GeNext Youth Champions Stephen und Ssengendo aus Uganda
GeNext Youth Champions Stephen und Ssengendo aus Uganda.

Weltverhütungstag #3: Von Hoffnungen und Kirchen

Denny Ehrlich Blog, Frühe Aufklärung, Jugendliche, Projektberichte 1 Comment

Im dritten und letzten Teil unseres Jugendspecials zum Weltverhütungstag berichten die GeNext Youth Champions Stephen und Ssengendo aus Uganda, wie sie ihre Gemeinden und sogar die Kirche überzeugen, sich für mehr Sexualaufklärung einzusetzen.

Stephen Keith Etyanga: „Wir müssen unsere Welt verändern!“

Ich heiße Stephen Keith Etyanga und ich bin Schüler in der Oberstufe der Kayoro-Schule in Busia. Außerdem bin ich Jugendberater und mittlerweile auch ein Youth Champion. Warum? Weil ich sehe, wie dringend wir in unserer Gemeinschaft in Sachen Sexualität und Verhütung umdenken müssen.

Ich wohne ein Stück außerhalb der geschäftigen ugandisch-kenianischen Grenzstadt Busia. Hier haben viele Familien nicht genug, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. In einigen Familien leben bis zu 13 Kinder. Viele Jugendliche in meinem Alter, die aus diesen Familien kommen, haben nicht genügend zu essen. Bei uns gibt es viele Kinder, aber wenige Schulen. Viele Kinder wünschen sich zur Schule zu gehen, aber die Qualität des Unterrichts bleibt so oft völlig auf der Strecke, weil sehr viele Kinder in einer Klasse sind.

Wenn ich mich mit den Jugendlichen unterhalte, merke ich bei vielen, dass sie sich vernachlässigt fühlen – von den älteren Menschen in der Gemeinde, viele sogar von ihren Eltern. Halt finden sie eher bei Freunden oder sogar Fremden, die ihnen oft eher eine Form von elterlicher Liebe entgegenbringen als die Eltern selbst. Das macht mich sehr traurig, denn anstatt ihre Kinder ins Erwachsenleben zu begleiten, haben die Eltern häufig einfach keine Zeit für sie.

Und doch habe ich auch große Hoffnung, denn ich sehe, wie wir uns als Gemeinschaft stärken, um voranzukommen. Als Youth Champion lege ich viel Wert aufs Teilen. Und mit Teilen meine ich keine materiellen Dinge, sondern Fähigkeiten und Erfahrungen. Ich achte zum Beispiel immer sehr darauf, dass die Jugendlichen häufiger zu Gesundheitschecks gehen und auf ihre Gesundheit Acht geben. Und dazu gehört auf jeden Fall, beim Sex ein Kondom zu verwenden.

Es gibt noch sehr viel in unserer Gemeinde zu tun, aber ich glaube wir sind auf einem guten Weg. Wir können uns als Gemeinschaft ändern und so ein besseres Leben führen.

Ssengendo Misaeri: Die Kirche und Sexualaufklärung

Jeden Samstag sitze ich zwischen drei und fünf Uhr in der Kirche. Nicht um zu beten, sondern um mit anderen Jugendlichen über das Thema Sexualität und Verhütung zu sprechen. Das klingt verrückt? Ist es vielleicht auch.

Kirchen und Moscheen sind hier unheimlich wichtige Orte. Jeder ist gläubig. Und der Wandel, den wir einleiten wollen, geht hier nicht ohne die Kirchen. Es ist schon eine große Herausforderung, an die Kirchen heranzutreten und mit ihnen über die Themen Sexualität und Verhütung zu sprechen – oder sogar mit ihnen gemeinsam etwas vorantreiben zu wollen. Doch obwohl die Geistlichen zumeist sehr wertkonservativ sind, erkennen auch sie die Probleme, die für die Familien durch ungewollte Schwangerschaften, eine große Zahl an Kindern und hohe HIV-Infektionsraten entstehen.

In der anglikanischen Kirche Nakatema führe ich nun unter den anderen Jugendlichen Diskussionsrunden über Sexualität und Verhütung durch. Wir sprechen dabei auch über andere Jugendthemen und über Familienplanung.

Ich bin aber nicht nur in der Kirche aktiv, sondern organisiere auch Gemeindedialoge. Das ist wichtig, denn erstens brauchen die Jugendlichen Rückhalt von der ganzen Gemeinde und zweitens gehen diese Themen auch die Älteren etwas an. Interessant ist dabei, wie sich mehr und mehr Menschen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen dafür einsetzen, dass verstärkt über Sexualität und reproduktive Gesundheit gesprochen wird. Ein lokaler Politiker erzählte uns, wie seine jüngste Tochter viel zu früh schwanger wurde und sich dabei sogar noch eine Geschlechtskrankheit einfing. Das hat ihm gezeigt, dass so etwas nur passiert, weil wir als Gesellschaft die Jugendlichen vernachlässigen. Jetzt unterstützt er sowohl die Familienplanungsdienstleister als auch unsere Dialoge mit Jugendlichen, Eltern und den Kirchen.


Im Rah­men der glo­ba­len Kam­pa­gne zum Welt­ver­hü­tungs­tag führt die Deutsche Stif­tung Welt­be­völ­ke­rung (DSW) das Pro­jekt GeNext Uganda: My Life, My Future! durch. Ziel des von Bayer Healthcare Pharmaceuticals unterstützten Projekts ist es, Jugendlichen in den ugandischen Distrikten Busia und Wakiso besseren Zugang zu altersgerechten Informationen und Dienstleistungen zum Thema Sexualität und Verhütung zu ermöglichen. Die Stiftung arbeitet dabei mit der lokalen Jugendorganisation Reach a Hand Uganda zusammen, die unter anderem Social Media-Aktivitäten umsetzt.

Als GeNext Youth Cham­pi­ons wer­den Jugend­li­che aus­ge­zeich­net, die in den Bereichen Sexualaufklärung und freiwillige Familienplanung umfassend geschult wurden und ihr Wissen an andere Jugendliche weitergeben.


Dreiteilige Blogserie zum Weltverhütungstag

Hier geht’s zu Teil 1 der Serie.

Hier geht’s zu Teil 2 der Serie.

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