich, das bei den Jugendlichen in Äthiopien so beliebt ist? 

Verringert ein Kondom das Gefühl beim Sex? Wie wird mein Freund reagieren, wenn ich ihm erzähle, dass ich noch nie Sex hatte? Ich habe nicht das Gefühl, meinen Freund wirklich zu lieben – kann es helfen, wenn wir Sex haben? Schützt ein Kondom ganz sicher vor HIV? Fragen wie diese brennen den Jugendlichen in Äthiopien unter den Nägeln. Nur selten können sie darüber aber mit ihren Eltern oder ihren Lehrern sprechen. Zu groß sind die Vorbehalte. So tauschen sich Jugendliche am liebsten untereinander aus – und das natürlich auch über die Grenzen ihres Freundeskreises oder ihrer Gemeinde hinweg.

Jugendliche zählen nicht gerade zur bevorzugten Zielgruppe von kommerziellen Mainstream-Medien. Dabei ist fast ein Viertel der Bevölkerung zwischen zehn und 19 Jahren, und der Informationsbedarf der jungen Menschen ist riesig. Diese Lücke schließt unsere Zeitschrift „Gilts Wotat“! „Gilts Wotat“, das bedeutet so viel wie „aufgeschlossene, junge Person“. Sie ist die einzige Jugendzeitschrift, die in Äthiopien regelmäßig und kontinuierlich produziert wird.

Die Jugendlichen gestalten das Heft mit

Das Jugendheft wird in zwei der meistverbreiteten Sprachen Äthiopiens aufgelegt: auf Amharisch und auf Oromo. Jugendliche aus dem ganzen Land tragen aktiv zur Zeitschrift bei. Die Mitglieder der Jugendklubs der Stiftung und viele andere Jugendliche schicken ihre persönlichen Fragen, Fotos und Erfahrungsberichte an die Redaktion. Wir drucken diese dann in den eigens dafür geschaffenen Kolumnen ab. Viele Jugendliche lieben es, Kurzgeschichten oder Gedichte zu schreiben. Bei uns können sie sie veröffentlichen. So können sich die Heranwachsenden über ihren Freundeskreis hinweg austauschen und ihre Probleme mit denen anderer in Beziehung setzen. Außerdem erfahren sie in unserem Magazin, welche Rechte sie haben und wie sie diese durchsetzen können.

Özil, Ronaldo und Co. locken an

Die Fragen der jungen Leser berühren oft Themen wie Partnerschaft und Sexualität. Aber sie interessieren sich natürlich für vieles mehr, insbesondere für Sport. Die Menschen in Äthiopien sind fußballverrückt und jeder hat sein Lieblingsteam aus Europa. In Bars verfolgen die Menschen vor allem die Spiele aus der englischen Premier League. Deshalb bringen wir auf der letzten Seite von “Gilts Wotat” spannende Geschichten zu den internationalen Fußballstars und berichten von lustigen Ereignissen – und zeigen den Jugendlichen, was sie daraus für ihr Leben lernen können.

300.000 Leser pro Monat

Wir produzieren „Gilts Wotat“ jeden Monat in einer Auflage von etwa 20.000 Exemplaren. Damit können wir den Bedarf allerdings kaum decken. Aus Umfragen wissen wir, dass jedes einzelne Exemplar von bis zu 15 Jugendlichen gelesen wird. Das entspricht einer Reichweite von stolzen 300.000 Lesern!

Verteilt wird die Zeitschrift über zahlreiche Kanäle: in den Jugendklubs der Stiftung, über Büchereien, über Hochschulen, über Partnerorganisationen und staatliche Stellen. Oft werden mehr Exemplare angefragt als zur Verfügung stehen. Auch versorgen wir Jugendliche in Haftanstalten mit dem Heft. Wenn junge Menschen aufgrund ihrer Perspektivlosigkeit straffällig werden, können wir sie also trotzdem erreichen. Die Mitglieder der Jugendklubs der Stiftung bringen ihnen die Magazine mit, wenn sie ihre Altersgenossen besuchen und beraten.

Mehr als nur eine Jugendzeitung

„Gilts Wotat“ ist Teil einer größer angelegten Medienkampagne, mit der wir dazu beitragen, dass Jugendliche besser auf sich und ihre Gesundheit achten. Unser inhaltlicher Fokus liegt dabei auf Prävention und der Vermittlung von lebenspraktischen Fähigkeiten. Neben der gedruckten Zeitschrift produzieren wir außerdem Broschüren, Plakate, Newsletter und audiovisuelle Medien, um die jungen Leute auf möglichst vielen Kanälen zu erreichen. Und das lohnt sich: In den letzten Jahren haben wir acht Millionen Jugendliche in Äthiopien mit Informationen versorgt.

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