Task Force für die Agenda 2030: DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr beim Gründungstreffen der High-Level Task Force for ICPD. V. l. n. r.: Renate Bähr, Alessandra Nilo, Bience Philomina Gawanas, Kronprinzessin Mary von Dänemark.
DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr beim Gründungstreffen der High-Level Task Force for ICPD. V. l. n. r.: Renate Bähr, Alessandra Nilo, Bience Philomina Gawanas, Kronprinzessin Mary von Dänemark. (Copyright: HLTF for ICPD)

Vier Jahre Einsatz für die Rechte von Mädchen, Frauen und Jugendlichen

Leonie Müßig Blog, Entwicklungszusammenarbeit, Müttergesundheit, Weltbevölkerung Leave a Comment

Mehr als 220 Millionen Frauen in Entwicklungsländern würden gern verhüten, haben aber keine Möglichkeit dazu. Jedes Jahr kommt es in diesen Ländern zu 74 Millionen ungewollten Schwangerschaften. Alle zwei Minuten stirbt eine Frau infolge von Komplikationen bei der Schwangerschaft oder der Geburt – 99 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern. Die meisten dieser Todesfälle sind vermeidbar.

Um die Chancen dieser Frauen zu verbessern und die Themen sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte international zu stärken, wurde 2012 auf UN-Ebene eine internationale Expertengruppe – die High-Level Task Force (HLTF) der Weltbevölkerungskonferenz (ICPD) – ins Leben gerufen. Ein Gremium bestehend aus 26 international anerkannten Regierungsvertretern, Parlamentariern und führenden Mitgliedern der Zivilgesellschaft unter dem gemeinsamen Vorsitz der früheren finnischen Präsidentin Tarja Halonen sowie des früheren mosambikanischen Präsidenten Joaquim Alberto Chissano. Mit dabei auch die DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. Im September 2016 lief das Mandat der HLTF aus und Renate Bähr blickt im Interview zurück auf vier spannende Jahre.

Was war ausschlaggebend für die Gründung der HLTF 2012?

Es war die Zeit, in der die Verhandlungen über die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung langsam Fahrt aufnahmen. Und es bestand die Gefahr, dass das 1994 auf der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo schwer erkämpfte Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte keine ausreichende Berücksichtigung in den neuen nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) finden würden.

Was ist mit dem Begriff sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte gemeint?

Der Begriff bezeichnet das Menschenrecht auf freie Entscheidung über den eigenen Körper und die eigene Sexualität sowie auf Verhütung und freiwillige Familienplanung. Jeder Mensch sollte Zugang zu entsprechenden Informationen haben, um so informierte Entscheidungen treffen zu können, ohne Diskriminierung oder Gewalt befürchten zu müssen. Insbesondere Frauen sollten das Recht haben, selbst entscheiden zu können ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchten.

Welche Ziele hatte sich die HLTF für die vier Jahre gesetzt?

Ziel war es, die Themen sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte in die Agenda 2030 zu integrieren. Themen, die vor allem Mädchen und Frauen betreffen. Konkret haben wir vier Handlungsempfehlungen gegeben. So ging es uns vor allem darum, gesetzliche und politische Rahmenbedingungen zu schaffen, so dass kein Mensch wegen seiner sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität, HIV-Status oder einer anderen Eigenschaft diskriminiert wird. Zudem wollten wir sicherstellen, dass alle Menschen Zugang zu hochwertigen und bezahlbaren Gesundheitsdienstleistungen haben. Dazu gehört auch das Recht auf eine sichere Abtreibung. Einig waren wir uns in dieser Expertengruppe auch darüber, dass Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine große Beachtung geschenkt werden muss. Sie sollen Zugang zu umfassenden Informationen über Aufklärung und Verhütung bekommen. Zudem haben wir uns dafür eingesetzt, dass in der neuen Entwicklungsagenda die Bekämpfung der geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Mädchen und Frauen ein zentraler Platz eingeräumt wird.

Das Fazit nach vier Jahren?

Wir haben unter anderem ein überregionales Netzwerk von 80 Mitgliedern der Vereinten Nationen geschaffen, die sich aktiv für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte einsetzt. Das hat dazu geführt, dass sich die Themen auch in vielen Zielen und Unterzielen der nachhaltigen Entwicklungsziele wiederfinden. Unsere Erfolge kann man durchaus historisch nennen. Nie zuvor waren die Themen unserer Arbeit so präsent und wurden von so vielen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen unterstützt.

Was bleibt zu tun?

Dass die erwähnten Punkte in den nachhaltigen Entwicklungszielen festgeschrieben wurden, ist nur ein erster Schritt. Nun geht es darum, diese auch umzusetzen. Daher ist es wichtig, dass Politik und Zivilgesellschaft eng zusammenarbeiten und den weiteren Verlauf der Agenda 2030 kritisch begleiten. Vor allem Jugendliche brauchen unsere Aufmerksamkeit, denn sie entscheiden über die Zukunft.

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