Eine Frau erklärt in Nairobi, Kenia, wie ein Femidom funktioniert
Workshop zu Verhütungsmöglichkeiten in Kenia: das Femidom. Foto: Jonathan Torgovnik

Verhütung: weit mehr als Pille und Kondom

Leonie Müßig Blog, Freiwillige Familienplanung 2 Comments

Die Pille ist in Deutschland das beliebteste Verhütungsmittel, gefolgt vom Kondom. Dann kommt weit abgeschlagen die Spirale. Aber wie sieht das eigentlich in anderen Ländern aus? Welche anderen Möglichkeiten der Verhütung gibt es noch? Und muss Verhütung Frauensache bleiben?

Weltweit verhüten Paare am häufigsten (rund ein Drittel) durch die Sterilisation der Frau. Da man diesen Vorgang nicht oder nur schwer rückgängig machen kann, ist die Methode eher für Paare geeignet, die ihre Familienplanung schon abgeschlossen haben. Auf Platz zwei steht die Spirale, mit der über einen längeren Zeitraum (bei der Kupferspirale bis zu zehn Jahre) sicher verhütet werden kann. Allerdings braucht es dafür gute medizinische Betreuung. Den dritten Platz belegt die Pille für die Frau. Diese hormonelle Form der Verhütung muss täglich eingenommen werden.

Die Liste an modernen Verhütungsmethoden ist lang. Selbst in Industrieländern kennen die wenigsten alle Möglichkeiten, die auf dem Markt sind. Doch dieses Wissen und entsprechende medizinische Beratung sind wichtig, damit Frauen die für sie passende Methode finden können. Jede Frau ist anders – genauso wie ihre Lebensumstände und ihre Ansprüche an Verhütung. Die ändern sich auch im Laufe der Zeit. Junge, unverheiratete Frauen brauchen andere Verhütungsmöglichkeiten als Verheiratete, Frauen mit Kindern oder Frauen in den Wechseljahren.

Wenn Verhütung verheimlicht werden muss

Nicht überall kann so offen über Sexualität und Verhütung gesprochen werden wie hierzulande. In vielen Ländern in Afrika südlich der Sahara sind diese Themen tabu. Aus religiösen, kulturellen oder sozialen Gründen ist es oftmals verpönt, über Verhütung zu sprechen. Trotzdem sollten Frauen das Recht haben, frei entscheiden zu können, ob und zu welchem Zeitpunkt sie schwanger werden möchten. Verhütungsmöglichkeiten wie Kondom oder das weibliche Gegenstück Femidom sind von der Zustimmung des Partners abhängig. Darum wundert es nicht, dass in der Region die Dreimonatsspritze die am meisten verwendete Verhütungsmethode ist. Dabei handelt es sich um eine Hormonspritze, die, je nach verwendetem Mittel, alle ein bis drei Monate erneuert werden muss. Die zweithäufigste Verhütungsmethode in Afrika südlich der Sahara ist die Pille, gefolgt vom sogenannten Verhütungsstäbchen. Auch das funktioniert durch Hormonabgabe aus einem kleinen Stäbchen, das in den Oberarm der Frau eingesetzt wird und dort bis zu fünf Jahre verbleiben kann.

Viele moderne Verhütungsmethoden, die derzeit auf dem Markt sind, funktionieren durch Hormonabgabe: Pille, Verhütungsstäbchen, Dreimonatsspritze, Hormonspirale, Vaginalring und Verhütungspflaster. Alle genannten Mittel sind Verhütungsmethoden für Frauen und keine dieser Methoden schützt zuverlässig vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Aids. Dafür ist das Kondom für den Mann immer noch das beste Mittel. Darüber hinaus gibt es nur noch das Femidom, das die gleichen Eigenschaften besitzt. Gerade für Jugendliche, die noch häufig den Sexualpartner wechseln, ist dieser Schutz extrem wichtig. Außerdem kann man ein Kondom kurzfristig und ohne medizinische Betreuung verwenden.

Deshalb dürfen wir uns nicht mit den derzeitigen Möglichkeiten zufrieden geben. Es braucht weitere Forschung, um mögliche Nebenwirkungen der bestehenden Verhütungsmittel so gering wie möglich zu halten und neue Verhütungsmethoden zu entwickeln. Für Frauen und für Männer. Ein breites Angebot stellt sicher, dass jeder Mensch die für ihn passende Methode findet.

Viele Formen der Verhütung

Einen Überblick über die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Verhütung bietet die englischsprachige Seite „Your Life“. Hier gibt es auch weitere Informationen über Sexualität, sexuell übertragbare Krankheiten und den eigenen Körper.

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