Gelbfieber: Fläschchen mit Impfserum und Spritze
Gegen Gelbfieber gibt es bereits eine wirksame Schutzimpfung. Millionen Menschen in Entwicklungsländern sind jedoch weiterhin von sogenannten vernachlässigten Armutskrankheiten bedroht, gegen die bisher noch kein Impfstoff entwickelt wurde. Foto: NIH (CC BY 2.0)

Von der aktuellen Gelbfieberepidemie lernen

Leonie Müßig Blog, Globale Gesundheit 1 Comment

Seit Dezember 2015 herrscht im südwestafrikanischen Angola die schlimmste Gelbfieberepidemie seit 30 Jahren. Hauptüberträger des Virus ist die Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti), beziehungsweise ihre nahe Verwandte, die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Kommt einem bekannt vor? Richtig, denn die Mücke schwirrt bereits seit Monaten durch die Medien, da sie unter anderem auch das Zika-Virus überträgt. Gelbfieberinfizierte leiden häufig unter Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit. Die Symptome gehen für gewöhnlich nach drei bis vier Tagen zurück und die meisten sind anschließend wieder gesund. 15 Prozent der Erkrankten entwickeln jedoch die zweite, weit gefährlichere Phase der Krankheit, die bei der Hälfte der Patienten tödlich verläuft.

Therapieren lässt sich Gelbfieber nicht, jedoch gibt es einen Impfstoff. Die Impfkampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits positive Ergebnisse erzielt. Die Zahl der Neuinfektionen in Angola ist nach Angaben der WHO deutlich zurückgegangen. Das zeigt, wie wichtig die Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe und die flächendeckende Immunisierung der Bevölkerung in Risikogebieten sind. Im Falle des Gelbfiebervirus sieht die WHO aktuell die Gefahr einer Epidemie überall dort, wo die Tigermücke verbreitet ist, viele Menschen auf engem Raum leben und nur wenige geimpft sind. Einmal geimpft, besteht der Schutz gegen das Virus ein Leben lang. Was derzeit Anlass zur Sorge gibt, ist die Tatsache, dass der Impfstoff weltweit knapp wird. Die Notfallreserven sind aufgebraucht und die Herstellung dauert mehrere Monate. Experten warnen vor einem Notstand, sollte sich das Virus in anderen Teilen der Welt ausbreiten. Verdachtsfälle wurden bereits aus der Demokratischen Republik Kongo, Kenia, Uganda und China gemeldet.

Mit Weitsicht in Forschung und Entwicklung investieren

Im Gegensatz zum Gelbfieber gibt es für andere, ebenfalls von der Tigermücke übertragene Viruserkrankungen, wie Malaria, Denguefieber oder Chikungunya, noch keine Impfung. Sie gehören zu den sogenannten armutsbedingten Krankheiten. Das heißt, Krankheiten, die vor allem in ärmeren Ländern auftreten, wo wenig finanzieller Anreiz für Pharmafirmen besteht, entsprechende Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln. Doch gerade das Beispiel Tigermücke zeigt, wie fahrlässig dieses Verhalten ist.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes gehört die Asiatische Tigermücke zu den sich weltweit am stärksten verbreitenden Arten. Neben Ländern im Süden Europas ist sie mittlerweile auch in Süddeutschland zu finden. Bislang siedelt die Mücke noch nicht dauerhaft in Deutschland und es wurden auch keine Krankheitserreger nachgewiesen. Dennoch erhöht in der heutigen Zeit, wo Wege zwischen Ländern immer kürzer werden und tagtäglich Menschen rund um den Erdball unterwegs sind, diese Kombination von Entwicklungen unser eigenes Risiko.

Die Fokussierung auf Industrienationen ist daher kurzfristig gedacht. Was wir jetzt in die Gesundheitssysteme sowie in die Forschung und Entwicklung von Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten für Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren, kommt auf lange Sicht allen Menschen zugute.

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